Seite - 572 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Oberösterreich und Salzburg, Band 6
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grandiose Zinspaläste, Prunkstücke der Architektur, die allerdings über die Dimensionen
der Stadt hinausgreifen und besser in die Wiener Ringstraße passen würden. Anch die vier
schönen Brücken über die Salzach, sämmtlich ans Stein und Eisen eonstruirt, und eine vor-
treffliche Trinkwasserleitung, ein hydrotechnisches Musterwerk, das einen Überfluß köstlichen
Quellwassers aus dem bekannten Fürstenbrunnen am Untersberge der Stadt zuführt,
dürfen als Errungenschaften dieser jüngsten Zeit nicht unerwähnt bleiben. Rechnet man
endlich noch die Menge von Villen und anderen Gebäuden, welche im nächsten Umkreise
der Stadt entstanden und die Vororte auf das Doppelte ihres Umfanges und darüber
ausdehnten, so darf man ohne Übertreibung sagen, daß Salzburg in diesen paar Decennien
eine dritte Blütezeit der Architektur, von den früheren grundverschieden und ihnen doch
an Fruchtbarkeit nicht nachstehend, erlebt hat. Sie brachte namentlich den bürgerlichen
Häuserbau, der, in Altsalzburg von den Kirchen, Klöstern und fürstlichen Prachtbauten
zurückgedrängt, eiu Stiefkind geblieben war, zu Ehren und füllte damit eine Lücke der
architektonischen Entwicklung aus. Das aumuthig heitere Neue verbindet sich mit dein Ernste
und der Würde des Alten so glücklich, daß man hente die verjüngte Stadt im Rahmen einer
herrlichen Landschaft mit Recht als eine Perle unter den Städten Österreichs und Deutsch-
lands preist. Sie hätte sich solche Auserstehung vor fünfzig Jahren kaum träumen lassen.
Von den Lebenden zn den Todten. Vielleicht das Schönste, jedenfalls das Monu-
mentalste, was unsere Zeit in Salzburg geschaffen hat, monumental im strengen Sinne des
Wortes, ist sein neuer Commuual-Friedhof. Stilvolle und künstlerisch geadelte
Architektur verbinden sich hier mit der Pracht der Lage zu einem Ganzen von erhebender
Wirkung. Wenn gänzlich vollendet, wird diese Todtenstätte zu deu schönsten aus deutschem
Boden zählen. Das Anwachsen der Stadt hatte ihre alten, den sanitären Anforderungen
nichts weniger als entsprechenden Friedhöfe derart überfüllt und mit Gebäuden umsponnen,
daß die Errichtung eines neuen in angemessener Entfernung, Lage uud Größe, sowie mit
den vom Zeitfortschritte gebotenen Einrichtungen für die Stadtgemeinde zur unabweisbaren
Pflicht wurde. Sie entledigte sich derselben mit großem Aufwände von Mitteln nnd in
glücklichster Weise. Das ausgedehnte Leichenfeld, ein Viereck mit schwach ausgerundeten
Seiten bildend, zeigt als Front einen langgestreckten Colonnadenban mit Eckpavillons nnd
einer hohen Bogenhalle als Haupteingang uud Durchfahrt iu der Mitte. Das Ganze ist
in reinem Renaissancestile aus Ziegeln in der Naturfarbe mit mehrfacher Abtönung
aufgeführt. Eine große Freitreppe aus weißem Marmor und Granit nebst einer in weitem
Kreise gezogenen Auffahrtsstraße führen zum Vestibüle, dessen Glanzstück ein prächtiges
Eisengitter, eine Meisterleistung des hiesigen Kunsthandwerks, bildet. Den rnnden,
mit Gartenaulagen belebten Vorplatz ziert als Mittelpunkt ein mächtiger Obelisk aus
belgischem Granit, zum Andenken der Gefallenen des heimischen Infanterieregiments Nr. 59
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Oberösterreich und Salzburg, Band 6
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Oberösterreich und Salzburg
- Band
- 6
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1889
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 17.03 x 24.86 cm
- Seiten
- 650
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch