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Der Stoff, aus dem Konflikte sind - Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Seite - 447 -
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MUSLIMISCHE FRAUEN UND DAS ›KOPFTUCH‹ 447 spräch beginnen, recht groß. Ebenfalls von Bedeutung ist das Ansprechen von anderen ›bedeckten‹ Frauen als ›Schwester‹. Hier werden die Einheit der Um- ma und das Gebot der Solidarität unter Musliminnen bzw. Muslimen ein- gefordert. Der Hijab symbolisiert, wie andere Einheitsbekleidung auch, die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, in diesem Fall die der Umma. Auch wird durch die Art des Hijabs oft die Ethnizität der Trägerin deutlich. So tragen z.B. türkischstämmige Frauen in Deutschland ihre Tücher anders gebunden als arabischstämmige: während erstere zumeist rechteckige mit Mustern be- vorzugen, die mittels eines nicht sichtbaren Untertuchs oft zu am Hinterkopf hohen Gebilden ausgeformt werden, bevorzugen arabischstämmige Frauen oft die Shaila mit sichtbarer Bone, d.h. ein schalartiges Tuch, das so um den Kopf drapiert wird, dass das Untertuch (Bone) über der Stirn sichtbar ist.30 Wichtig dabei ist zu betonen, dass die Gleichung Kopftuch = strenggläu- big bzw. kein Kopftuch = nichtgläubig zu kurz gegriffen ist und den vielfäl- tigen Formen der Glaubensausübung nicht gerecht wird. Für viele junge Mus- liminnen ist das Tragen des Hijabs durchaus vergleichbar mit einem ›Coming Out‹, es bedeutet für sie Freiheit, Würde und Identität sowie das nach Außen Tragen ihrer Überzeugung. Frauen der ersten ›Gastarbeiter/innen‹-Generation Neben den ›Neo-Muslimat‹ gibt es in Deutschland weitere ›bedeckte‹ Musli- minnen. Als wichtige Gruppe seien hier muslimische Frauen genannt, die der ersten ›Gastarbeiter/innen‹-Generation angehören und die es sich auf Grund ihres altersbedingten Ausscheidens aus dem Berufslebens und dem Entfallen der damit für Hijab tragende Frauen oft vorhandenen Repressalien ›erlauben‹ können, Hijab zu tragen. Viele der Frauen haben sich mit der Einwanderung nach Deutschland an als ›modern‹ geltenden Bekleidungsnormen angepasst, um nicht aufzufallen. Nach klassischer islamischer Vorstellung gilt das Gebot die Haare zu bedecken für Frauen im gebärfähigen Alter. Für viele Frauen ist ihr Hijab im fortgeschrittenen Alter in erster Linie nicht Teil der Befolgung als göttlich verstandener Normen, sondern Zeichen einer jetzt lebbaren Fröm- migkeit, die ihnen in jüngeren Jahren nicht möglich war. So bietet das Alter die Möglichkeit, sich verstärkt mit der Religion zu befassen, islamisches Wis- sen zu erwerben31 und sich – vom orthodoxen Islam oft abgelehnten – volks- islamischen Praxen zuzuwenden (Richter 2004). 30 Teilnehmende Beobachtung in muslimischen Milieus Hamburgs mit Ange- hörigen verschiedener Ethnizität wie z. B. tunesisch, marokkanisch, syrisch, tür- kisch, iranisch, afghanisch, 2000 bis dato. 31 So lässt sich z. B. in vielen Hamburger Moscheen beobachten, dass am Wo- chenende viele ältere Frauen speziell auf sie zugeschnittene Lerngruppen be- suchen und auch oft an Wochentagen die Moschee besuchen, um das Gelernte
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Der Stoff, aus dem Konflikte sind Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Titel
Der Stoff, aus dem Konflikte sind
Untertitel
Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Autoren
Sabine Berghahn
Petra Rostock
Verlag
transcript Verlag
Datum
2009
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-89942-959-6
Abmessungen
14.7 x 22.4 cm
Seiten
526
Schlagwörter
Religion, Migration, Geschlechterverhältnisse, Demokratie, Rechtssystem, Politik, Recht, Islam, Islamwissenschaft, Gender Studies, Soziologie, Democracy, Politics, Law, Islamic Studies, Sociology
Kategorie
Recht und Politik
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