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INDRE MONJEZI BROWN
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gungen vorlegen. Der Koran selbst sei unveränderbar: seine Interpretation je-
doch Epoche und gesellschaftlichem Kontext unterworfen und adaptierbar. Im
Laufe der Zeit entwickelte sich der Diskurs insofern weiter, als dass nicht nur
Gelehrte und in Vereinen tätige Funktionärinnen, sondern alle Frauen daran
teilnehmen, die sich für diesen Diskurs interessieren, unabhängig von Ethni-
zität, Beruf oder Bildungsstand.
Bekannte weibliche Gelehrte sind z. B. Aziza al-Hibri50 und Suad Salih51.
Für den deutschen Diskurs besonders wichtig sind Halima Krausen52 und Ha-
mideh Mohagheghi53 sowie das ›Zentrum Islamischer Frauenforschung und
Frauenförderung‹ (ZIF)54 Köln, das 2006 eine eigene Betrachtung zur Sure 4
Vers 34 bezüglich der Gewaltanwendung gegenüber Frauen vorlegte (ZIF
2006). Ein weiterer Schwerpunkt der Theologinnen ist das Forcieren isla-
mischer Bildung für Frauen bis hin zum theologischem Hochschulstudium, da
sich die männliche Hegemonie über das islamische Wissen nur aufbrechen
lässt, wenn auch als gleichwertig anerkannte Studienabschlüsse vorgelegt
werden können.55
Auch auf politischer Ebene wird islamischer Feminismus betrieben, wie
z.B. von der iranischen Juristin Shirin Ebadi56, die gerade mit dem Hinweis
50 Azizah Y. al-Hibri ist Juraprofessorin an der T. C. Williams School of Law,
University of Richmond, USA; abrufbar: http://law.richmond.edu/faculty/al-
hibri.php, 11.02.2009. Sie ist Gründerin und Präsidentin von KARAMAH: Mus-
lim Women Lawyers for Human Rights; abrufbar: http://www.karamah.org,
11.02.2009.
51 Suad Salih ist Professorinnen für Islamisches Recht an der Al-Azhar-Universität
in Ägypten und Fernsehpredigerin.
52 Halima Krausen kann als eine der ganz wenigen weiblichen Imame in Deutsch-
land bezeichnet werden. Sie betreut rund 400 deutschsprachige muslimische
Familien in Hamburg, gibt Koranstunden, schlichtet Streit, macht Seelsorge und
verschickt ihren Predigttext per E-Mail an einen wachsenden Abnehmerkreis;
abrufbar: http://www.geocities.com/athens/thebes/8206/
hkrausen/halhome.htm, 28.04.08.
53 Hamideh Mohagheghi ist 2. Vorsitzende von ›HUDA – Netzwerk für muslimi-
sche Frauen‹ und Redakteurin der HUDA-Zeitschrift; abrufbar: http://
www.huda.de, 11.02.2009. Außerdem ist Gründungsmitglied und Vorstands-
vorsitzende der Muslimischen Akademie in Deutschland; abrufbar: http://www.
muslimische-akademie.de, 11.02.2009. Seit 2007 ist sie auch Lehrbeauftragte
für die Religion des Islam an der Universität Paderborn; abrufbar: http://kw.uni-
paderborn.de/institute-einrichtungen/institut-fuer-evangelische-theologie/perso-
nal/mohagheghi-hamideh/, 11.02.2009.
54 Abrufbar: http://www.zif-koeln.de, 10.02.2009.
55 So beschäftigt sich z. B. die ›Asma Society‹ in den USA u. a. mit der Frage, wie
weibliche Gelehrte mit Fatwakompetenz ausgebildet werden können; abrufbar:
http://www.asmasociety.org, 10.02.2009.
56 Shirin Ebadi gilt als engagierte Streiterin für Kinder- und Frauenrechte und poli-
tisch Verfolgte. 1969 wurde sie als erste Frau in Iran Richterin. 1979 musste sie
das Amt als Folge der islamischen Revolution aufgeben und arbeitete seither als
Der Stoff, aus dem Konflikte sind
Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
- Titel
- Der Stoff, aus dem Konflikte sind
- Untertitel
- Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
- Autoren
- Sabine Berghahn
- Petra Rostock
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2009
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-89942-959-6
- Abmessungen
- 14.7 x 22.4 cm
- Seiten
- 526
- Schlagwörter
- Religion, Migration, Geschlechterverhältnisse, Demokratie, Rechtssystem, Politik, Recht, Islam, Islamwissenschaft, Gender Studies, Soziologie, Democracy, Politics, Law, Islamic Studies, Sociology
- Kategorie
- Recht und Politik