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Katalog und Ergebnisse 305
Archäologische Bemerkung
Grabung Josef Bayer, 1931.
Grab 1: siehe dazu Befund KH 9795/1a (Tafel 1).
Der Schädel von Skelett 1c ist stark mit Rötel überzogen
(siehe Tafel II/2.1).
Pathologien und Besonderheiten
Cranium: Es sind keine Pathologien nachzuweisen.
Zähne und Alveolarbereich: Die Zähne 16, 17, 28 und 36
sind bereits intravital ausgefallen. Karies findet sich bei
Zahn 18, 26 und 27. Zahn 18 weist eine etwa pfefferkorngro-
ße Fissurenkaries auf. Bei den Zähnen 26 und 27 ist die Ka-
ries so weit fortgeschritten, dass sie zur Eröffnung der Pul- pahöhle und der Zerstörung der Zahnkrone geführt hat. In
weiterer Folge hat sich bei beiden Zähnen ein Wurzelspit-
zengranulom gebildet, die bukkalen Wurzeln sind freigelegt
(siehe Tafel II/2.2). Die Zähne zeigen transversale Schmelz-
hypoplasien (Grad I), Zahnstein (Grad I) und eine deutliche
Abrasion mit Sekundärdentinbildung (12, 13). Der Alveo-
larsaum ist abgebaut (Grad I–II).
Post cranium: Das linke Os metacarpale I weist an sei-
nem lateralen Rand eine Knochenexostose auf. Beide Femo-
ra zeigen entlang ihres Schaftes längliche Striae, welche auf
eine verheilte Periostitis hinweisen könnten. Im Bereich der
Fovea capitis des linken Femurs sind kleine Porosierungen
zu erkennen. Ebenso zeigt die linke Fossa acetabuli poröse
Strukturveränderungen, es ist jedoch keine Randleisten-
oder Osteophytenbildung zu erkennen. Die linke Tibia
wirkt an der Facies medialis und der Facies posterior der
distalen Schafthälfte verdickt, an Letzterer findet sich distal
der Schaftmitte eine längsovale Impression (etwa 15 mm
Länge, 5
mm Breite). Es ist nicht eindeutig zu beurteilen, ob
eine traumatische Genese zugrunde liegt. Das rechte Os na-
viculare weist superolateral der Facies articularis talaris eine
Knochenexostose auf. Als Ursache kann ein lange zurück-
liegendes Frakturgeschehen in Betracht gezogen werden.
Das rechte Os metatarsale III besitzt unter dem medialen
Rand des Gelenkkopfes eine knöcherne Leiste. Die Fovea
dentis des Atlas zeigt am oberen Rand die Bildung von Os-
teophyten (Grad I). Die erste linke Rippe ist zu ihrem knor-
peligen Ende hin aufgetrieben und weist Lochdefekte auf.
Die Muskelmarken im Bereich der Tuberositas deltoi-
dea, der Crista tuberculi majoris und der Crista supracon-
dylaris lateralis der Humeri und der Tuberositas radii des
rechten und linken Radius sind verstärkt ausgebildet. Stark
ausgebildet ist auch die Linea intertrochanterica und die
Tuberositas glutea an beiden Femora.
Körperhöhe: 154–158
cm
Anmerkung
Skelettreste eines 2. Individuums sind vorhanden (ein pro-
ximales, rechtes Femurfragment, zwei Beckenbruchstücke,
die linke Clavicula und die rechte erste Rippe).
Zusammenfassung
Karies, Wurzelspitzengranulom, Zahnstein, transversale
Schmelzhypoplasien, Parodontopathien; leichte degenera-
tive Veränderungen an Resten des Postcraniums; mögliche
verheilte Fraktur am Os naviculare; verstärkt ausgebildete
Muskelansatzstellen.
Fig. 3b: Zahnschema KH 9797.
Fig. 3a: KH 9797.
Objekt/Inv. Nr. (AA): KH 9797 Grab-Nr.: 1c (Tafel 1)
Grabtyp:
Körpergrab Geschlecht:
weiblich Archäolog. Geschlecht:
weiblich Sterbealter:
35–55 Cranium:
tlw. erodiert Post cranium:
tlw. erodiert
Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Titel
- Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Autoren
- Christine Neugebauer-Maresch
- Eva Lenneis
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-7598-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Neolithic, LBK, cemetery, archaeology, prehistory, Kleinhadersdorf, Lower Austria, Neolithikum, Linearbandkeramik, Archäologie, Urgeschichte, Gräberfeld, Kleinhadersdorf, Niederösterreich
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen