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Katalog und Ergebnisse 379
Reaktionen im Sinne einer Meningitis bzw. Meningoence-
phalitis ließen sich mit einer Häufigkeit von 10,7 % beob-
achten. Betroffen waren drei männliche Individuen (Gräber
KH 1/3-1; KH 1/57; KH 1/69), in weiteren fünf Fällen
konnte nur ein Verdacht auf eine meningeale Reaktion geäu-
ßert werden (2 Männer aus den Gräbern KH 9812/19 und
KH 1/40 sowie 3 subadulte Individuen aus den Gräbern KH
9810_1/17; KH 9810_2/17 und KH 1/5-2.
3.3.5.2 Stomatitis
Die Beurteilung des harten Gaumens war lediglich bei 9 In-
dividuen möglich, bei 6 Individuen fanden sich Hinweise
auf einen abgelaufenen entzündlichen Prozess; betroffen
waren subadulte und erwachsene männliche und weibliche
Individuen (z.
B. aus den Gräbern KH 9812/19, KH 9796/1b
und KH 1/5-1).
3.3.5.3 Pleuritis
Periostale Reaktionen in Form poröser, plattenartiger Kno-
chenneubildungen an der viszeralen Seite der Rippen konn-
ten ebenfalls nur in geringer Häufigkeit, d.
h. bei zwei Indi-
viduen (Gräber KH 1/67-2 und KH 1/81-2) festgestellt
werden. Bei einer Gesamtzahl von 33 beurteilten Individu-
en ergibt das eine Frequenz von 6,1
%.
3.3.6 Rekonstruktion der Körperhöhe
Die Rekonstruktion der Körperhöhe war aufgrund der
schlechten Erhaltung der Skelettreste nur bei neun Indivi-
duen der Population möglich. Die Messungen erfolgten
nach Martin und Saller41 (Tabelle 30).
Die Variationsbreite der 7 Männer reicht von 156,5 bis
175,5 cm, der Mittelwert beträgt 166,6 cm. Für die beiden
Frauen wurden Körperhöhen von 154 und 158 cm errech-
net.
41. Martin, Saller 1957.
teil bei 11,1
%. Von den subadulten Individuen weist ledig-
lich ein Kind diese strukturellen Umbildungen auf (rechts:
50
%; links: 33,3
%). Auch lineare Schmelzhypoplasien be-
trafen die Erwachsenen mit 57,1 % häufiger, als die Sub-
adulten (42,9 %). In der Gesamtpopulation macht der An-
teil der von solchen Schmelzbildungsstörungen betroffenen
Individuen ca. 35,5
% aus.
Die geschlechtsspezifische Analyse weist Männer und
Frauen als ähnlich belastet aus (Abb. 18): Bei 50
% der Frau-
en und 43,8 % der Männer waren periostale Knochenneu-
bildungen zu diagnostizieren. Porotische Hyperostose fand
sich bei den Männern etwas häufiger (60 %) als bei den
Frauen (50
%). Cribra orbitalia konnten hingegen lediglich
bei einem Mann (16,7 %), lineare Schmelzhypoplasien bei
53,8 % der Männer und bei 60 % der Frauen festgestellt
werden. Die Unterschiede sind nicht signifikant.
3.3.5 Infektionskrankheiten
3.3.5.1 Meningeale Reaktionen
Nur bei 28 der 62 Individuen des Gräberfeldes war die inne-
re Schädellamelle einer Beurteilung zugängig. Meningeale
Abb. 18: Graphische Darstellung der geschlechtsspezifischen
relativen Häufigkeiten von Periostitis, porotischer Hyperostose,
Cribra orbitalia (rechts) und linearen Schmelzhypoplasien.
Objekt/
Grab-Nr. Geschlecht Humerus
Größte Länge
Maß Nr. 1
(mm) Radius
Parallele Länge
Maß Nr. 1b
(mm) Femur
Größte Länge
Maß Nr. 1
(mm) Tibia
Mediale Länge
Maß Nr. 1b
(mm) Körperhöhe
(cm) Durchschnitt
Körperhöhe
(cm)
KH 9796/1b w 290 / / / 160 160
KH 9797/1c w / 210 / 335 154–158 156
KH 9801/7 m 357 263 491 393 173–178 175,5
KH 9802/8 m 336 / / / 172–173 172,5
KH 9809/16 m 310,1 / / / 165–166 165,5
KH 1/17 m / / 440 / 166–167 166,5
KH 1/29 m / 214/217 / / 160–162 161
KH 1/69 m / 201 / / 156–157 156,5
KH 1/79 m / / 450 / 168–169 168,5
Tabelle 30: Rekonstruktion der Körperhöhe von männlichen und weiblichen Individuen der frühneolithischen Population von Kleinhadersdorf.
Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Titel
- Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Autoren
- Christine Neugebauer-Maresch
- Eva Lenneis
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-7598-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Neolithic, LBK, cemetery, archaeology, prehistory, Kleinhadersdorf, Lower Austria, Neolithikum, Linearbandkeramik, Archäologie, Urgeschichte, Gräberfeld, Kleinhadersdorf, Niederösterreich
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen