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INTERESSEN VERTRETEN MIT VEREINTER STIMME
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Gemeinsames Statement islamischer
Organisationen und Verbände
Zwischen der Veröffentlichung des Bundesverfassungsgerichtsurteils im ›Fall
Ludin‹ im September 2003 und der gemeinsamen Presseerklärung von über
60 islamischen Vereinen und Verbänden im April 2004 vergingen über sechs
Monate. Gleichwohl hat es bis dahin keine gemeinsame Positionierung in
schriftlicher Form von einer solchen Anzahl islamischer Verbände in
Deutschland gegeben. Die Erklärung wurde von einer Mischung kleiner isla-
mischer Ortsvereine und größerer Zusammenschlüsse islamischer Gemeinden
unterzeichnet. Unter den unterzeichnenden Vereinen sind Zusammenschlüsse
auf Landes- und Bundesebene, Vereine verschiedener ethnischer Herkunft
und religiöser Richtungen von sunnitischen über schiitische bis hin zu einem
kleinen alevitischen Verein, Jugend- und Studentenvereinigungen sowie zwei
Frauenvereine.
Allerdings unterzeichneten nicht alle relevanten Frauenvereine, wie
beispielsweise das ›Zentrum für islamische Frauenforschung und Förderung‹
(ZIF) oder das Frauennetzwerk ›HUDA‹. Bemerkenswerterweise ist zudem
die DITIB, einer der größten Dachverbände von Moscheevereinen in
Deutschland nicht unter den Unterzeichnenden. Die Journalistin Heide Oest-
reich erklärt das Schweigen der über die Finanzierung ihrer Hocas in direkter
Abhängigkeit von der Türkei stehenden DITIB mit einem Verweis auf die
türkische Debatte: »Weil aber in der Türkei der Kopftuchstreit ungleich stür-
mischer verläuft, zieht DITIB es vor, in dieser Angelegenheit in Deutschland
keine Stellungnahme abzugeben« (Oestreich 2004: 102). Die Ahmadiyya-
gemeinde veröffentlichte eine eigene Presseerklärung und gab ein »Sonder-
heft zum Thema Kopftuch« in ihrer Reihe »Islam im Brennpunkt« (Ahma-
diyya Muslim Jamaat Deutschland 2004) heraus, in dem Kopftuchverbote als
integrationshinderlich abgelehnt werden.8 Die Alevitische Gemeinde Deutsch-
land äußerte sich zur ›Kopftuchdebatte‹ distanziert und befürwortete in Ein-
zelstatements Kopftuchverbote für Lehrerinnen.9
Überschrieben ist die Mitte April veröffentlichte Presserklärung der is-
lamischen Verbände mit dem Titel »Kopftuch nur aus freiem Willen – Verbot
der Unterdrückung« (Presseerklärung Islamischer Organisationen in Deutsch-
land 2004). Die Presseerklärung wurde auf den Internetseiten vieler unter-
8 Eine Liste der Unterzeichnenden befindet sich am Ende der Presserklärung; ab-
rufbar bspw. auf den Seiten der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA):
http://www.kna.de/doku_aktuell/islam_kopftuch.html, 24.02.2009.
9 Siehe die »Stellungnahme zum sog. ›Kopftuch-Urteil‹ des Bundesverfassungs-
gerichtes, Antrag der Fraktion der CDU – Drucksache 15/3008«, 21.04.2004,
Schleswig-Holsteinischer Landtag Umdruck 15/4462; abrufbar: http://www.
landtag.ltsh.de/infothek/wahl15/umdrucke/4400/umdruck-15-4462.pdf,
24.02.2009.
Der Stoff, aus dem Konflikte sind
Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
- Titel
- Der Stoff, aus dem Konflikte sind
- Untertitel
- Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
- Autoren
- Sabine Berghahn
- Petra Rostock
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2009
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-89942-959-6
- Abmessungen
- 14.7 x 22.4 cm
- Seiten
- 526
- Schlagwörter
- Religion, Migration, Geschlechterverhältnisse, Demokratie, Rechtssystem, Politik, Recht, Islam, Islamwissenschaft, Gender Studies, Soziologie, Democracy, Politics, Law, Islamic Studies, Sociology
- Kategorie
- Recht und Politik