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Lebensjahr) und drei Jugendliche (4,8 %). In der Sterbe-
altersverteilung weicht die vorliegende Serie, sieht man vom
Anteil Neugeborener ab, deutlich von der zeitlich nur we-
nig jüngeren, aus dem Siedlungsareal von Asparn/Schletz
geborgenen Population ab: Kinder der Altersklasse Infans
I
sind in Asparn mit 17,3
%, Kinder der Altersklasse Infans
II
mit 12,7
% und jugendliche Individuen mit 8,2
% repräsen-
tiert43. Da es sich im Falle der Siedlung von Asparn vermut-
lich um einen „Populationsquerschnitt“ handelt, der sich
aus dem dort gegebenen Szenario eines (aus den anthropo-
logischen Befunden rekonstruierten) Massakers mit Auslö-
schung der Siedlung und seiner Bewohner erschließen lässt,
dürfte die für Asparn ermittelte Altersverteilung den realen
Verhältnissen näher kommen. Hier reiht sich auch die Rut-
zinger Serie mit ihrer nahezu identen Subadultensterblich-
keit von 37,5
% ein44. Ähnliche Ergebnisse finden sich auch
bei den bandkeramischen Serien des Mittelelbe-Saale-Ge-
bietes in Deutschland, Bruchstedt und Sondershausen45.
Das Defizit von Kindern und Jugendlichen im Kleinha-
dersdorfer Gräberfeld ist kein ungewöhnlicher Befund für
prähistorische Skelettpopulationen, da für ein solches Er-
gebnis zumeist der schlechte Erhaltungszustand der fragilen
kindlichen Skelette, d. h. Lagerungsbedingungen und ta-
phonomische Prozesse, verantwortlich ist46. Bei ungünsti-
gen Bodenverhältnissen können die Kinderknochen auch
völlig vergangen sein. Oft wurde und wird das Kleinkinder-
defizit auch mit „Sonderbestattungsplätzen“ in Verbindung
gebracht47, die allerdings bislang für das Neolithikum nicht
nachgewiesen werden konnten48. Aufgrund der im Kleinha-
dersdorfer Gräberfeld dokumentierten seichten Lage aller
43. Teschler-Nicola et al. 1996.
44. Kirchengast, Winkler 1994.
45. Bach 1978.
46. Bach, Bach 1971. – Rösing 1975. – Bach 1978. – Schultz 1989a.
– Wittwer-Backofen 1989. – Kirchengast, Winkler 1994.
47. Schwidetzky 1965.
48. Bach 1993, zitiert nach Carli-Thiele 1996.
4. Diskussion
4.1 Demographische Parameter
Aussagen zur Bevölkerungsstruktur vor- und frühge-
schichtlicher Bevölkerungen auf der Grundlage von Ske-
lettfunden sind nur unter bestimmten Voraussetzungen
möglich42. Die Skelettreste sollten repräsentativ, d. h. der
Bestattungsplatz vollständig oder annähernd vollständig
dokumentiert und ergraben, und die Gräberfeldgrenzen be-
kannt sein. Schließlich muss auch die Anzahl der Individuen
groß genug sein, um eine statistische Absicherung zu er-
möglichen.
Das Gräberfeld von Kleinhadersdorf erfüllt nicht alle
Bedingungen: Die aus 61 Gräbern geborgenen 62 Individu-
en stellen eine relativ kleine Stichprobe dar, wobei davon
ausgegangen werden kann, dass der Friedhof ursprünglich
wohl bis zu 200 Bestattungen umfasst haben dürfte. Auch
die Belegungsdauer des Friedhofes ist nicht eindeutig fest-
stellbar, denkbar ist eine über Jahrhunderte andauernde
kontinuierliche oder auch nur phasenweise Nutzung des
Bestattungsplatzes. Wir wollen daher nachfolgend die
Sterblichkeits- und Geschlechterverhältnisse in knapper
Form behandeln und auf die Berechnung von Mortalitätsta-
feln dieser frühneolithischen Population verzichten.
Betrachtet man die Ergebnisse der Sterbealtersbestim-
mung, zeigt sich, dass die im Erwachsenenalter Verstorbe-
nen im Gegensatz zu den subadult Verstorbenen überwie-
gen: 35 der insgesamt 62 Individuen hatten das
Erwachsenenalter erreicht, 17 Individuen verstarben inner-
halb der ersten beiden Lebensjahrzehnte. Die Subadulten-
sterblichkeit dieser Population liegt damit bei knapp 27
% –
was mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht
den tatsächlichen Verhältnissen entspricht. Darunter finden
sich lediglich zwei Neugeborene (eines, KH
1/5–2, war zu-
sammen mit einer adulten Frau bestattet worden), neun
Kinder (14,5 %) der Altersklasse Infans I (sie verstarben
zwischen dem 1. und 6. Lebensjahr), drei Kinder (4,8
%) der
Altersklasse Infans II (sie starben zwischen dem 7. und 14.
42. Acsádi, Nemeskéri 1957. – Acsádi, Nemeskéri 1970. – Bach
1978. – Grupe et al. 2005. 383
Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Titel
- Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Autoren
- Christine Neugebauer-Maresch
- Eva Lenneis
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-7598-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 406
- Schlagwörter
- Neolithic, LBK, cemetery, archaeology, prehistory, Kleinhadersdorf, Lower Austria, Neolithikum, Linearbandkeramik, Archäologie, Urgeschichte, Gräberfeld, Kleinhadersdorf, Niederösterreich
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen