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damals den Reigen geführt und ans dem kirchlicheil Baufelde noch bis zur Stunde fuhren.
Zu St. Jvhaun im Pongau wurde 1856 infolge eines Brandes der Ban einer große»
Pfarrkirche gothischen Stiles vou Gruude angefangen, die uach mancherlei Unfällen und
beträchtlichen Änderungen des ursprünglichen Planes zwanzig Jahre später zur
Vollendung kam. Gleichzeitig erhielt die stattliche Pfarrkirche in Saalfelden die Gestalt
einer romanischen Basilika. Mehrere kleinere Kirchenbauteu und insbesondere anch
„Gothisirnngen" gingen nebenher; ihre Reihe setzte sich ununterbrochen bis hente fort.
Das an Kirchen schon so reiche Ländchen erhielt in diesen Jahren nicht weniger als
17 Nenbanten, wovon 5 auf die Stadt entfallen, an Stelle älterer oder als frischen
Zuwachs. Besonders verdienen hierunter genannt zu werden die schönen gothischen Kirchen
zn Bad-Gastein, Bruck im Piuzgau uud die Herz Jesu-Kirche zu Salzburg, sämmtlich
«ach Plänen des Oberbanrathes uud Dombaumeisters Friedrich Freiherrn von Schmidt
in Wien erbaut. Auch die evangelischen Kirchen in der Stadt und iu Bad-Gasteiu verdienen
als gefällige und stilvolle Bauten Erwähnung. Daß hierzu noch unzählige Restanrirnngen
alter Kirche» iu Bau wie Ausstattung kamen, Gelungenes und Mißlungenes, wie man es
hentzntage allerorts trifft, haben wir kann: nöthig zn bemerken. Nicht ohne Interesse ist die
jüngste, eben in Vollendung begriffene Kirche des sogenannten Znfluchtshanses zum heiligen
Josef uahe der Stadt. Sie ist die erste, die trotz der Herrschaft der mittelalterliche» Baustile
sich wieder in reinen Formen der Renaissance darstellt und damit eiue abermalige
Rückkehr auch der kirchliche» Architektur zu diesem so oft als unkirchlich verleumdeten Stile
signalisirt, wenigstens einen ersten Schritt dazu bedeutet.
Die profane Banthätigkeit, deren Hauptfeld naturgemäß im Bereiche der Stadt
liegt, gelangte etwas später in Flnß, nahm aber einen unverhofft raschen nnd energischen
Aufschwnug. Deu Austoß hierzu gab eiue Kette vo» Ereignisse», die für Stadt und Laad
auch in anderen Beziehungen erwünscht und glückverheißend waren. Als solche bezeichnen
wir hier nur die 1850 erfolgte Erhebung des Herzogthnms Salzburg zum selbständigen
Kronlande uud damit der Stadt Salzburg zun: Range einer Provinzialhanptstadt mit
autonomer Geineiudeversassuug, die 1860 eröffnete Eisenbahnverbindung mit Wie» und
München sowie die Aufhebung des Festnngszwanges, der die theilweife schon früher
begonnene Niederlegung der Wälle, Ansfüllnng der Gräben, Abbrechnng entbehrlich und
lästig gewordener Thore, endlich eine planmäßige Reguliruug des Salzachslufses und
Anlegung der reizenden Quais längs seiner Ufer anf dem Fuße folgte. Damit war für
die entfesselte Stadt neuer Lebensstoff, Luft und Raum uud mancher andere Keim des
Aufschwunges gewouneu. Gefördert durch hochherzige Schenknngsaete des Monarchen,
durch die Energie nnd Großmnth von Gönnern und Freunden, durch einträchtiges
Zusammenwirken der Bürgerschaft uud endlich — last, not leusl — dnrch einen bis
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Oberösterreich und Salzburg, Band 6
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Oberösterreich und Salzburg
- Band
- 6
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1889
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 17.03 x 24.86 cm
- Seiten
- 650
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch