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Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
Seite - 144 -
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Christine Neugebauer-Maresch, Eva Lenneis144 in groben Linien am Kopf eines Kleinkindes angeordnet, was darauf hindeutet, dass sie Teil eines Kopfschmucks bzw. einer Kopfbedeckung waren. Um abzuklären, wie die Scha- len befestigt waren, und um Überlegungen über die Ver- wendung zu ermöglichen, wurden von Harzhauser et al.332 100 gut erhaltene Objekte im Detail vermessen und teilwei- se im Raster-Elektronen-Mikroskop untersucht. Im Fol- genden werden diese Ergebnisse kurz zusammengefasst. Die neolithischen Schalen sind durchwegs adulte und subadulte Individuen und weisen eine Größe von 4,91– 7,63  mm Höhe und 4,27–7,38  mm Breite auf. Trotz dieser Streuung ist auffällig, dass sehr kleine und sehr große Indi- viduen nicht vorkommen und die Verteilung nicht jener in natürlichen Populationen entspricht. Dies deutet bereits auf eine gezielte Auswahl der Schalen. Die ovalen Perforationen der Schalen weisen eine Länge von 1,19–3,79  mm und eine Breite von 1,05–2,82  mm auf. Die Ränder der Löcher sind immer planar und zeigen keine zylindrischen Bereiche. Die- se Morphologie lässt sich nur durch Anschleifen der Scha- lenoberfläche an einem flachen Schleifmittel erzielen und schließt eine Bohrung aus. Subparallele Schleifmarken an den Rändern der Perforationen bestätigen diese Interpreta- tion. Da keine Korrelation zwischen Schalengröße und Per- forationsparametern feststellbar war, kann vermutetet wer- den, dass bei der Produktion eine bestimmte Lochgröße angestrebt wurde. Darüber hinaus zeigte sich, dass die Lo- chung immer in jenem Schalenviertel durchgeführt wurde, das der Apertur der Schnecke gegenüberliegt. Weiters konnte gezeigt werden, dass zwar die oberen und unteren Ränder der Lochungen meist gut erhalten sind, die vorderen Ränder jedoch Abriebspuren aufweisen. Diese Marken dürften Hinweis auf die Befestigung mittels einer Schnur sein, die zwischen Lochung und Apertur gespannt war. Die Schalen dürften somit auf einem Untergrund aufgenäht ge- wesen sein, wobei die Mündung der Schnecke in Sichtrich- tung orientiert war (Abb.  49). Ein einfaches Auffädeln der 332. Harzhauser et al. 2007. 5.3.2.4 Schmuck aus Stein Gräberfeld Kleinhadersdorf: Grabung 1931 Grab-Nr. Inv. Nr. NHM Wien Beschrei- bung Gewicht Roh- material Tafel 17 78810 1 tonnen- förmige Perle 17  g Calcit (Kalk- sinter)¹) 13 Tabelle  35: Kleinhadersdorf: Steinschmuck. ¹) Bestimmung R.  See mann (†) August 2004. Die einzige Kalksteinperle aus Kleinhadersdorf kommt aus einem leider schlecht befundeten Grab zweier Kleinkin- der, das aufgrund der Keramik in die Phase II a der LBK (siehe Kapitel 5.2.1.2) datiert werden kann. Kalksteinperlen wurden vermutlich zur Imitation von Spondylusperlen her- gestellt als diese nicht mehr ausreichend zur Verfügung standen. Sie kommen zumeist erst gegen Ende der Bandke- ramik häufiger vor, so in Bayern oder auch weiter westlich im Rheinland und im Pariser Becken329. Im nahegelegenen Gräberfeld Vedrovice in Mähren, dessen Belegungszeit nur bis in die Phase II a der LBK reicht, gibt es aber auch bereits Belege für sehr ähnlich gestaltete Perlen, die dort als „Mar- morwalzenkorallen“ bezeichnet werden330. Über deren ge- naue Herkunft konnte ich in den petrographischen und paläontologischen Beiträgen keinen Hinweis finden. Auch für das Stück aus Kleinhadersdorf fehlen konkrete Hinwei- se auf die Herkunft des wohl in der näheren/ferneren Um- gebung des Fundortes anstehenden Rohmaterials. 5.3.3 Der Schmuck aus Süßwassermolluskenschalen von Grab Verf. 26 – Größenauswahl und Lochungstechnik als Ergebnis von Schleiftechniken (Mathias Harzhauser)331 124 gelochte Schalen der Schnecke Lithoglyphus naticoides (Pfeiffer 1828) wurden in Grab Verf. 27 gefunden. Sie waren 329. Nieszery 1995, 160. – Bonnardin 2009, Fig. 149 und 150. 330. Ondruš 2002, Tafel XX/8.9. 331. Überarbeitete Version des Artikels von Harzhauser et al. 2007. Gräberfeld Kleinhadersdorf: Grabung 1931 Grab Inv. Nr. Beschreibung Länge Breite Dicke Gewicht Rohmaterial Tafel 7 6222a Gelochte Geweihsprosse 108 10–19 15 22  g Geweihsprosse eines Hirsches (Cervus elaphus) 9 9 62229 Knochenknebel 40 8 (16) 6 3  g indet. 10 Gräberfeld Kleinhadersdorf: Grabung 1987–1991 Verf.-Nr. Fund-Nr. Beschreibung Länge Breite Dicke Gewicht Rohmaterial Tafel 17 10 Gelochte Geweihsprosse 99 17 16 10  g Geweihsprosse eines Hirsches (Cervus elaphus) 19 Tabelle  34: Kleinhadersdorf: Geweih- und Knochenknebel.
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Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
Titel
Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
Autoren
Christine Neugebauer-Maresch
Eva Lenneis
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-7001-7598-8
Abmessungen
21.0 x 29.7 cm
Seiten
406
Schlagwörter
Neolithic, LBK, cemetery, archaeology, prehistory, Kleinhadersdorf, Lower Austria, Neolithikum, Linearbandkeramik, Archäologie, Urgeschichte, Gräberfeld, Kleinhadersdorf, Niederösterreich
Kategorien
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Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf