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Der Stoff, aus dem Konflikte sind - Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
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SABINE BERGHAHN/PETRA ROSTOCK/HALINA BENDKOWSKI 480 zwungen werden, bin ich in der Schulausbildung für einen repressionsfreien Raum, repressionsfreien Raum bezogen auf religiöse Zurichtung durch Klei- dung, aber auch repressionsfrei in dem Sinn, dass die Mädchen sich nicht halbnackt präsentieren müssen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Deshalb bin ich heutzutage sogar dafür, dass es so etwas wie Schuluniformen gibt. Das wäre auch sozial gesehen eine unheimlich Entlastung für diejenigen, die nicht mithalten können. Das Schuluniformenmodell ist gerade in Ländern ent- wickelt worden, in denen es große Klassenunterschiede gab. Das habe ich noch nicht ganz durchdacht, aber ich bin erst einmal für die Gewährleistung eines repressionsfreien Raums, bis die Mädchen so alt sind, dass sie selbst entscheiden können, ob sie ein Kopftuch tragen oder sich halbnackt prä- sentieren wollen, und dass sie eben nicht durch Modelle oder Lehrerinnen in irgendeine Richtung gezwungen werden. Und nur über diese Mädchen und jungen Frauen kann ich reden. Über die anderen nicht, auch wenn ich weiß, dass es die gibt. Aber ich möchte noch eines korrigieren – den Punkt mit der Ästhetik. Das ist mir zu entpolitisierend. Wenn ich diese sexistische Inszenierung durch Kleidung sehe – das ist keine Frage von Ästhetik. Wenn die Männer, ob alt oder jung, sehr modern gekleidet sind und neben ihnen völlig verschleierte Frauen, ist das für mich eine blanke sexistische Inszenierung. Das empfinde ich nicht nur so, das ist es auch. Ich habe einige Kontakte zu den Nachbar/- inne/n hier und ich weiß, wie die Situation ist: dass die Mädchen gezwungen werden, lange Haare zu haben und sie sich über mich wundern, weil ich kurze Haare habe. Was etliche türkische Männer hier über mich denken, will ich gar nicht von ihren Frauen wissen. Gerade in einer so unaufgeklärten religiösen Gemeinde und mit ›unaufgeklärt‹ meine ich, dass es nicht viele interne Debatten über das Kopf- tuch und religiöse Normen gibt, wird alles über Frauen geregelt. Das ist früher bei uns auch so gewesen und das versucht der derzeitige Papst Benedikt ja wieder mit seiner Gender Enzyklika9 als ›göttliche Ordnung‹ in die Welt hin- ein zu verfügen. Nicht, dass ich mir da irgendwelche Illusionen mache. Nur der Papst gefährdet gar seinen Einfluss, den er sich durch eine ausgerufene Repaulinisierung der katholischen Welt so fromm wünscht. Übrigens war auch der Apostel Paulus – dessen 2000. Geburtstag im Jahr 2009 vatikanisch gefeiert wird – für das Kopftuchtragen der Frauen beim Beten. Und diese Kleidervorschrift war kein Modetipp, sondern eine Zurückweisung der Frauen aus der anfänglich begeisterten Gleichheit der Katholiken. Dass Paulus so 9 Siehe die Enzyklika »Deus Caritas Est« von Papst Benedikt XVI, »an die Bi- schöfe, and die Priester und Diakone, an die gottgeweihten Personen und an alle Christgläubigen über die christliche Liebe«, abrufbar: http://www.vatican.va/holy _father/benedict_xvi/encyclicals/documents/hf_ben-xvi_enc_20051225_deus-cari tas-est_ge.html, 04.02.2009.
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Der Stoff, aus dem Konflikte sind Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Titel
Der Stoff, aus dem Konflikte sind
Untertitel
Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Autoren
Sabine Berghahn
Petra Rostock
Verlag
transcript Verlag
Datum
2009
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-89942-959-6
Abmessungen
14.7 x 22.4 cm
Seiten
526
Schlagwörter
Religion, Migration, Geschlechterverhältnisse, Demokratie, Rechtssystem, Politik, Recht, Islam, Islamwissenschaft, Gender Studies, Soziologie, Democracy, Politics, Law, Islamic Studies, Sociology
Kategorie
Recht und Politik
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