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Gemal Franz Räköczy I,, der sie mit einem Mädchen nnd einem Knaben, dem nicht ganz
vier Monate alten Franz, zurückließ. Nach sechs Jahren schon, in ihrem nennnnddreißigsten
Jahre, wurde sie (am 16. Juni 1682) die Frau des fünfundzwanzigjährigen Emerich
Tökölyi, der seit geraumer Zeit nach ihr schmachtete uud sie auch bis zu seinem Tode
leidenschaftlich liebte. Vergebens redete ihr Petnehäzy zu, sich zu ergeben! Sie vertraute
dem Stern ihres Mannes. Schon im Winter wurde Mnnkäes von den Kaiserlichen
umschlossen. Im März (1686) begann General Caprara die regelrechte Belagerung;
Helene ließ die rothe Fahne aufpflanzen, ließ die Besatzung schwören, daß sie die Festung
bis zum letzten Blutstropfen vertheidigen werde, und leistete bis zum 28. April eiueu
so erfolgreichen Widerstand, daß Caprara abzog uud au die Stelle einer Belagerung eiue
zeitweise sehr lockere Cernirnng trat. „Wenn ich auch eine Frau bin" — schrieb sie ihrem
Genial — „hatte ich doch den Muth, iu Muukäcs auszuharren; möge man es auch
anderwärts verkünden!" Doch brachte dies weder Tökölyi, dem die Pforte, ihren ver-
hänguißvollen Fehltritt einsehend, wieder die Freiheit schenkte, noch den Türken, bei denen
der Unglückliche, als er frei wurde, zu bleiben gezwungen war, durchaus keine Hilfe.
Gran fiel sofort nach der Niederlage Kara Mustafas bei Wieu in die Hände der Christen
(21. October 1683), Nenhänsel wurde mit Sturm erobert (am 19. August 1685).
Am 18. Juni 1686 standen die Scharen des Königs Leopold vor Ofen. Es war
ein wahres Kreuzfahrerheer, aus Kaiserlichen, Baiern, Sachsen, Brandenburgern und
fränkischen und schwäbischen Kreistruppen bestehend. Neben dein baierischen Kurfürsten,
dem juugeu Max Emauuel, neben deutschen und italienischen Generalen befanden sich
englische, französische, spanische, italienische Fürsten, Herren, Adelige nnd 60 catalonische
Haudwerker, welche heilige Begeisterung aus weiter Ferne hieher geführt hatte, ihr Blut
„für die Sache der Christenheit" zn verspritzen.
Ihr Gottfried von Bouillon war Herzog Karl von Lothringen, der Schwager
Leopolds, der fchou bei Wien die Kaiserlichen befehligt und seitdem fast ununterbrochen
die Türken geschlagen hatte. Zu dem sremden, 60.000 Köpse zählenden Heere gesellten sich
vorher und im Laufe der Belagerung etwa 15.000 Ungarn, meist die regelmäßigen
Infanterie- und Cavallerie-Abtheilnngen der vier ungarischen Geueralate, sodauu Adels-
iusurreetioneu der Comitate und Freiwillige. Viele, sehr viele unter ihueu hatten noch
vor Kurzem als Kurutzeu auf Tod und Leben gegen König Leopold I. gekämpft. Es
erschien an der Spitze seiner Truppen der juuge — achtuudzwauzigjährige — Obercapitän
der Kanizsaer Grenze, Graf Adam Batthyänyi, der Ahne des fürstlichen Zweiges der
Batthyänyi, ferner als Commandant der ungarischen Truppen des Raaber Generalats
der Raaber Generallieutenant, der alte Barou Johann Eszterhäzy (Cseszneker Linie),
Vetter des Palatins Panl, Brnder der beiden bei Vezekeny gefallenen Eszterhäzy, Thomas
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Übersichtsband, Ungarn (1), Band 5
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Übersichtsband, Ungarn (1)
- Band
- 5
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1888
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.41 x 22.5 cm
- Seiten
- 532
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch