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Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
Seite - 383 -
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Lebensjahr) und drei Jugendliche (4,8  %). In der Sterbe- altersverteilung weicht die vorliegende Serie, sieht man vom Anteil Neugeborener ab, deutlich von der zeitlich nur we- nig jüngeren, aus dem Siedlungsareal von Asparn/Schletz geborgenen Population ab: Kinder der Altersklasse Infans  I sind in Asparn mit 17,3  %, Kinder der Altersklasse Infans  II mit 12,7  % und jugendliche Individuen mit 8,2  % repräsen- tiert43. Da es sich im Falle der Siedlung von Asparn vermut- lich um einen „Populationsquerschnitt“ handelt, der sich aus dem dort gegebenen Szenario eines (aus den anthropo- logischen Befunden rekonstruierten) Massakers mit Auslö- schung der Siedlung und seiner Bewohner erschließen lässt, dürfte die für Asparn ermittelte Altersverteilung den realen Verhältnissen näher kommen. Hier reiht sich auch die Rut- zinger Serie mit ihrer nahezu identen Subadultensterblich- keit von 37,5  % ein44. Ähnliche Ergebnisse finden sich auch bei den bandkeramischen Serien des Mittelelbe-Saale-Ge- bietes in Deutschland, Bruchstedt und Sondershausen45. Das Defizit von Kindern und Jugendlichen im Kleinha- dersdorfer Gräberfeld ist kein ungewöhnlicher Befund für prähistorische Skelettpopulationen, da für ein solches Er- gebnis zumeist der schlechte Erhaltungszustand der fragilen kindlichen Skelette, d.  h. Lagerungsbedingungen und ta- phonomische Prozesse, verantwortlich ist46. Bei ungünsti- gen Bodenverhältnissen können die Kinderknochen auch völlig vergangen sein. Oft wurde und wird das Kleinkinder- defizit auch mit „Sonderbestattungsplätzen“ in Verbindung gebracht47, die allerdings bislang für das Neolithikum nicht nachgewiesen werden konnten48. Aufgrund der im Kleinha- dersdorfer Gräberfeld dokumentierten seichten Lage aller 43. Teschler-Nicola et al. 1996. 44. Kirchengast, Winkler 1994. 45. Bach 1978. 46. Bach, Bach 1971. – Rösing 1975. – Bach 1978. – Schultz 1989a. – Wittwer-Backofen 1989. – Kirchengast, Winkler 1994. 47. Schwidetzky 1965. 48. Bach 1993, zitiert nach Carli-Thiele 1996. 4. Diskussion 4.1 Demographische Parameter Aussagen zur Bevölkerungsstruktur vor- und frühge- schichtlicher Bevölkerungen auf der Grundlage von Ske- lettfunden sind nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich42. Die Skelettreste sollten repräsentativ, d.  h. der Bestattungsplatz vollständig oder annähernd vollständig dokumentiert und ergraben, und die Gräberfeldgrenzen be- kannt sein. Schließlich muss auch die Anzahl der Individuen groß genug sein, um eine statistische Absicherung zu er- möglichen. Das Gräberfeld von Kleinhadersdorf erfüllt nicht alle Bedingungen: Die aus 61 Gräbern geborgenen 62 Individu- en stellen eine relativ kleine Stichprobe dar, wobei davon ausgegangen werden kann, dass der Friedhof ursprünglich wohl bis zu 200 Bestattungen umfasst haben dürfte. Auch die Belegungsdauer des Friedhofes ist nicht eindeutig fest- stellbar, denkbar ist eine über Jahrhunderte andauernde kontinuierliche oder auch nur phasenweise Nutzung des Bestattungsplatzes. Wir wollen daher nachfolgend die Sterblichkeits- und Geschlechterverhältnisse in knapper Form behandeln und auf die Berechnung von Mortalitätsta- feln dieser frühneolithischen Population verzichten. Betrachtet man die Ergebnisse der Sterbealtersbestim- mung, zeigt sich, dass die im Erwachsenenalter Verstorbe- nen im Gegensatz zu den subadult Verstorbenen überwie- gen: 35 der insgesamt 62 Individuen hatten das Erwachsenenalter erreicht, 17 Individuen verstarben inner- halb der ersten beiden Lebensjahrzehnte. Die Subadulten- sterblichkeit dieser Population liegt damit bei knapp 27  % – was mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht den tatsächlichen Verhältnissen entspricht. Darunter finden sich lediglich zwei Neugeborene (eines, KH  1/5–2, war zu- sammen mit einer adulten Frau bestattet worden), neun Kinder (14,5  %) der Altersklasse Infans  I (sie verstarben zwischen dem 1. und 6. Lebensjahr), drei Kinder (4,8  %) der Altersklasse Infans  II (sie starben zwischen dem 7. und 14. 42. Acsádi, Nemeskéri 1957. – Acsádi, Nemeskéri 1970. – Bach 1978. – Grupe et al. 2005. 383
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Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
Titel
Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
Autoren
Christine Neugebauer-Maresch
Eva Lenneis
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-7001-7598-8
Abmessungen
21.0 x 29.7 cm
Seiten
406
Schlagwörter
Neolithic, LBK, cemetery, archaeology, prehistory, Kleinhadersdorf, Lower Austria, Neolithikum, Linearbandkeramik, Archäologie, Urgeschichte, Gräberfeld, Kleinhadersdorf, Niederösterreich
Kategorien
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