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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Oberösterreich und Salzburg, Band 6
Seite - 474 -
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474 Geistlichkeit im Volke verbreitet; wiederholte Verordnungen des letztregierenden Erz- bischofs Hieronymus verbieten das Absingen „ärgerlicher Lieder auf geistliche und weltliche Obrigkeiten". Zur selben Zeit aber berichtet Hübner: „Wenn etwas Lächerliches vorkommt, werde« lange Lieder gemacht". Weit über die Grenzen Salzburgs hiuaus ist ein Gedicht dieser Gattung bekannt geworden: das Piuzgauer Wallfahrtslied, ein im Flachgau (?) entstandenes Spottlied auf die jährliche Wallfahrt der Zeller uud Saalfelder zum Dom nach Salzburg. Der echte Text, deu Süß überlieferte, hat im Lanfe der Zeit vielfache Umarbeitungen und Zusätze erfahren, den ergötzlichsten dnrch den Pinzgauer Volkswitz selbst, der dem Flach- gauer durch folgende Strophe den Hieb zurückgibt: Heiliger St. Örg, du warscht mirakulos, Schick uns hoia recht leibige Roß, Kuödelfleischmähna sau ma koan u. s. w. ihn also mit dein Namen eiues „Kuödelfleischmähua" (Ochsenlenker) belegt, weil man im Flachgau Ochsenfleisch in de» Knödeln ißt und Ochsen statt der Pferde zum Zug verwendet. Den Übergang von der epischen znr lyrischen Gattung bilden die oft balladenartigen Wildschützen- uud Almlieder, in welchen Abenteuer auf der Jagd uud der Besuch der Seuuhütte deu Hauptinhalt bilden, und eine in den Salzburger Gebirgsgaueu Pougau und Piuzgau und in dem benachbarten Oberbaiern heimische Art der Liebesporsie: „die Gasselreime". Es sind dies keine eigentlichen Lieder, vielmehr eine Art Reimprosa, die vor dem Kammerfenster eines Mädchens gesprochen wird. Das „Gasfellied" oder der „Fensterstreit" ist eine Salzburg eigenthümliche Gattung des Liedes, in dem ein Zwiegespräch am Kammerfenster halbdramatisch vorgeführt, das aber keineswegs am Fenster selbst gesnngen wird. Wie schon der Name andeutet, eudeu die spöttischen Gegenreden mit dem Abschiede des Burschen. Den Großtheil der weltlichen Lyrik unseres Volkes bilden die Schnadahüpfel. Obwohl in ihrer Mehrzahl in dem ganzen Gebiete der baierifch-österreichischen Alpen gleichmäßig verbreitet, haben manche dieser Vierzeiligen doch auch locale Färbung; so wenn z. B. der Salzburger Bursche siugt: Im Salzburger Land! Dearfst siuga, dearfst schnaggln Lebst überall jchön, Auf Gassl dearfst geh'n. Wie das geistliche Volksschauspiel iu den kirchlichen Festen, so hat das weltliche Spiel seine Quelle iu den Volksbelustigungen, denen sich anch unser Salzburger Völklein schon von Alters her gerne hingab. „Kaum fand ich iu eiuer Stadt Deutschlands von gleicher Bevölkerung, besonders bei den unteren Volksclassen eiueu so überwiegenden Hang zu den Theaterlustbarkeiten", berichtet ein Reiseschriststeller des XVlII. Jahrhunderts
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Oberösterreich und Salzburg, Band 6
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Oberösterreich und Salzburg
Band
6
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1889
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
17.03 x 24.86 cm
Seiten
650
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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