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Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
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Katalog und Ergebnisse 361 Obwohl quantitativ schlecht erhalten, ist das Ausmaß von lagerungsbedingten Oberflächenveränderungen und Erosionen gering. Die Knochen(reste) des Craniums und des Postcraniums sind in einem überwiegend guten Zu- stand: 50  % der Schädel und 54,7  % der postcranialen Ab- schnitte zeigen kaum postmortale erosive Zerstörungen bzw. Abmürbungen und wenn, dann beschränken sich diese auf die äußersten Schichten des Kompaktknochens (Erhal- tungskategorie I). Bei 9,4  % der Schädelknochen und 10,9  % der postcranialen Elemente erreichen die Erosionen ein fortgeschrittenes Ausmaß (Erhaltungskategorie III). In der Tabelle 3 ist der Erhaltungszustand der Knochenoberfläche für die 64 Skelettindividuen aufgelistet (bei 23 Individuen, 35,9  %, waren keine Schädelreste vorhanden und bei 13 In- dividuen, 20,3  %, fehlten die postcranialen Skelettteile). Erosion der Knochen- oberfläche tlw. erodiert tlw. – stark erodiert stark erodiert nicht be- stimm- bar Gesamt N (%) Cranium 32 (50) 3 (4,7) 6 (9,4) 23 (35,9) 64 (100) Postcranium 35 (54,7) 9 (14,1) 7 (10,9) 13 (20,3) 64 (100) Tabelle 3: Erhaltungszustand der Knochenoberfläche der Skelett- elemente des Craniums und Postcraniums von 64 Individuen der frühneolithischen Population von Kleinhadersdorf. Auffallend ist, dass Gelenkenden und gelenknahe Berei- che kaum erhalten blieben (was sich u.  a. limitierend auf die Körperhöhenberechnung auswirkte, die nur bei wenigen Individuen ermittelt werden konnte). Die Ursache dafür liegt vermutlich in der Beschaffenheit des Bodens, der ent- weder grundsätzlich oder durch die Einbringung von Che- mikalien im landwirtschaftlichen Nutzungskontext über- säuert sein und die Auflösung der fragileren spongiösen Anteile befördert haben könnte. Außerdem ist das Gräber- feld heute in einer Waldrandzone lokalisiert, sodass auch Wurzelfraß als Ursache für diese Destruktionen infrage kommt. Überlegungen dieser Art stellte bereits Bayer an, der die beobachteten Substanzverluste bei dem Skelettindi- viduum aus Grab 6 mit Zerstörungen durch die „Wurzeln der Waldbäume“ (Tagebuch Bayer36) in Verbindung brach- te. Ein Vergleich der Erhaltungsqualität zwischen den in den 1930er Jahren und den 50 Jahre später geborgenen Ske- lettresten zeigt eine auffällige Diskrepanz insofern, als die von Bayer freigelegten Reste vollständiger erhalten schei- nen (siehe dazu Tabelle 2 und Abb. 3). Als Begründung für diesen Unterschied ist die zunehmende Zerstörung durch landwirtschaftliche Nutzung ebenso diskutierbar wie eine selektive Vorgangsweise Josef Bayers bei der Bergung; auch 36. Bayer 1931a. 3.3.1 Erhaltungszustand der Skelette Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Ermittlung der Art und Häufigkeit krankhafter, ernährungsbedingter und degene- rativer Veränderungen an den Skelettresten der frühneoli- thischen Population aus Kleinhadersdorf. Um aus den Un- tersuchungen Aussagen über die Lebensumstände einer bestimmten prähistorischen Bevölkerungsgruppe abzulei- ten, ist die Vergleichbarkeit der erhobenen Daten obligat. Sie ist nur gegeben, wenn auch der Erhaltungszustand der Skelettreste mitberücksichtigt wurde. In diese Analyse des Erhaltungszustandes wurden alle Knochenreste, die im Zuge der archäologischen Ausgra- bungen freigelegt wurden, einbezogen. Die menschlichen Reste aus Verfärbung 44 (ein sogenanntes „Leergrab“ mit Brandknochenresten) und 82 (eine Leichenbrandmenge) sind heute nicht mehr greifbar. Da auch keine archäologi- schen Hinweise auf Sterbealter oder Geschlecht vorliegen, wurden diese beiden Gräber nicht in die demographische und pathologische Analyse miteinbezogen, bei der Auswer- tung des Erhaltungszustandes hingegen wurden sie mitbe- rücksichtigt. Auch die für Verfärbung 45 überlieferten ar- chäologischen Anmerkungen – ein „Leichenschatten“ eines erwachsenen Individuums mit wenigen Knochenspuren/ -splittern – wurden in der Auswertung berücksichtigt, ob- wohl die Knochensplitter nicht erhalten blieben. Die Ske- lettstichprobe, die in Bezug auf ihren „Erhaltungszustand“ beurteilt werden sollte, umfasste daher die Reste von insge- samt 64 Individuen. Die Auswertung ergab, dass nur bei einer relativ kleinen Teilmenge von 19 Individuen (knapp 30  %) alle Skelettele- mente repräsentiert sind. Bei 9 Individuen (14,1  %) sind etwa 75–50  % der Knochen des Skeletts erhalten, bei weite- ren 6 Individuen (9,4  %) liegen nur geschätzte 50–25  % des Skeletts vor, die für eine Untersuchung herangezogen wer- den können. Bei knapp 47  %, d.  h. etwa der Hälfte der Kol- lektion, blieb nur eine geringe Menge, oft nur „Knochen- klein“, erhalten (siehe Tabelle 2). Erhaltungs- zustand Skelett Grabung 1931 Grabung 1987–1991 Gesamt N (%) 100–75% 8 (42,1) 11 (24,4) 19 (29,7) 75–50% 3 (15,8) 6 (13,3) 9 (14,1) 50–25% 4 (21) 2 (4,4) 6 (9,4) 25–0% 4 (21) 26 (57,8) 30 (46,9) Gesamt N (%) 19 (100) 45 (100) 64 (100) Tabelle 2: Anteil der erhalten gebliebenen Skelettelemente von 64 Individuen der frühneolithischen Population aus Kleinhadersdorf (unterteilt nach Grabungsjahr).
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Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
Titel
Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
Autoren
Christine Neugebauer-Maresch
Eva Lenneis
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-7001-7598-8
Abmessungen
21.0 x 29.7 cm
Seiten
406
Schlagwörter
Neolithic, LBK, cemetery, archaeology, prehistory, Kleinhadersdorf, Lower Austria, Neolithikum, Linearbandkeramik, Archäologie, Urgeschichte, Gräberfeld, Kleinhadersdorf, Niederösterreich
Kategorien
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