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Der Stoff, aus dem Konflikte sind - Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Seite - 438 -
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INDRE MONJEZI BROWN 438 Definition ›Kopftuch‹/›Hijab‹ Während in der deutschen Debatte bezüglich der Bedeckung muslimische Frauen von der nichtmuslimischen Umwelt zumeist der Terminus ›Kopftuch‹ benutzt wird, sprechen muslimische Frauen in Deutschland selbst zumeist von ›Bedeckung‹ oder ›Hijab‹.3 Frauen benutzen untereinander die Metapher ›Sie hat sich bedeckt‹4, wenn eine Frau sich entschließt, ein Kopftuch zu tragen. Hijab (ب , arab. Vorhang) bezeichnet jedoch mehr als die Bedeckung der Haare durch ein Tuch. Die heutigen Trägerinnen verstehen darunter als erstes einen islamisch begründeten Kleidungsstil, dessen Zweck die Bedeckung aller Körperteile bis auf die Hände, Füße und das Gesicht umfasst.5 Die Kleidung soll körperfern und weit gearbeitet sein und darf die Kleidung der nichtmus- limischen Frauen im selben sozialen Umfeld an Wert nicht ausstechen. Der islamische Hijab ist jedoch viel weiter gefasst: er ist Ausdruck einer Sozial- verfassung und einer Rechtsordnung der islamischen Gesellschaft. ›Hijab‹6 bedeutet in seiner strengsten Auslegung (Knieps 1999: 173): - Die Seklusion von Frauen in Räumen des Haushalts, dem sie angehören. - Dass direkter Kontakt von Frauen mit Männern nur dann erlaubt ist, so- fern diese in einem bestimmten Verwandtschaftsverhältnis zu ihnen ste- hen und als Sexualpartner akzeptabel sind.7 - Die Verhüllung der Frauen vor allen Männern, die nicht zu den Maharim zählen, insbesondere beim Agieren im öffentlichen Raum. - Der Rückzug von Frauen in die Frauenräume, sobald Männer das Haus betreten, die nicht zu den Maharim zählen. - Der Auftritt von Frauen im öffentlichen Raum nur in Begleitung von Maharim. wandt) entstammen zumeist Teilnehmenden Beobachtungen der Autorin im muslimischen Milieu Hamburgs aus den Jahren 2005-2009. 3 Im folgenden Text soll die Bedeutung des Hijabs aus Sicht der ›Neo-Muslimat‹ dargelegt werden. Um den Rahmen des Artikels nicht zu sprengen, wird der von manchen Eltern und Mitgliedern der muslimischen Communities in Deutschland ausgeübte Zwang zur Bedeckung ausgeklammert, aber von der Autorin weder negiert noch beschönigt. 4 Als das Gegenteil definierende Metapher wird oft ›Sie ist offen‹ benutzt; Teil- nehmende Beobachtung der Autorin in türkisch-muslimischen Communities in Hamburg 2005 bis dato. 5 Auf den Gesichtsschleier wird im Text nicht weiter eingegangen, da er in Deutschland von einer verschwindend geringen Zahl von Frauen getragen wird und bei der Mehrheit der Musliminnen in Deutschland, die zumeist türkisch- stämmig sind, unüblich ist; Teilnehmende Beobachtungen der Autorin 2005- 2008 in muslimischen Gemeinschaften in Hamburg. 6 Die im Folgenden beschriebene Seklusion ist auch als ›Parda‹ (Farsi) oder ›Pur- dah‹ (engl.) bekannt. 7 ›Mahram‹, arabisch مرحم, Mehrzahl Maharim.
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Der Stoff, aus dem Konflikte sind Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Titel
Der Stoff, aus dem Konflikte sind
Untertitel
Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Autoren
Sabine Berghahn
Petra Rostock
Verlag
transcript Verlag
Datum
2009
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-89942-959-6
Abmessungen
14.7 x 22.4 cm
Seiten
526
Schlagwörter
Religion, Migration, Geschlechterverhältnisse, Demokratie, Rechtssystem, Politik, Recht, Islam, Islamwissenschaft, Gender Studies, Soziologie, Democracy, Politics, Law, Islamic Studies, Sociology
Kategorie
Recht und Politik
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