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Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
Seite - 147 -
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Auswertung 147 Während der Anteil der Kindergräber in LBK-Gräber- feldern durchschnittlich nur etwa 25  % beträgt, ist dieser in Kleinhadersdorf mit 27,8  % (15 von 54 Körpergräbern) deutlich erhöht. Von diesen 15 Kindergräbern (infans I+II, neonatus) waren sieben oder 46,7  % mit Schmuck ausge- stattet (Abb.  47). Die Schmuckfrequenz bei Kindergräbern in mehreren LBK-Gräberfeldern schwankt extrem zwi- schen 4,5 und 66  % und beträgt im Mittel 15,5  %340. Von den 25 mit Spondylus ausgestatteten Gräbern in Vedrovice wa- ren 21,05  % Kinderbestattungen341, in Kleinhadersdorf sind es drei von zehn, d.  h. 30  %. Da die oben angeführten hohen Extremwerte der gesamten Schmuckfrequenz auf statistisch zu kleinen Zahlen basieren, zählen die Kinder von Kleinha- dersdorf derzeit sicher zu den am reichsten mit Schmuck ausgestatteten innerhalb der bandkeramischen Gräberfel- der. Nicht nur der Anteil der geschmückten Kinder ist be- merkenswert hoch, sondern auch die Qualität der Schmuck- stücke: der einzige vollständige Spondylusarmreifen, die perlenreichste Kette aus Spondylus, der einzige Schnecken- schmuck. All dies zeigt eine besondere Wertschätzung der Kinder in dieser Gemeinschaft. Die Männergräber stellen im Gräberfeld Kleinhaders- dorf die zweitgrößte Gruppe der Körpergräber (16–29,6  %) und auch der schmuckführenden Gräber (5 von insgesamt 18, d.  h. 27,8  %) dar. Die Schmuckfrequenz innerhalb der Männergräber beträgt aber nur 31,25  % und ist damit nied- riger als jene der Frauen und Kinder an diesem Fundplatz. Nur zwei Männer (G. 1a und Grab Verf. 17) hatten je ein Schmuckstück aus Spondylus, womit die Männer nur einen Anteil von 20  % an den Gräbern mit diesem kostbaren Ma- terial haben. Das ist im Vergleich zum Gräberfeld Vedro- vice, wo dieser Anteil 32  % beträgt, erstaunlich wenig, be- sonders wenn man berücksichtigt, dass der Anteil der Männer mit 30,8  % (25 Gräber) nur unwesentlich höher ist342. Auch im bayerischen Aiterhofen sind besonders die adulten und etwas weniger die maturen Männer mehrfach reich mit Spondylus versehen worden, wobei deren Anteil etwas größer als jener bei den Frauen zu sein scheint343. Her- vorzuheben ist aber der insgesamt zwei- bis drei(?)mal be- legte Nachweis von Geweihknebeln (siehe oben), der ein Spezifikum der Männer darstellt und die jägerische Kompo- nente betont, die ja auch durch die Beigabe der gelochten Eberzähne (Grab Verf. 81) deutlich wird (siehe Kapitel 5.2.3.6). Erstaunlich nur, dass keinerlei Spuren von Hirsch- 340. Siemoneit 1997, 30 Tab. 8 – Prozentwerte aus diesen Angaben errechnet. 341. Podborský 2002, 333. 342. Podborský 2002, 326 und 333. 343. Müller 2005, 20 Abb.  1. Die statistische Analyse dokumentiert somit eine deutli- che Bevorzugung bestimmter Schalengrößen und Lo- chungsparameter. Das Fehlen von sehr großen, adulten Schnecken lässt eine ästhetische Komponente bei der Wahl der Objekte vermuten. Andererseits deutet die geringe Vari- anz der Lochparameter und das Fehlen von besonders klei- nen Schalen auf technisch-praktische Komponenten: Die gleichförmige und repetitive Schleiftechnik begünstigt Per- forationen mit relativ ähnlichen Durchmessern, und kleine Schalen wurden wahrscheinlich aufgrund der schwierigeren Handhabung und der geringeren Stabilität vermieden. Die Herkunft der kleinen, rundlichen Süßwasserschne- cken dürfte lokaler Natur sein, da diese Art in Europa weit verbreitet ist und auch in Thaya und March vorkommt. Die Schnecke bildet in diesen Flüssen kleine Populationen und kann dort sowohl lebend als auch tot gesammelt werden. 5.3.4 Schmuckfrequenz und Schmuckformen aus Klein- hadersdorf im Rahmen der europäischen LBK (Eva Lenneis) Von den 54 Körperbestattungen aus Kleinhadersdorf waren 18 (33,33  %) mit Schmuck oder schmückenden Trachtbe- standteilen versehen worden, aus zwei alt ausgegrabenen Grabgruben ohne erhaltene Skelettreste gibt es ebenfalls Schmuckreste (Grab Verf. 14 und 21 – in weiterer Folge nicht berücksichtigt). Zehn Tote (und ein alt ausgegrabenes Grab, Verf. 14) besaßen wenigstens ein Stück aus Spondy- lusmuschelschalen, das sind 18,5  % aller Körpergräber. Die eben angeführte Schmuckfrequenz liegt deutlich über jener der Gräberfelder von Nitra und Aiterhofen (je- weils 25  %)334, aber unter der des nahen Gräberfeldes von Vedrovice (37,6  %)335 sowie weit unter jener von Ensisheim im Elsass (59  % von nur 37 Gräbern)336. Der Anteil der spondylusführenden Gräber zeigt ein etwas anderes Bild: Nitra hat mit 19  % etwa die gleiche Spondylusfrequenz, Ai- terhofen mit 14  % aber einen deutlich geringeren Wert als Kleinhadersdorf, Vedrovice weist mit 29,4  % und Ensis- heim mit 24  % einen markant höheren Anteil auf337. Auffäl- lig geringere Schmuckfrequenz fast ausschließlich in Form von Stücken aus Spondylus zeigen die thüringischen Grä- berfelder von Sondershausen und Bruchstedt mit knapp 11,4  % bzw. 1,8  %338 sowie das Gräberfeld von Schwetzin- gen in Baden-Württemberg mit 2  %339. 334. Jeunesse 1997, 102. 335. Podborský 2002a, 333, Taf.2: Anzahl der Gräber mit Spondylus und Gräber nur mit „übrige Schmucke“. 336. Jeunesse 1997, 102, 132–133. 337. Jeunesse 1997, 102. – Podborský 2002a, 333. 338. Kahlke 2004, 39, 89. 339. Gerling 2009, 107.
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Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
Titel
Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
Autoren
Christine Neugebauer-Maresch
Eva Lenneis
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-7001-7598-8
Abmessungen
21.0 x 29.7 cm
Seiten
406
Schlagwörter
Neolithic, LBK, cemetery, archaeology, prehistory, Kleinhadersdorf, Lower Austria, Neolithikum, Linearbandkeramik, Archäologie, Urgeschichte, Gräberfeld, Kleinhadersdorf, Niederösterreich
Kategorien
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