Seite - 452 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Übersichtsband, Ungarn (1), Band 5
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Im Innern des Landes, sowie in den südlichen, ja selbst nordöstlichen Theilen sind
fast alle besseren und nicht höher als 250 Meter über Meer aufsteigenden Hügel mit
Reben bepflanzt; selbst im großen Alföld gibt es ansehnliche Rebenpflanzungen, sowohl
auf kleineren Sandhügeln, als auch auf ganz ebenem Terrain. Auf jenen Weingebirgen
wachsen die herrlichen, feurigen, aromatischen Weine, in diesen Weingärten die weißen
oder hellrothen, leichten Tischweine.
Der König der ungarischen Weine ist aber nach dem einstimmigen Urtheil sowohl
der ungarischen Weinproducenten, als auch der hervorragendsten ausländischen Wein-
consumeuteu der Tokajer, der weder hinsichtlich seines starken Phosphorsäuregehalts und
der hierauf beruhenden Heilwirkung, noch was Süße und außerordeutliches Bouquet
betrifft, irgendwo anders seines Gleichen findet, obgleich bekanntlich Franzosen und andere
Ausländer bestrebt waren, die ungarische „Furmiut"-Traube, welche diesen Wein ergibt,
zu cultiviren und dadurch einen dem Tokajer ähnlichen Ausbruch herzustellen, während
anderseits, wie man ja auch weiß, gar vielfach und immer umsonst versucht wird, diesen
Ausbruch nachzuahmen.
Ehe wir jedoch die wichtigeren Weinbaubezirke Ungarns in Kürze charakterisiren,
seien einige Mittheilungen gemacht über den Ursprung der ungarischen Weincultur. Der
Anfang ihrer Geschichte ist in der Römerzeit zu suchen. Die Römer machten die Reben-
cultur im Comitate Syrmien, nachher am Plattensee und noch später an der Hegyalja
von Tokaj heimisch. Thatsache ist, daß nach dem Berichte des Anrelius Victor, Proprätors
von Pannonien, an den Kaiser Julian die erste Weinrebe in Syrmien auf dem einst
,mous almus* genannten Berge durch deu Kaiser Valerius Probus im Jahre 282 nach
Christi gepflanzt worden ist. Von hier aus verbreitete sich die Rebencultur in die benach-
barte Baranya und an den Plattensee, anderseits aber in die Gegend von Menes und
Arad und an die Tokajer Hegyalja des Zempliner Comitats.
Die Magyaren fanden bei ihrer Einwanderung schon an vielen Punkten den Wein-
ban vor. Nach den an der Tokajer Hegyalja noch vorhandenen Überlieferungen geschah
es damals, daß Ärpäd auf seinem Heerzug längs des Bodrog sich den Weg plötzlich durch
einen hohen Berg verstellt sah. Zur Auskundschaftung der jenseitigen Landschaft entsendete
er seine Unterfeldherren Onnd, Tarczal und Retel auf die Spitze dieses Berges; Tarczal
war der Erste, der oben ankam und dann Ärpäd die Meldung brachte, daß es drüben
keinen Feind gebe, sondern der jenseitige Abhang des Berges nebst den benachbarten Höhen
völlig mit Reben bepflanzt sei. Nach der Überlieferung habe Tarczal zum Lohne für guten
Kundschaftsdienst und diese überaus günstige Nachricht den erstiegenen Berg nnd dessen
Umgegend als Eigenthum erhalten, daher auch das unterhalb gelegene Städtchen noch
jetzt „Tarczal" heiße.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Übersichtsband, Ungarn (1), Band 5
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Übersichtsband, Ungarn (1)
- Band
- 5
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1888
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.41 x 22.5 cm
- Seiten
- 532
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch