Seite - 516 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Übersichtsband, Ungarn (1), Band 5
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Die Eisenbahneil bilden bereits ein weitgedehntes Netz, das — von einzelnen noch
fehlenden Ergänzungslinien abgesehen — den Wünschen des Landes vorderhand zu
genügen vermag. Verbindungen, von denen vor wenigen Jahrzehnten selbst weitblickende
Patrioten annahmen, daß sie nur iu einer sehr fernen Zukunft realisirt werden dürften
uud einstweilen als Phantasiebilder zu betrachten seien, sind jetzt thatsächlich verwirklicht.
Es gibt keine wichtigere Richtung des Verkehrs, nach der das Land keine Eisenbahn-
verbindung hätte uud wohin der Staat durch das ihm zur Verfügung stehende bedeutende
Netz von Staatseisenbahnen keinen entscheidenden Einfluß ausüben könnte.
Zur Ergänzung der Hauptverkehrsliuieu dient seit der Jnartiknlirung des
XXXI. Gesetzartikels vom Jahre 1880 über die Localbahueu ein Netz von Bahnen dieser
Art, das sich immer mehr entwickelt. Das erwähnte Gesetz, welches das System der wohl-
feilen Eisenbahnen und, unter mäßigem Beitrag von Seite des Staates, die Mitwirkung
der iuteressirteu Gegenden als Grundsatz ansgestellt hat, war von so günstigem Einfluß
auf das Zustandekommen der Localbahueu, daß deren in sechs Jahren 2.200 Kilometer
mit einem Anlagecapital von 60 Millionen Gulden gebaut wordeu sind, an dem — die
von den Unternehmern aufgewendeten Summen abgerechnet — der Staat mit 8 Millionen,
die Jurisdiktionen mit 4, Gemeinden und Private aber mit 8 Millionen Gnlden
betheiligt erscheinen.
Die Länge der auf Dampfbetrieb eingerichteten öffentlichen und Privateisenbahnen
beträgt über 10.000 Kilometer. In diesen Bahnen sind rund über 1.000 Millionen Gulden
investirt. Das rollende Material besteht aus nahe an 38.000 Locomotiven und Wagen,
welche 1886 bei einer Leistung von 31 Millionen Zugs-Kilometern 13,835.000 Passagiere
uud 186,572.000 Metercentner verschiedener Waaren beförderten.
Auch di^ anderen Verkehrsmittel, Post und Telegraph, haben sich in gewaltigen
Verhältnissen entwickelt. Ende 1886 gab es auf dem Gebiete der ungarischen Krone
3.966 Postämter und 1.505 Telegraphenstationen; der Verkehr, den sie vermittelt
haben, ist gleichfalls nach Millionen zu berechnen. Die Zahl der durch die Post beförderten
Briefe ist seit 1868 von 32 Millionen Stück auf 173 Millionen, die Zahl der Zeitungen
von 13 auf 50'/, Millionen, die der Telegramme von 1 auf 6 Millionen gestiegen. Die
durch die Post beförderten Geldbriefe nnd Packete repräsentirteu im Jahre 1885 einen
declarirteu oder amtlichen Werth von 2.663 Millionen Guldeu; doch ist auf den Verkehr
dieses Jahres ohne Zweifel auch die Landesausstellung von Einfluß gewesen. An
Anweisungen und Nachnahmen befördert die Post jetzt 300 Millionen Gulden. Vor
dem Jahre 1880 gehörte uoch mehr als die Hälfte des Gefammtverkehrs der Geld-
anweisungen dem Verkehr mit Österreich an, während gegenwärtig mehr als die Hälfte
jener 300 Millionen dem inländischen Verkehr Ungarns zukommt.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Übersichtsband, Ungarn (1), Band 5
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Übersichtsband, Ungarn (1)
- Band
- 5
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1888
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.41 x 22.5 cm
- Seiten
- 532
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch