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Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
Seite - 182 -
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Christine Neugebauer-Maresch, Eva Lenneis182 Grundlage für die eben umrissenen Grabgruppen war nun einerseits deren Abgrenzung voneinander durch da- zwischen liegende Leerflächen sowie die Dichte der inter- nen Verbindungen innerhalb der Gruppen nach den Analy- sen des nächsten Nachbarn (siehe Kapitel 6.2 – Abb.  70). Die oben gegebenen Beschreibungen sowie deren Zusam- menfassung auf Tabelle 40 zeigen deutlich, dass von den 4–5 unterscheidbaren Grabgruppen nur der Erhaltungszustand von zwei dieser Gruppen (NW und Zentrum) eine weiter- führende Analyse und Interpretation erlaubt. Die Alters- und Geschlechtsverteilung scheint in beiden weitgehend ähnlich, allein der Frauenanteil ist in der zentralen Gruppe deutlich geringer. Nur wenn alle unbestimmbaren Erwach- senen dieser Gruppe Frauen waren, wäre dies ausgeglichen. In beiden Zonen des Gräberfeldes sind Kleingruppen von Männern zu beobachten, die allerdings nicht wirklich ge- trennt von den Frauen und Kindern scheinen. Die Belegung beider Grabareale ist für die Gesamtdauer des Gräberfeldes nachweisbar (siehe nachfolgend Kapitel 7.2 und Abb.  77). Aufgrund der aufgezeigten Struktur scheint uns eine Inter- pretation der Grabgruppen als Zone der Grablegung für größere Familienverbände/Clans am wahrscheinlichsten. Der Versuch derartige Grabgruppen zu erfassen ist nicht neu. H. D. Kahlke hatte dies bereits 1954 anhand des Grä- berfeldes von Sondershausen durchgeführt, wobei dort die Abgrenzung durch Leerflächen sehr deutlich war und nur zwei Gruppen (III und IV) an der Stelle eines Grabes (32) aneinander stoßen390. Eine Situation, die sehr an die Berüh- rung der NW- und N-Gruppe von Kleinhadersdorf bei den Gräbern Verf. 54 und 55 erinnert. Die innere Struktur der Bestattungsgruppen von Sondershausen ähnelt ebenfalls weitgehend jener von Kleinhadersdorf. Kahlke interpretiert sie als „Bestattungsgruppen von Großfamilien“391 und hebt den Unterschied zu den Gruppierungen in Sondershausen hervor, wo alters- und geschlechtsspezifische Konzentrati- onen festzustellen sind392. Das Prinzip, Grabgruppen innerhalb bandkeramischer Gräberfelder aufgrund von dazwischen liegenden Leerflä- chen voneinander abzugrenzen, fand auch bei den Gräber- feldern von Aiterhofen393 sowie in Vedrovice394 und Elsloo395 Anwendung. Für letzteres gibt es allerdings auch eine alter- native Gliederung in vier austauschende Gruppen, wobei die Art der Ausstattung mit Beigaben als Grundprinzip dien- 390. Kahlke 1954, 115. – Kahlke 2004, 48, Gesamtplan Beilage 1. 391. Kahlke 2004, 50 Tabelle 3. 392. Kahlke 2004, 104–106, Tabelle 10. 393. Nieszery 1995, 61–66, Abb.  30. 394. Podborský 2002 b, 335–336, 301 Abb.  2. 395. Modderman 1985, 101. te396. Der Ausgliederung mehrerer Grabgruppen in dem sehr dicht belegten Gräberfeld von Nitra liegen Orientierung, Suprapositionen, Inventar und Gleichzeitigkeit als Kriterien für die Zusammengehörigkeit der Gräber zugrunde, wobei diese Gruppen räumlich nicht genau voneinander trennbar sind397. In einigen Fällen meint man auch eine Gruppierung von „ärmeren“ um „reichere“ Gräber zu erkennen, so in En- sisheim398 oder auch in Vedrovice. Für V. Podborský sind die Unterschiede im Ausstattungsreichtum mancher Gräber, die aufgrund ihrer räumlichen Nähe als „Familiengruppen“ in- terpretiert werden, sogar als Gegenargument für deren Zu- gehörigkeit zum gleichen „Stamm“ anzusehen399. Die Ausstattungsunterschiede, die ja nur aufgrund der erhaltenen Beigaben festgestellt werden können, scheinen uns kein tragfähiges Kriterium für die Abgrenzung von „arm“ und „reich“ zu sein. Gerade an einigen Befunden des Gräberfeldes von Kleinhadersdorf (siehe Kapitel 5.2 und Abb.  28) zeigt sich so deutlich, dass uns ein beträchtlicher Teil der Ausstattung verloren ging und scheinbar „arme“ Gräber vielleicht nur mit nicht erhaltungsfähigem Inventar ausgestattet waren. Somit denken wir auch, dass diese Un- terschiede für die Definition der Grabgruppen nicht heran- gezogen werden sollten. Gemeinsamkeiten im Grabritual, wie sie anhand von Orientierung, Körperlage und Rötel- streuung fassbar sind, taugen wohl besser zur Erfassung evtl. „Familientraditionen“, wobei bei der Orientierung sogar die Leergräber mit berücksichtigt werden können. Die Zusammenstellung der genannten Indizien zum Grabritual jeweils pro Grabgruppe (Tabelle 41) macht deut- lich, dass zwischen den beiden am besten erhaltenen Grab- gruppen viele Gemeinsamkeiten, aber auch einige markante Differenzen bestehen. So ist die Graborientierung in der NW-Gruppe ziemlich uneinheitlich, wobei die Hauptori- entierung des Gräberfeldes SO-NW mit nur geringem Ab- stand am häufigsten (Anteil 33 %) ist, unmittelbar gefolgt von der antipodischen Orientierung NW-SO. Die beiden einzigen Körpergräber mit der Ausrichtung N-S sind hier im NW zu finden, nur ein einziges Leergrab ganz im S weist noch diese Orientierung auf. Auch die Leergräber in dieser Zone des Gräberfeldes sind gleichartig variabel orientiert. In der zentralen Gruppe gibt es mit Ausnahme der N-S- Ausrichtung zwar Nachweise für alle Orientierungen, die SO-NW-Ausrichtung dominiert aber ganz massiv unter den Körpergräbern (68 %) und stellt die einzige Orientie- rung der wenigen Leergräber in dieser Zone dar. Ähnlich 396. Van de Velde 1979, 100 fig. 32. 397. Pavúk 1972, 87–89. 398. Jeunesse 1995, 13, Fig. 43. 399. Podborský 2002b, 336.
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Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
Titel
Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
Autoren
Christine Neugebauer-Maresch
Eva Lenneis
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-7001-7598-8
Abmessungen
21.0 x 29.7 cm
Seiten
406
Schlagwörter
Neolithic, LBK, cemetery, archaeology, prehistory, Kleinhadersdorf, Lower Austria, Neolithikum, Linearbandkeramik, Archäologie, Urgeschichte, Gräberfeld, Kleinhadersdorf, Niederösterreich
Kategorien
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