Seite - 330 - in Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
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Barbara Tiefenböck, Maria
Teschler-Nicola330
Archäologische Bemerkung
Grabung BDA, 1988.
Extreme Hockerbestattung mit eng angewinkelten Armen
und zum Körper gewandten Händen.
Pathologien und Besonderheiten
Cranium: An der Schädelaußenwand sind Anzeichen einer
porotischen Hyperostose im Occipitalbereich erkennbar;
ein kleines Osteom, eine gutartige tumoröse Neubildung,
findet sich am linken Os parietale (Durchmesser ca. 3
mm).
An der Schädelinnenwand, entlang des Sinus sagittalis, lie-
gen poröse Auflagerungen vor.
Fig. 28a: KH 17.
Fig. 28b: Zahnschema KH 17.
Objekt: KH 1 Grab-Nr.: 17 (Tafel 19)
Grabtyp:
Körpergrab Geschlecht:
männlich Archäolog. Geschlecht:
männlich Sterbealter:
35–50 Cranium:
tlw. erodiert Post cranium:
tlw. erodiert
Zähne und Alveolarbereich: Zahnstein ist in geringer
Ausprägung vorhanden (Grad I und II), kariöse Zerstörun-
gen betreffen die Zähne 17 und 25, wobei die Pulpahöhle
eröffnet wurde. Zahn 36 weist bukkal eine stecknadelkopf-
große Zahnhalskaries auf, Zahn 16 ist bereits intravitam aus-
gefallen. Die Zähne 12 und 22 sind schaufelförmig ausgebil-
det („Schaufelincisivi“). Zahn 26 zeigt bukkal eine
Schmelzleiste, Zahn 38 lingual. An der Mandibula findet
sich beidseits ein partieller Torus mandibularis interna.
Zahn 21 weist eine stark verdickte Zahnwurzel auf (Hyper-
zementose). Zahn 22 zeigt im Vergleich zu Zahn 12 eine re-
lativ lange und gebogen verlaufende Wurzel. Es sind außer-
dem die Wurzelreste von drei Zähnen vorhanden, die nicht
näher bestimmt werden konnten. Der Alveolarkamm im
Ober- und Unterkiefer ist atrophisch verändert (Grad I, II),
zusätzlich finden sich poröse Auflagerungen.
Post
cranium: Beide Tibiae weisen an ihrer medialen Flä-
che längliche, parallel verlaufende Striae auf. Die Tuberosi-
tas tibiae zeigt beidseits Knochenauflagerungen. An der
Facies medialis der rechten Tibia ist ungefähr in Diaphysen-
mitte eine annähernd ovale Knochenneubildung zu erken-
nen (Osteom oder verheiltes Hämatom?). Die Fossa aceta-
buli des rechten Os coxae weist Spuren degenerativer
Veränderungen in Form poröser Auflagerungen auf. Am
Margo acetabuli des linken Os coxae findet sich ein vertikal
verlaufender Einschnitt, der am oberen Acetabularrand von
Knochenneubildungen umgeben ist.
Das postcraniale Skelett ist allgemein sehr robust und
weist stark ausgeprägte Muskelmarken an der oberen und
unteren Extremität auf.
Perimortale Frakturen liegen an der linken Clavicula,
den Humeri, der linken Ulna und dem linken Radius sowie
an den Fibulae vor.
Epigenetische Merkmale sind in Form einer (lateralen)
Hockerfacette an der rechten Tibia und einer „Plaque For-
mation“ am linken Femur ausgebildet.
Körperhöhe: 166–167
cm
Zusammenfassung
Porotische Hyperostose am Os occipitale; Osteomata;
Zahnstein, Karies, Parodontopathien, intravitaler Zahnver-
lust; Periostitis; leichte degenerative Veränderungen am
rechten Os coxae; verstärkt ausgebildete Muskelursprungs-
und Muskelansatzstellen; Trauma am linken Os coxae (?);
perimortale Frakturen.
Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Titel
- Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Autoren
- Christine Neugebauer-Maresch
- Eva Lenneis
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-7598-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Neolithic, LBK, cemetery, archaeology, prehistory, Kleinhadersdorf, Lower Austria, Neolithikum, Linearbandkeramik, Archäologie, Urgeschichte, Gräberfeld, Kleinhadersdorf, Niederösterreich
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen