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Der Stoff, aus dem Konflikte sind - Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
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KONFLIKTE UM DER FREIHEIT WILLEN SIND UNUMGÄNGLICH 489 tegrieren, die multikulturell sind und in denen sich viele durch Laizität diskriminiert und nicht als gleichberechtigte Bürger/innen anerkannt fühlen? Halina Bendkowski: Ich glaube, alles Lernen geht nur durch Konflikte. Das geht einfach nicht anders. Lernen ist ein Konflikt. Ich meine nicht das Lernen von Wissen sondern das Lernen von Freiheit. Das ist ein einziger Konflikt- prozess. Und es ist besonders schwierig für Frauen, den Mut zu haben, sich zu befreien. Es ist natürlich auch schwierig für Männer, sowohl, wenn sie die Ordnung gerne erhalten möchten, aber auch schwierig für sie, den Ordnungs- hütern Paroli zu bieten. Nur weltweit ist es für die Frauen noch immer un- gleich lebensgefährlicher. In der Laizität sehe ich eine gesellschaftliche Chan- ce und Pflicht, jenseits der Religionen eine immer wieder nötig zu erörternde Ethik zu etablieren. Dass das ein schwieriger Prozess ist, kann man nicht verhindern. Ich weiß es ja selber aus meiner Biographie. Meine Mutter hat selber ein Kopftuch getragen, als sie nach Deutschland kam. Meine Mutter kam aus Polen, aber als sie dann in Deutschland war, hat sie ein Kopftuch getragen. Mir ist das also alles vertraut. Man kommt hierher und glaubt dann auf einmal, man müsse strenger mit sich und seiner Religion sein, weil das auch ein Zusammengehörigkeitsgefühl schafft. Wenn sie das nur für sich machen, ist das auch etwas anderes, aber wenn sie das dann weiter an ihre Töchter delegieren, da muss eine gesellschaftliche Intervention stattfinden, damit die Töchter nicht Opfer der Verunsicherung ihrer Eltern werden. Und die Einstellungen ändern sich dann auch, weil sie sehen, ihre Töchter werden nicht Prostituierte, bloß weil sie sich nicht so verhalten wie ihre Eltern. Sabine Berghahn: Im Grunde erklärt sich Deine Haltung daraus, dass Du Dich mit denen identifizierst, die dem verheerenden Einfluss der Religion über- lassen werden, irgendwelchen Sittsamkeitsregeln folgen müssen und nicht gegen ihre Eltern und gegen den Mainstream als Individuen verteidigt wer- den. Halina Bendkowski: Ja. Weil sie es nicht können, sie können es nicht. Sabine Berghahn: Das ist sicherlich eine berechtigte Kritik, aus der man ins- besondere an Sozialarbeit und Institutionen Forderungen ableiten kann, was inzwischen ganz unabhängig von der ›Kopftuchkontroverse‹ in den letzten Jahren geschehen ist. Ansatzweise wird also etwas getan, was natürlich auch eine Geldfrage ist. Da hast Du Recht mit Deiner Aussage, dass es Sozial- politik ist. Aber muss man nicht trotzdem, um den Migrant/inn/en Gerech- tigkeit widerfahren zu lassen, zugestehen, dass es keinen generellen zwingen- den Zusammenhang gibt zwischen der islamischen Religionszugehörigkeit und patriarchalen Zuständen?
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Der Stoff, aus dem Konflikte sind Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Titel
Der Stoff, aus dem Konflikte sind
Untertitel
Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Autoren
Sabine Berghahn
Petra Rostock
Verlag
transcript Verlag
Datum
2009
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-89942-959-6
Abmessungen
14.7 x 22.4 cm
Seiten
526
Schlagwörter
Religion, Migration, Geschlechterverhältnisse, Demokratie, Rechtssystem, Politik, Recht, Islam, Islamwissenschaft, Gender Studies, Soziologie, Democracy, Politics, Law, Islamic Studies, Sociology
Kategorie
Recht und Politik
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