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Trachytschutt, unten theilweise dichter Thon und Löß, oben an mehreren Stellen reiner
Trachytsand, weshalb auch die Vegetation da niemals üppig wird und d»s Erträgniß
uur selten ein reichliches genannt werden kann. Auch haben die einzelnen Abhänge der
Berge je nach der Qualität der Lage und des Bodens mancherlei Benennungen nnd sind
mannigfach classificirt. So ist z. B. in der Tokajer Gemarkung der Abhang der Prima-
Lage, zu der auch der „Hirschenweingarten" (3?arvass?ö1«z) gehört, der sogenannte
„Mezes-Mäl", der sich von der Stadt Tarczal bis nach Tokaj erstreckt; zweite Lagen
sind der „Tapasztö", der „kleine Mezes-Mäl", der „Kunhegy", der „Gyöpös" u. s. w.;
dann gibt es aber auch noch Abhänge genug mit Lagen dritter Classe, und derartige Eiu-
theilungeu finden sich in der Gemarkung jeder einzelnen der oben erwähnten Gemeinden.
Die erste Stelle unter den Traubensorteu gebührt dem „Furmiut", der es in
Folge einer langen Cultur zu zahlreichen Gattungen gebracht hat und Dank seiner starken
dicken Schale sich vorzüglich zum Dörren und Schrumpfen eignet. Außer der „Furmiut-"
Traube siud noch die „Mehlweißer" und die „liudeublättrige" sehr verbreitet, bei
einzelnen Besitzern auch „die gelbe Muskatellertraube"; von dieser stammt der
köstlichste Mnskateller-Ansbrnch, der für den König aller Weine gehalten wird. Regel-
mäßige Reihen sind in den Weinbergen nicht überall zu finden: die Weinstöcke werden
zu niedrigen Köpfen und auf diesen zu kurzen Zapfen zugeschnitten. Da der Fnrmint
wenig trägt, wird er alle drei bis fünf Jahre wieder vergrubt, um dadurch einen größeren
Wurzelreichthum zu gewinnen und anderseits auch besser zu tragen.
Damit die Beeren schrumpfen und Ausbruch zu gewinnen sei, ist es unbedingt
nothwendig, daß dieselben schon Ende Juli ansaugen durchsichtig zu werden und im
September die Reife vollendet sei. Dann brauchen sie etliche Tage Regen, damit die
Fnrmint-Beeren platzen können, wodurch ein Theil ihres Wassers verloren geht; die
Sprünge vernarben wieder und nun beginnen die Beeren bei sonnigem Wetter runzlig zu
werden, ihre Farbe wird immer dunkler, bis schließlich Ende October oder Anfang
November die Beeren am oberen Theile der Traube schon ganz zusammengeschrumpft
sind und die Lese beginnen mag. Da man die Erfahrung gemacht hat, daß bei schönem
Wetter, je später Weinlese gehalten wird, desto mehr Beeren zum Schrumpfen gelangen,
so verschiebt man mitunter, schönes Wetter vorausgesetzt, die Lese sogar bis Ende November,
und es ist schon häufig vorgekommen, daß die Weinleser sich an Töpfen voll Gluth die
Hände wärmten und von den Trauben den Schnee mit kleinen Besen abkehren mußten,
nm sie in ihre Bottiche lesen zu können. Die Weinlese verwandelt alljährlich die Kelter-
häuser der Weinberge in Gasthöfe, in denen das Feuer des Tokajer Weines und die
Gastfreundschaft des Besitzers an Wärme wetteifern. Ist die Lese beendet, so zieht das
Völkchen unter Vorantragnng eines buntgeschmückten Weinlesebanmes singend in die
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Buch Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Übersichtsband, Ungarn (1), Band 5"
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Übersichtsband, Ungarn (1), Band 5
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Übersichtsband, Ungarn (1)
- Band
- 5
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1888
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.41 x 22.5 cm
- Seiten
- 532
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch