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Bei weitem einfacher in der baulichen Erscheinung, jedoch in seiner Bedeutung
als großartige Stiftung und Heilanstalt dem vorigen nicht nachstehend, ist das
St . Johannisspi ta l desselben Erzbischoss Johann Ernst Thun. Die ausgedehnten
Gebäude, am nordwestlichen Ende der Stadt frei aus Gärten anfragend, sind zu schlicht
und prunklos durchgeführt, um auf den Namen eines Palastbaues Anspruch zu machen,
verfehlen aber dennoch eines harmonisch ansprechenden Eindruckes und des großen Zuges
uicht, der alle Bauten jenes Fürsten kennzeichnet. Die Mitte des Ganzen nimmt auch
hier eine schmucke zweithürmige Kirche ein. Sie wurde mitsammt dem Spitale in den
Jahren 1699 bis 1705 aufgeführt. Als Baumeister der Kirche erscheint wieder der oft
genannte I. B. Fischer von Erlach urkundlich erwiesen; bei dem hohen Ansehen uud
Vertrauen, dessen er sich bei dem fürstlichen Bauherr« unausgesetzt erfreute, ist kaum zu
zweifeln, daß auch der übrige Bau nach seinen Plänen, mindestens unter seinem Einflüsse
und Beirathe zustande kam. Die Disposition der weiten Jnnenränme und manches
Kennzeichen decorativer Art bestärken diese Vermuthung,
Des ehemals fürstlichen Hofmarstal les haben wir schon bei den Bauten Erz-
bischos Wolf Dietrichs kurz erwähnt. Er nimmt noch heute trotz feiner Umgestaltung zur
Kaserne, trotz erheblicher Verkürzung der Front und anderer erlitteneu Schäden, unter den
Profangebäuden Salzburgs eine so hervorragende Stelle ein, daß einiges Nähere darüber
hier am Platze erscheint. Noch immer imponirt er dnrch Größe und weist in Ban wie
Einrichtung Überreste eines Lnxus auf, die seinen früheren Ruhm als schönster Marstall
im deutschen Reiche wohl begreiflich machen. Namentlich ist es die Verschwendung von
Marmor, die ihm solchen Ruhm erwarb. Der Marstall wurde in der Hauptsache vvu
Erzbischvf Wolf Dietrich um 1607 erbaut, von seinen Nachfolgern aber vielfach verändert,
verschönert uud erweitert. Heute uoch sehenswerth sind daselbst die Winter- und Sommer-
reitschule, erstere von Guidobald Thun 1662 vollendet, mit einem großen Deckengemälde,
das angeblich, aber kaum glaublich von Rottmayr herrührt, letztere mit drei in der Wand
des Mönchsberges kunstvoll ausgehauenen Galerien, mit welchen Johann Ernst Thnn
1693 eines der bekanntesten Schaustücke Salzburgs schuf. Derselbe Fürst gab gleichzeitig
auch der nördlichen Schmalseite des Gebäudes eine in lebhaftem Barockstile verzierte
Frout mit einem großen Pracht thore aus Marmor, zu welchem (wie vermuthlich zur
ganzen Front) gleichfalls wieder Fischer von Erlach den Entwurf lieferte.
Nebstdem errichtete Erzbischvf Johann Ernst der gedachten Front gegenüber als
Zugehör des Marstalles 1695 die schöne Pferdeschwemme mit ihrer schwungvoll
gezeichneten und brillant gemeißelten Marmorbrüstung und der auf hohem Sockel aus der
Mitte des Bassius emporragende« Statue eiues Pferdebäudigers. Die etwas später vom
Erzbischvf Leopold Firmiau hierzu aufgeführte decorative Hiuterwand war mit viel
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Oberösterreich und Salzburg, Band 6
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Oberösterreich und Salzburg
- Band
- 6
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1889
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 17.03 x 24.86 cm
- Seiten
- 650
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch