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Zusammenfassung 191
pitel 9.3 und 9.4). Die Analyse erfolgte typologisch (Tabelle
16, 17 und Abb. 33–35) und durch Seriation mithilfe des
WinSerion 1.26 Beta Programms von P. Stadler (Abb. 36,
37). Die typologisch älteste Keramik gehört der Übergangs-
phase von LBK I/II an. Der größte Teil der Gefäße weist
Notenkopfdekor auf, wobei Charakteristika der verschie-
denen in Mähren unterschiedenen Phasen (LBK II a, b, c)
festzustellen waren und als Basis für die Trennung von der
zweiten und dritten Belegungsphase (Abb.
38) genutzt wer-
den konnten. Innerhalb der Keramik aus der Endphase des
Gräberfeldes (mährische Phase LBK III) sind auch Gefäße
mit Verzierungsmotiven des Šárka-Typus und der
Želiezovce-Gruppe vorhanden, die Kontakte nach W/NW
(NW-Mähren, Böhmen) und nach O/NO (Slowakei, S-
Polen) andeuten.
Die eben angesprochenen Verbindungen sind anhand
der Rohmaterialien der Steingeräte in noch eindrucksvolle-
rer Weise festzumachen.
Inna Mateiciucová führte eine umfassende Analyse der
25 Silexartefakte durch, die eine erstaunlich hohe Überein-
stimmung mit den entsprechenden Objekten aus den Grä-
berfeldern von Vedrovice aufweisen. Die meisten Stücke
sind aus Siliziten der Krakauer Jura gefertigt, einige aus
Szentgál-Radiolarit sowie aus Krumlovský-les-Hornstei-
nen (Tabelle 19 und Abb.
40). Wie in Vedrovice gibt es auch
hier zwei Artefaktgruppen: Klingen und Klingenfragmente
(Tabelle 22), die als universale Messer gedient haben, und
trapezoide Stücke mit mesolithischem Charakter, die als
Pfeilspitzen interpretiert werden (Tabelle 21).
Die Herstellung der Felssteingeräte erfolgte ebenfalls
aus verschiedenen Rohmaterialien. Die 20 Dechseln sind
alle aus einem sehr hochwertigen Amphibolit/Amphibol-
schiefer gefertigt (Tabelle 24; Abb.
41, 42; Tafel 59), als des-
sen Herkunftsgebiet M. Götzinger das Iser-Gebirge in N-
Böhmen bestimmen konnte. Die in das Grab mitgegebenen
Geräte weisen alle Gebrauchsspuren auf, viele waren be-
schädigt, 25 % unbrauchbar (Tabelle 25). Die Flachbeile
stellte man aus verschiedenen Gesteinen unterschiedlicher
Qualität her (Tabelle 26), die Herkunft der Rohmaterialien
ist nicht genau bestimmbar.
Die große Anzahl von 20 Reibplatten/Mahlsteinfrag-
menten ist wohl eine Spezialität des Gräberfeldes von Klein-
hadersdorf (Tabelle 27 und Abb.
43, 44). Es gibt einige z.
T.
sehr große, aber nur 2–3 cm dicke Reibplatten aus feinem
Sandstein und viele Fragmente ehemaliger Mahlsteine aus
mittelkörnigem Quarzsandstein durchwegs hoher Qualität.
Unter letzteren gibt es einige wenige, als deren Herkunfts-
gebiet Mittelböhmen anzunehmen ist.
Die wenigen Knochenartefakte sind überwiegend aus
Wildtierknochen, weniger aus jenen von Ovicapriden gefer- tigt (Tabelle 29 und Abb.
46). Der überragende Fund dieser
Kategorie ist ein Paar von mehrfach gelochten Eberhauern
aus dem Männergrab Verf. 81 (Tafel 50, 51, 61).
18 Körpergräber (33
%) und zwei alt ausgegrabene Grä-
ber enthielten Reste von persönlichem Schmuck aus ver-
schiedenen Materialien (Abb. 47; Tafel 59 und 62). Schmü-
ckende Stücke für Kopfbedeckungen sind hier nur bei zwei
Kleinkindern in Form einer Dentaliumperle (Verf. 671) und
von 124 gelochten Lithoglyphus naticoides-Schneckenscha-
len (Verf. 26) nachgewiesen. Spezialuntersuchungen von M.
Harzhauser (Kapitel 5.3.3 und Tabelle 33; Abb.
49–51) erga-
ben, dass letztere gezielt ausgewählt, aufgeschliffen und auf
etwas aufgenäht waren. Der ausschließliche Nachweis die-
ses Molluskenschmucks bei einem Baby ist innerhalb der
LBK sehr ungewöhnlich.
Schmuckstücke aus Spondylusschalen sind in Kleinha-
dersdorf nicht sehr häufig (Abb.
48). 18,5
% aller Toten be-
saßen wenigstens ein kleines Stück des kostbaren Gutes, nur
eine Frau (Verf. 55) und ein Baby (Verf. 22) trugen eine Ket-
te aus mehreren derartigen Perlen. 40 % der Frauen, 30 %
der Kinder und nur 20
% der Männer waren mit Spondylus-
schmuck ausgestattet. Die hohe Schmuckfrequenz bei den
Kindern und die geringe bei den Männern sind ungewöhn-
lich. Drei Männer trugen noch einen sehr typischen Ge-
wandschmuck: Knebel aus Knochen und/oder Geweih
(Abb.
46; Tafel 59).
19 Gräber sind durch 14C-Daten menschlicher Knochen
datiert (Tabelle 36). Die Kalibration der gemessenen Werte
ergab eine Datierung des Gräberfeldes zwischen 5250 und
5020 BC (Abb. 52, 53), wobei es P. Stadler durch eine
Bayes’sche Evaluierung der auch durch die Keramikseriati-
on erfassten Daten gelang, die Länge der einzelnen Bele-
gungsphasen näherungsweise zu definieren (Tabelle 37).
Das Gesamtinventar aller Gräber (Kapitel 9.2) diente als
Grundlage für die Verteilungsanalysen von P. Stadler (Kapi-
tel 6.2, Abb.
55–70).
Der Beitrag von M. Götzinger (Kapitel 6.3) fasst die
wichtigen Ergebnisse der mineralogischen Bestimmungen
der Felsgesteinartefakte zusammen und erläutert die Nach-
weise der sehr weit streuenden Herkunft ihrer Rohmateria-
lien. Nur die Farbmineralien Graphit und Hämatit/Rötel
gewann man wohl aus Quellen der näheren Umgebung
(Abb.
71–73).
Im Rahmen eines großen internationalen Projektes aus-
gehend von der Universität Cardiff unter der Leitung von
Alasdair Whittle und in Zusammenarbeit mit den Universi-
Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Titel
- Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Autoren
- Christine Neugebauer-Maresch
- Eva Lenneis
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-7598-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Neolithic, LBK, cemetery, archaeology, prehistory, Kleinhadersdorf, Lower Austria, Neolithikum, Linearbandkeramik, Archäologie, Urgeschichte, Gräberfeld, Kleinhadersdorf, Niederösterreich
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen