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dem jeder anderen Race messen, ja es wird ihm sogar Jeder, der das allzufette Fleisch
nicht mag. den Vorzug einräumen.
Die Viehzucht hat im Alföld einen Aufschwung genommen, die Rinderherden haben
sich vermehrt, aber auch der Kleingrundbesitzer fängt an, seinem Vieh mehr Sorgfalt
zuzuwenden; mit Freude sieht der Fachmaun, dem die Sache am Herzen liegt, daß dort
die malerisch schöne Race mit der stählernen Mnsenlatnr, den funkelnden Augen und dem
gewaltigen Gehörn zum großen Vortheil der ungarischen Landwirthschaft wieder zunimmt,
und wenn die Regierung der Hornviehzucht hinlängliche Förderung angedeihen läßt, wenn
sie die größeren Züchter durch Ankauf von männlichen Zuchtthieren aneifert und die
Gemeinden mit solchen versieht, dann wird der ganze Zweig baldigst zur Blüte gelangen.
Der größte Rinderherdenbesitzer ist Graf Tassilo Festetics, der 870 Stammkühe
hält. Berühmte Rinderherden sind ferner in Päezin, Sarkad, Eßtär, Zsombolya, Kis-
Jenö n. s. w. Dort wo der landwirthschastliche Betrieb extensiv ist, gibt es viel zufällige
Weiden; an solchen Orten muß man Stoppel- und Brachfelder abweiden lassen, bei
guter Witterung auch die Saaten, und diese insgesammt kann nur das Schaf entsprechend
verwerthen. Wir wissen, daß das Alföld infolge seiner landwirthschaftlichen Betriebsweise
Überfluß an solchen Weiden hat und deßhalb die Schafzucht dort ein unentbehrlicher
Betriebszweig ist, ja die öden oder schwach begrasten Sodastrecken können nnr durch Schaf-
zucht ertragsfähig werden. Deswegen hängt der Landwirth im Alföld an der Schafzucht,
welche durch keinerlei Verhältnisse jemals unentbehrlich werden kann.
Im ganzen Alföld finden sich sozusagen nur zwei Raeeu, und zwar im südlichen in
der Hand des Kleingrundbesitzers das Zackelschaf, das hauptsächlich zum Melken gehalten
wird, in den anderen Theilen aber ist ein Merino-Mestize-Kammwollschaf verbreitet,
welches unter den dortigen Verhältnissen entwickelt, denselben auch am besten entspricht.
Die kleinen Grundbesitzer halten die Schafe zum Melken nnd wegen der Woll-
gewinnung, bilden aus ihren Thieren eine gemeinsame Herde, uud die Schafeigenthümer
erhalten im Verhältniß zu der Zahl der Thiere, die sie zur Herde beigesteuert, Melktage,
an denen die gesammte Milch ihnen gehört. Aus dieser bereiten sie Zieger, süßen Käse
nnd Topseu (Quark), ferner Schafbutter, die sie beim Kochen verwenden. Seltener ist der
Fall, daß die Melkschafe, wie iu der Hortabägy, zusammen gemolken werden und ihre
Eigenthümer sich nur in den Geldertrag theilen. Eine solche Herde ist im Winter und
Sommer draußen, lebt bald gut, bald schlecht, und ihr Hirt, der, nachdem er sich einmal
diesem Haudwerk gewidmet, erst nach Abschluß seines Erdenwallens wieder nnter ein
ständiges Dach kommt, steht in gutem uud schlechtem Wetter bei ihr, um für seine geliebten
Schafe — selbst im verbotenen Gehege zu sorgen, zugleich aber auch um den Schafhältern,
deren Thiere er hütet, gehörig Rechnung legen zu können.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Übersichtsband, Ungarn (1), Band 5
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Übersichtsband, Ungarn (1)
- Band
- 5
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1888
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.41 x 22.5 cm
- Seiten
- 532
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch