Seite - 578 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Oberösterreich und Salzburg, Band 6
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dem Holzreichthum der Gebirge und den ihr reichlich zu Gebote stehenden Wasserkräften,
und auch sein mächtig aufblühender Fremdenverkehr ist wesentlich das Prodnct der groß-
artigen Alpennatur des an Naturreizen unübertroffenen Landes.
Eines der ältesten Culturgebiete Mitteleuropas, der uralte Sitz bis in den Beginn
unseres Jahrhunderts souveräner Kirchenfürsten, hat Salzburg auch in Rücksicht auf sein
wirthschaftliches Leben eine wechselvolle Geschichte aufzuweisen und die Rückwirkung aller
jener größeren Strömungen und Conjnnctureu der Weltwirthschaft erfahren, welche alt-
begründete Quellen des Volkswohlstandes vernichteten und neue Zweige wirthschaftlicher
Betriebsamkeit an ihre Stelle setzten. Sein einst so berühmter Bergbau und die zahlreichen
Hüttenwerke, welche die herrlichen Gebirgsthäler des Landes belebten, sind der Ungunst
der wirthschaftlichen Conjunctur zum Theile als Opfer gefallen, durch Betriebe mit
günstigeren natürlichen Productionsbedinguugeu unterboten worden; auch mancher Zweig
seiner alten Kunstindustrie ist durch eine Verknüpfung widriger Geschicke vor Zeiten schon
dem Lande wieder verloren gegangen; die Wurzeln des Volkswohlstandes Salzburgs,
sein reicher Bergsegen, seine unter der sicheren Obhut des Staates stehenden Forste, die
von einem im steten Kampfe mit der Natur gestählten Bauernthum sorgsam gepflegte
Landwirthschaft, seine blühende Viehzucht, in Rücksicht auf einzelne Zweige derselben eine
wahre Edelzucht, die zur Ausnützung durch die Industrie einladenden zahlreichen Wasser-
kräfte, seine betriebsame städtische Bevölkerung, endlich die Lieblichkeit und Großartigkeit
seiner Natur, welche jährlich wachsende Ströme des Fremdenverkehrs dem schönen Lande
zuführen, alle diese Vorzüge sind ihm erhalten geblieben und in ihrem Vereine die Bürg-
schaft einer hoffnungsreichen wirthschaftlichen Zukunft.
Landwirthschaft und Viehzucht.
Nur ein Siebentel der Bodenfläche Salzburgs ist saustes Hügel- oder Flachland
und gestattet eine intensivere Bodenbewirthschastung; alles Übrige ist Gebirge, in welchem
nur die größeren Thäler, wie das 60 Kilometer lange Salzachthal, das Fuscher,
Gasteiner, Enns- und Mur-Thal, die Ebene zwischen Wagrain und Radstadt, bei St. Johann
und Werfen, dann der Saalfeldener Boden einen mit Graswuchs wechselnden Feldban
gestatten. Nichtsdestoweniger gehört die Hälfte der gefammten Bevölkerung (nahezu
90.000 Personen) dem Stande der Landwirthe an, welch letztere sich auf circa 15.000
Heimwesen vertheilen. Alle Besitzungen aber, ob groß oder klein, kennzeichnet die verhältniß-
mäßig starke Dienstbotenhaltung. Auf je einer Wirthschaft werden im Flachland durch-
schnittlich 3, im Gebirge 8, ja in einzelnen Höfen sogar 20 bis 25 Dienstboten durch das
ganze Jahr gehalten, deren Kosten um so bedeuteuder sind, als neben den gebotenen
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Buch Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Oberösterreich und Salzburg, Band 6"
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Oberösterreich und Salzburg, Band 6
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Oberösterreich und Salzburg
- Band
- 6
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1889
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 17.03 x 24.86 cm
- Seiten
- 650
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch