Seite - 170 - in Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
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Christine Neugebauer-Maresch, Eva
Lenneis170
nordöstlichen Niederösterreich und finden sich in den
Sammlungen aller namhaften Museen.
6.3.3 Mahlplatten und Reibsteine
Unter den Mahlplatten und Reibsteinen sind mit Lupen-
und Binokular-Untersuchung (Vergrößerung bis 40x) vier
unterschiedliche Steinrohstoffe unterscheidbar; die Rei-
hung erfolgt etwa nach dem geologischen Alter:
1 Aus feinkörnigen Sandsteinen, teilweise mit Fossilres-
ten und wenig Glimmer (Muskovit), sind fünf Platten
gefertigt. Es handelt sich um neogene Sandsteine der nä-
heren oder weiteren Umgebung, sehr wahrscheinlich
aus dem Bereich des Weinviertels.
2 Nur zwei Platten bestehen aus sehr feinkörnigem Sand-
stein, dessen Zuordnung nicht klar ist; wahrscheinlich
sind es Sedimentgesteine aus dem Neogen der Umge-
bung.
3 Die größte Gruppe (acht) bilden verfestigte, mittelkör-
nige Quarzsandsteine mit abgerollten größeren Quarz-
komponenten. Glimmer (Muskovit) ist meist vorhan-
den. Ihre Herkunft ist derzeit unklar. Gewisse
Ähnlichkeiten bestehen zum Sandstein Nr. 4a.
4 Fein- bis mittelkörnige, stark verfestigte Quarzsand-
steine, teilweise schon Quarziten ähnlich (unter dem
Binokular im Aussehen ähnlich, aber mit unterschiedli-
chem Mineralinhalt):
4a Fein- bis mittelkörniger Quarzsandstein mit grünen
Mineralkörnern (sehr wahrscheinlich Glaukonit,
Anteil wechselnd), Reste von Kalifeldspat, teilweise
mit wenig Amphibol oder Turmalin, wurde auch
schon aus der Grabung Mold bei Horn (Niederös-
terreich) beschrieben363.
Vergleichbares Material aus Mold besteht aus Quarz,
Kalifeldspat, Plagioklas und Gesteinsfragmenten
sowie Glimmer, Glaukonit, Epidot, Rutil, Zirkon
und Turmalin. Das Sediment ist stark kompaktiert,
als Herkunftsgebiet wird von M. Linner die böhmi-
sche Oberkreide als möglich betrachtet364. Quarz-
sandsteine mit Feldspatresten werden auch als Ar-
kosesandsteine bezeichnet.
Beispiel Mahlstein Fund-Nr. 81/2: dichter mittelkör-
niger Quarzsandstein, wenig bis mäßig kantenge-
rundete Quarze bis 2 mm Durchmesser, bräunlich
bis farblos, weiß, geringe Transportweite; geringe
Anteile von K-Feldspat (weiß), Turmalin oder Am-
phibol (schwarz); auffallend grüne Mineralkörn-
363. Götzinger et al. 2010.
364. siehe dazu Přichystal 2009. chen, weich, sehr wahrscheinlich Glaukonit; verein-
zelt Glimmerschüppchen (Muskovit).
4b Als stark verfestigter Quarzsandstein bis Quarzit
(metamorpher Sandstein) einzustufen sind drei
Mahl-/Reibplatten, die mit Binokular-Untersuchung
jedenfalls keinen Glaukonit aufweisen, aber doch
Amphibol (Fund-Nrn. 40/4; 54/1; 67-1/4).
Die Gesteinstypen 4a und 4b sind mit Binokular-Unter-
suchung alleine nur schwer zu unterscheiden!
6.3.4 Klopfsteine
Die Mehrzahl der Klopfsteine besteht aus Quarz, wobei
hier sowohl feinkörniger Quarzit (metamorpher Quarz-
sandstein) als auch grobkristalliner Gangquarz vorkom-
men. Beide Rohstoffarten sind wohl als Flussgerölle anzu-
sehen, deren Herkunftsgebiet wegen der Häufigkeit und
der nicht speziellen Ausbildung sehr weitreichend sein
kann.
Sollte es sich um Flussgerölle handeln, die aus den (flu-
viatilen) Anreicherungen der Hollabrunn-Mistelbach-For-
mation stammen (siehe Kapitel 6.3.1), die im Bereich des
Gräberfeldes vorliegen, betrifft dies das ehemalige, weite
Einzugsgebiet der „Urdonau“. Ähnliche Gerölle lassen sich
aber auch in den Flüssen Kamp und Thaya sowie in der re-
zenten Donau finden. Quarzit und Gangquarz sind in me-
tamorphen Kristallingebieten üblicherweise sehr häufig.
6.3.5 Graphit und Rötel
Graphit
Graphit und Graphitschiefer kommen nördlich der Donau
vor allem in der so genannten „Bunten Serie“ des Moldanu-
bikums vor; es sind an die hundert Vorkommen und Lager-
stätten bekannt (Graphitbezirk Bunte Serie)365. Alle diese
Vorkommen gingen durch hochgradige Metamorphose
(Amphibolitfazies) aus Sapropeliten (Faulschlammbildun-
gen) hervor. Deshalb sind sie auch reich an Pyrit und silika-
tischen Mineralen366.
Mithilfe dieser Silikatminerale und anderer Beiminerale
(etwa Rutil) ist eine gewisse Zuordnung zu bestimmten
Graphitvorkommen innerhalb der Bunten Serie möglich.
Dies setzt jedoch eine gewisse Stückgröße des archäologi-
schen Materials voraus.
Sicher frei zugänglich war seit jeher der Graphit von
Röhrenbach – Eich Maria W Horn, weil diese ehemalige La-
gerstätte durch einen kleinen Fluss (Kl. Taffa) erschlossen
ist und der Graphit dadurch zugänglich war und ist. Cha-
365. Weber, Götzinger 1997.
366. Götzinger 2008.
Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Titel
- Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Autoren
- Christine Neugebauer-Maresch
- Eva Lenneis
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-7598-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Neolithic, LBK, cemetery, archaeology, prehistory, Kleinhadersdorf, Lower Austria, Neolithikum, Linearbandkeramik, Archäologie, Urgeschichte, Gräberfeld, Kleinhadersdorf, Niederösterreich
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen