Seite - 124 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8
Bild der Seite - 124 -
Text der Seite - 124 -
124
Beim „Kranzelpint" wird im Möllthal der „Valis", der buntbemalte Brautkasten
mit dem Spinnrad, in das Gehöfte des Bräutigams überführt.
An der Grenze der Ortschaft ist eine „Klause", eine aus frische» Fichteubäumeu
mit bunten Tüchern geschmückte und mit einer Kette abgesperrte Manthschranke, errichtet,
wo der „Valis" von der costümirten Klausenwache aufgehalten und ein dramatischer
Schwank abgespielt wird.
„Wer kommt bei später Nacht
Allher auf unsre Wacht?"
ruft der Klausenwächter.
„Mit Jungfrauwaar' und Heiratspracht
Kommen wir auf eure Wacht."
entgegnet ein Valisführer.
„Das muß verbotne Waare sein,
Weil ihr nit fahrt bei Sonnenschein."
In ähnlicher Weise spinnt sich der Dialog mit immer größerer Lebhaftigkeit fort.
Dazu pfeift der Taueruwiud in allen Tonarten, greller „Buchtelschein" beleuchtet den mit
Schneemassen umgebenen Schauplatz und Pistolensalven erschüttern die Luft. Nach
Entrichtung der Mauthgebühr und Fertigung des Reisepasses durch den in einer alten
Militärnnisorm sich spreizenden Hauptmann öffnen sich die Schranken und die Valis-
führer fahren mit dem „Brautputze" durch die Fichtenpforte singend und jubelnd weiter.
Nach einer schönen, in wahrer Nachbarlichkeit wurzelnden Sitte werden den Braut-
leuten im Möllthal beim „Kranzelpint", um ihrem Hausstaude ein wenig anszuhelsen,
allerhand aus Cerealieu, Butter, Käse u. s. w. bestehende Geschenke (Weisat) gebracht,
welche ein eigens dazu bestellter „Schüsselschreiber" übernimmt und in die Keniaten stellt,
wo „Spitzkrapfen", „Blattl'n und Hirfchg'ftäng" aufgeschichtet liegen. In die leeren Körbe
und Schüsseln werden dann Zettel mit dem Namen des Geschenkgebers gelegt, dem sie,
mit diesem eigenthümlichen Backwerk der Alpen gefüllt, wieder zurückgestellt werden.
Nach der in den meisten Thälern des Kärntner Oberlandes üblichen „Abbitte" im
Hause der Braut, wobei kein Auge trocken bleibt, rüstet man sich zum Kirchgang. In und
um den Pfarrhof versammeln sich alle Hochzeitsgäste, zuweilen je nach Umständen auch
im Gasthause, von wo aus sich der Zug in Bewegung setzt. Der „Brautzug" bietet noch
immer ein Schaustück, das viele Zuseher herbeilockt. In den Möllthaler Bergen kündet
er sich schon von ferne durch das Geknatter der Pistolen an. Den Vortrab bilden die
Dorfmusikanten. Die an diesen Vortrab mit den Brauthirten sich anschließenden lebens-
frohen, muskelstrammen Bursche mit blumeubekräuzteu Hüten haben vollauf zu thun,
zurück zum
Buch Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8"
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Kärnten und Krain, Band 8
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Kärnten und Krain
- Band
- 8
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1891
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.41 x 23.03 cm
- Seiten
- 532
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch