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INDRE MONJEZI BROWN
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Haupt zu bedecken. Zur Zeit der Offenbarung dieses Verses war es üblich,
dass die Bewohner/innen der Siedlung zur Verrichtung ihrer Notdurft diese,
auch nachts, verließen. Dabei kam es zu Belästigungen der Frauen des Pro-
pheten durch fremde Männer. Diese führten als Entschuldigung an, dass sie
die betreffenden Frauen für Sklavinnen gehalten hätten. Die von diesem Vers
geforderte Bekleidung war bei zeitgenössischen freien Jüdinnen und Chris-
tinnen sowie bei Perserinnen üblich und sollte ihnen mehr Respekt und
Schutz der Intimsphäre verschaffen. Der durch die Kleidung symbolisierte hö-
here gesellschaftliche Status sollte fortan auch für muslimische Frauen gelten
(Ghadban 2005). Allerdings ist der genannte Vers in Bezug auf das genaue
Aussehen und die Beschaffenheit der Bedeckung nicht sehr genau, so dass
sich im Laufe der Zeit verschiedene Arten der Bedeckung herausbildeten, wie
sie heute gebräuchlich sind, wie z. B. Kopftuch, Bushia, Chador, Jilbab, Car-
caf, Chadri etc. Daneben gibt es noch traditionelle Bedeckungen des Gesichts,
die sich nicht koranisch begründen lassen, wie z. B. Gesichtsmasken, die von
den Frauen selbst hergestellt werden und z. T. auch getragen werden, wenn
keine Fremden zugegen sind.
3) Koran Sure 24 Vers 30-31:
»Sprich zu den gläubigen Männern, dass sie ihre Blicke zu Boden schlagen und ihre
Keuschheit wahren sollen. Das ist reiner für sie. Wahrlich, Allah ist dessen, was sie
tun, recht wohl kundig.
Und sprich zu den gläubigen Frauen, dass sie ihre Blicke zu Boden schlagen und ihre
Keuschheit wahren und ihren Schmuck nicht zur Schau tragen sollen – bis auf das,
was davon sichtbar sein darf, und dass sie ihre Tücher um ihre Kleidungsausschnitte
schlagen und ihren Schmuck vor niemand (anderem) enthüllen sollen als vor ihren
Gatten oder Vätern oder den Vätern ihrer Gatten oder ihren Söhnen oder den Söhnen
ihrer Gatten oder ihren Brüdern oder den Söhnen ihrer Brüder oder Söhnen ihrer
Schwestern oder ihren Frauen oder denen, die sie von Rechts wegen besitzen, oder
solchen von ihren männlichen Dienern, die keinen Geschlechtstrieb mehr haben, und
den Kindern, die der Blöße der Frauen keine Beachtung schenken. Und sie sollen ihre
Füße nicht so (auf den Boden) stampfen, dass bekannt wird, was sie von ihrem
Schmuck verbergen. Und wendet euch allesamt reumütig Allah zu, o ihr Gläubigen,
auf dass ihr erfolgreich sein möget«.
Anzumerken ist, dass sich der Koran nicht nur an Frauen, sondern auch an
Männer wendet, von denen ebenfalls Keuschheit und angemessenes Verhalten
verlangt wird. Die Botschaft ist an alle Muslime/Musliminnen gerichtet und
fordert sowohl Frauen als auch Männer auf, sich angemessen zu kleiden und
den Intimbereich Anderer nicht durch Blicke zu verletzten. Sie soll zum ge-
genseitigen respektvollen Umgang von Männer und Frauen beitragen. Des
Der Stoff, aus dem Konflikte sind
Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
- Titel
- Der Stoff, aus dem Konflikte sind
- Untertitel
- Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
- Autoren
- Sabine Berghahn
- Petra Rostock
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2009
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-89942-959-6
- Abmessungen
- 14.7 x 22.4 cm
- Seiten
- 526
- Schlagwörter
- Religion, Migration, Geschlechterverhältnisse, Demokratie, Rechtssystem, Politik, Recht, Islam, Islamwissenschaft, Gender Studies, Soziologie, Democracy, Politics, Law, Islamic Studies, Sociology
- Kategorie
- Recht und Politik