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Der Stoff, aus dem Konflikte sind - Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Seite - 302 -
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FELIX EKARDT 302 ausgearbeitete (siehe Anm. 1, v.a. Ekardt 2007 und 2008) – Überlegung dafür, dass die Grundlagen der Gerechtigkeit trotzdem universal sein müssen, läuft wie folgt: In einer pluralistischen Welt streiten die Menschen über normative Fragen. Selbst fundamentalistisch und autokratisch gesinnte Menschen tun dies und bedienen sich dabei der menschlichen Sprache. Wer aber mit Grün- den (also rational, d.h. mit Worten wie weil, da, deshalb) streitet, also bei normativen Themen Sätze wie X ist richtig, weil Y formuliert, setzt logisch zweierlei voraus (ob man dies nun rein faktisch will oder nicht): (1) Norma- tive Fragen können überhaupt mit Gründen und ergo objektiv und nicht nur subjektiv präferenzgesteuert entschieden werden. (2) Die möglichen Diskurs- partner verdienen gleiche unparteiische Achtung. Denn Gründe sind egalitär und das Gegenteil von Gewalt und Herab- setzung; und sie richten sich an Individuen mit geistiger Autonomie, denn ohne Autonomie kann man keine Gründe prüfen. Somit sind universale Ge- rechtigkeitsprinzipien möglich: ›die Achtung vor der Autonomie der Indivi- duen‹ (Menschenwürde) und ›eine gewisse Unabhängigkeit von Sonderper- spektiven‹ (Unparteilichkeit – was ich hier nicht vertiefe). Dass man (1) zu- mindest gelegentlich im hier gemeinten Sinne mit Gründen2 entscheidet und sich damit logisch in der hier gezeigten Argumentation verfängt, genügt da- bei. Zum gleichen Ergebnis führt der Gesichtspunkt, dass (2) die These, dass normative Fragen nicht mit Gründen entschieden werden könnten, auch auf Grund des oben bei den Präferenztheoretikern aufgezeigten Selbstwider- spruchs unhaltbar erscheint. Ich lege hier nicht (wie andernorts, siehe bspw. Ekardt 2007 und 2008) näher dar, dass diese wenigstens gelegentliche nor- mative Rationalität von Menschen auch in Situationen, in denen man nicht diskutiert, trotzdem die einzelnen Menschen und damit auch die gesell- schaftliche Grundordnung auf ›Menschenwürde‹ und ›Unparteilichkeit‹ ver- pflichtet. Indem sich freilich nur die zwei letztgenannten Prinzipien zwingend universal für alle Ordnungen des Zusammenlebens herleiten lassen, kommt man zu für den ›Kopftuchstreit‹ wesentlichen Konsequenzen. Es sind dies solche Konsequenzen, die jede liberal-demokratische Verfassung – bei rich- tiger Interpretation – eigentlich heute immer aussagen sollte. Zunächst einmal 2 Noch einmal: Dies ist eine logische Schlussfolgerung und keine empirische Aussage darüber, ob Menschen rein faktisch im hier beschriebenen Sinne ratio- nal entscheiden möchten. ›Rational‹ heißt hier, wie gesehen, nicht wie zumeist bei Ökonomen ›ein (tendenziell eigennütziges) Ziel mit möglichst effektiven Mitteln umsetzend‹ (dies wäre schlicht die ›instrumentelle Rationalität‹). ›Ra- tionalität‹ meint hier vielmehr, dass jemand normative Fragen mit Gründen ent- scheidet. Ein Grund ist dabei alles, was die besagte weil-/da-/deshalb-Struktur hat und außerdem im Prinzip von jedem und jeder eingesehen werden kann.
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Der Stoff, aus dem Konflikte sind Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Titel
Der Stoff, aus dem Konflikte sind
Untertitel
Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Autoren
Sabine Berghahn
Petra Rostock
Verlag
transcript Verlag
Datum
2009
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-89942-959-6
Abmessungen
14.7 x 22.4 cm
Seiten
526
Schlagwörter
Religion, Migration, Geschlechterverhältnisse, Demokratie, Rechtssystem, Politik, Recht, Islam, Islamwissenschaft, Gender Studies, Soziologie, Democracy, Politics, Law, Islamic Studies, Sociology
Kategorie
Recht und Politik
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