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INTERESSEN VERTRETEN MIT VEREINTER STIMME
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Der Vorsitzende des ›Islamrat Deutschland‹, heute einer der vier Mitglieds-
verbände des KRM, Ali Kizilkaya, äußert sich dazu 2005 in einem Interview
mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung:
»Denn gerade in dieser Gesellschaft eröffnet sich ja auch eine Chance für muslimische
Frauen, sich zu emanzipieren, indem sie im Berufsleben selbständig werden.
Finanzielle Selbständigkeit bringt auch in der Familie einen anderen Status. Gerade
dem wird aber durch die Gesellschaft, teilweise durch die Politik ein Riegel vorge-
schoben, etwa durch das Kopftuchverbot nur für Muslime, durch das einige Berufs-
felder für muslimische Frauen verschlossen werden. Sie werden dann durch den
Gesetzgeber oder die Gesellschaft an den Herd geschickt – nicht durch die mus-
limischen Männer« (Kizilkaya 2005).
Eine vom Berliner Senat 2008 herausgegebene Studie dokumentiert Benach-
teiligungen und Diskriminierungen junger Kopftuchträgerinnen im Erwerbs-
leben jenseits des Bildungsbereichs.12 Darin wird darauf Bezug genommen,
dass es immer schwieriger für Frauen mit Kopftuch werde, eine Anstellung zu
finden, egal ob sie das Tuch nun freiwillig tragen oder auf Grund des Drucks
der Familie bzw. des weiteren sozialen Umfelds.
Dennoch äußern Musliminnen, die sich im innermuslimischen Kreis über
Benachteiligungen beklagen, Bedenken, mit diesen Problemen an die Öffent-
lichkeit oder gar vor Gericht zu gehen. Zur jetzigen Situation habe ein Rechts-
streit geführt, der Diskriminierung beenden und Gleichberechtigung bringen
sollte, jedoch zu weiterer Ausgrenzung und deren Legitimierung mit Verweis
auf das Grundgesetz führte.13
Auf der Internetseite der ISGG stellten von dem 2006 geänderten Schul-
gesetz betroffene muslimische Lehrerinnen und Sozialpädagoginnen verschie-
dene Debattenbeiträge zusammen und dokumentierten dabei insbesondere die
ihnen entgegengebrachte Unterstützung aus nichtislamischem Umfeld.14 Auf
der Homepage sind zehn Zitate zusammengestellt, die gegen ein Verbot des
Kopftuchtragens für Lehrerinnen im staatlichen Schuldienst argumentieren.
Eines der Zitate stammt von dem damaligen Bundespräsidenten Johannes
Rau. Auf den Link zu einem Zeitungsbericht mit dem Titel »USA kritisieren
12 »Mit Kopftuch Außen vor?«, Berliner Senatsverwaltung für Integration, Arbeit
und Soziales, 2008; abrufbar: http://www.berlin.de/imperia/md/content/lb_ads/
kopftuch_klein.pdf, 24.02.2009.
13 Dies führen beispielsweise die AG ›Muslimische Frau in der Gesellschaft‹ in
einem Statement zur ›Kopftuchdebatte‹ sowie Nina Mühe in einem Online-
artikel auf der Internetseite ›Nafisa‹ aus; abrufbar: http://www.nafisa.de/tag/
kopftuchzwang/, 27.01.2009 und http://www.nafisa.de/mit-kopftuch-zu-recht-
ausen-vor, 27.01.2009.
14 Abrufbar: http://www.isgg.de/GeschichteISGG.htm, 24.02.2009.
Der Stoff, aus dem Konflikte sind
Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
- Titel
- Der Stoff, aus dem Konflikte sind
- Untertitel
- Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
- Autoren
- Sabine Berghahn
- Petra Rostock
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2009
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-89942-959-6
- Abmessungen
- 14.7 x 22.4 cm
- Seiten
- 526
- Schlagwörter
- Religion, Migration, Geschlechterverhältnisse, Demokratie, Rechtssystem, Politik, Recht, Islam, Islamwissenschaft, Gender Studies, Soziologie, Democracy, Politics, Law, Islamic Studies, Sociology
- Kategorie
- Recht und Politik