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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Oberösterreich und Salzburg, Band 6
Seite - 471 -
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471 Daß hier fast jedes Thal Spielarten der Mundart anfiveist oder aufwies, bezeugt derselbe Hiibner, der z. B. aus Großarl und Rauns Ausdrücke verzeichnet, die nur dort verständlich sind. Zu den Eigenthümlichkeiten dieser Mundart gehört unter anderem die Diphthougi- siruug des Stammlautes „e" zu „ei", z, B. gweiu (gewesen), die Einschiebnng des „sch" zwischen „r" und de» Zahnlauten, vor welchen« sch das r oft auch gauz schwiudet, z. B. „Heaschz" (Herz), „knschz" (kurz) uud die rauhe Aussprache der Kehllaute. Im Ober- piuzgau geht diese Mundart in die des benachbarten Zillerthales über, z. B. i hun (habe). Aber nicht blos im Laute, auch im Wortschatze ist die Piuzgauer Mundart ganz eigenartig. Wörter wie „Metz" (Mädchen), „Bösdirn" (Bauerutochter), „fruetig" (munter), „käsig" (lieblich), „löapeu" (übrig lassen), „anweigeu" (anreizen), dürften im Flachgau kanm verstanden werden; andere, wie „foppen" (prahlen), „reiten", z. B. „ob's Roß reiten" oder „ob's Schesi reiten" (fahren), sind ihrer veränderten Bedeutung wegen bemerkenswerth. Sehr beliebt sind die Sammelnamen auf -ach, z.B. „Halmach" (Stoppeln). Die Lieblingspartikel ist „gu" (gugg?), so die der Großarler „gu li"; daher scherzweise die „Guli-Laudler" geuauut. Die Muudart Lungaus steht iiifolge der Abschließnng durch de« Radstatter Taueru deu Dialecteu Kärntens, sowie Steiermarks uäher: daher bemerkt Hübner: „Die Sprechart ist ein Gemisch des Kärntnerische», Steirischen uud Salzburgischen." Zu ihreu Eigeuthümlichkeiteu im Laut zählt die ungewöhnliche Dehnnug der Vocale, z. B. „eesu" (esseu), der Übergang des „r" in „ch", z. B. „Heachz" (Herz), „BKinch" (Beine, dagegen „Böauer", Bohueu) uud die Verkleinerung auf „la", z. B. Gamsla. Der Wortschatz ist ebenfalls höchst eigenartig; er zeigt, neben einigen sprachlichen Überresten aus der slavischen Einwanderung des VI. uud VII. Jahrhunderts in Ortsnamen uud eiuzelueuBeueuuuugeu, z.B. „Geuschn" (Bauernhaus), „Gischgalitzu" (Sauerdorn), viele dem Kärntnerischen uahe stehende Wortformen (z. B. „Ferl" für juuges Schwei», gegenüber dem in Salzburg soust üblichen Worte „Fak"). Die sprachliche Scheiduug drückt sich auch iu deu Nameu aus, welche die verschiedene» Gaue ei»ander beilegen: der Lnnganer nennt den Pongauer „Übertänrer", dieser den Lungauer „Euterstäurer"; der Piuzgauer wurde, wie Hübner berichtet, ehemals in Pongan gerne als „Pinzgara Fopper" bezeichnet: im Pinzgan selbst scheidet man den Gangenossen, den „Däigen", scharf von dem „fremden" Flachländer, dem „Anstarign" uud dem Kärntner und Tiroler jenseits des Tauern, dem „Täurer". Vou der reichen Volks Poesie unseres Landes haben bis vor kurzem die Gebildeten außerhalb Salzburg wenig gewußt: die Auszeichuuugeu, welche eiust Hübuer und in unserem Jahrhundert Dürlinger und Andere über Volkspoesie gebracht haben, blieben nieist unbeachtet, auch die Sammlung salzburgischer Volkslieder von Süß fand außerhalb
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Oberösterreich und Salzburg, Band 6
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Oberösterreich und Salzburg
Band
6
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1889
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
17.03 x 24.86 cm
Seiten
650
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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