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damit die Vergleichbarkeit der Ergebnisse ermöglichen. Die
metrischen Befunde wurden nach Martin und Saller21 erho-
ben, Körperhöhen nach Breitinger22 und Bach23 ermittelt.
Die Zahn- und Kieferbefunde wurden in einem Formblatt
notiert, das Ausmaß von Zahnsteinbildung, Alveolaratro-
phie und Schmelzhypoplasien wurde nach Schultz24 beur-
teilt.
Die Diagnose pathologischer Veränderungen am Skelett
erfolgte makroskopisch und unter Zuhilfenahme einer
Lupe. (Der Einsatz weiterer radiologischer oder mikrosko-
pischer Methoden war in keinem Fall für eine Differential-
diagnose erforderlich.) Besonders auffällige Merkmale, wie
etwa verstärkt ausgebildete Muskelmarken (Enthesopathi-
en) oder anatomische Varianten (epigenetische Merkmale),
wurden ebenfalls erfasst.
Im Falle der wenigen, sehr schlecht repräsentierten
Brandbestattungen war weder eine Sterbealtersschätzung
noch eine Geschlechtsbestimmung möglich, die Verbren-
nungsstufe und der Verbrennungsgrad wurde nach Wahl25
bzw. Chochol26 ermittelt.
21. Martin, Saller 1957.
22. Breitinger 1937.
23. Bach 1965.
24. Schultz 1988.
25. Wahl 1982.
26. Chochol 1961.
2. Material und Methoden
2.1 Material
Für die gegenständliche Untersuchung standen die Skelett-
reste von 62 Individuen zur Verfügung, die im Zuge mehrerer
Grabungen geborgen wurden17: Aus den 1931 von Josef Bay-
er und Viktor Lebzelter18 durchgeführten Bergungen stam-
men 19 Individuen (aus 16 Gräbern; die aus drei weiteren
Gräbern – G. 2, G. 5 und G. 13 – geborgenen und vermutlich
schlecht erhaltenen Relikte sind verschollen), 43 weitere Ske-
lettindividuen konnten Johannes-Wolfgang Neugebauer
und Christine Neugebauer-Maresch bei Nachforschungen
des Österreichischen Bundesdenkmalamtes zwischen 1987
und 1991 bergen. Die genaue Anzahl der Gräber bei dieser
Kampagne war nicht zu eruieren, unter den von den Archäo-
logen dokumentierten 91 Verfärbungen konnten lediglich 42
als sichere Gräber angesprochen werden (darunter Skelett-,
Brand- und so genannte „Leergräber“); zusammen mit den
19 Gräbern aus dem Jahr 1931 ergibt das eine Gräbergesamt-
zahl von 61, aus denen die körperlichen Reste von 62 Indivi-
duen geborgen wurden. Damit repräsentiert die Nekropole
von Kleinhadersdorf, die ursprünglich eventuell sogar meh-
rere hundert Gräber umfasst haben dürfte19, das bislang
größte Gräberfeld der frühen Jungsteinzeit in unserem
Raum.
2.2 Methoden
Die quantitative Erhaltung der Skelettreste wurde grafisch
sowie kategorial festgehalten (Kategorie 1 = 100–75 % er-
halten, 2 = 75–50 % erhalten, 3 = 50–25 %, 4 = weniger als
25
% erhalten), die Qualität der Oberflächenbeschaffenheit
beschreibend dokumentiert.
Die Sterbealtersschätzung und die Geschlechtsbestim-
mung wurde anhand jener Methoden durchgeführt, die bei
der Auswertung von Skelettpopulationen unseres Raumes
seit Jahren routinemäßig zur Anwendung kommen20 und
17. Die menschlichen Reste werden an der Anthropologischen Abtei-
lung des NHM Wien verwahrt.
18. Bayer 1931a. – Ders. 1931b.
19. Neugebauer-Maresch 1992. – Neugebauer 1995.
20. Ferembach et al. 1979. – Teschler-Nicola 1988. – Knuss-
mann 1988. – Ubelaker 1978. – Miles 1963. – Rösing 1977. – Ne-
meskéri, Harsány, Acsádi 1960. – Todd 1920. – Szilvássy 1978. –
Stloukal, Hanáková, 1978. – Schmid, Künle 1958. 301
Abb. 2: Schematische Darstellung des Zahnstatus. Rot = Zähne in
der Alveole vorhanden; „_“ = Zähne liegen isoliert vor; „schraffiert“
= Zähne befinden sich noch im Kiefer bzw. sind noch nicht
durchgebrochen.
Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Titel
- Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Autoren
- Christine Neugebauer-Maresch
- Eva Lenneis
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-7598-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Neolithic, LBK, cemetery, archaeology, prehistory, Kleinhadersdorf, Lower Austria, Neolithikum, Linearbandkeramik, Archäologie, Urgeschichte, Gräberfeld, Kleinhadersdorf, Niederösterreich
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen