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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8
Seite - 128 -
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128 Voll der Hochzeitstafel erhält jeder Gast sein „Bschadesseu". Nach dein Mahle, im Lavaiitthal schon während des Mahles, wird der Ehrentanz und nach Mitternacht das „Krauzlabtanzeu" inscenirt. Interessant ist das Hochzeitsceremoniel der windischen Gai l tha ler ; das Charakteristische dabei ist, daß zur Hochzeit geritten wird, selbst der „Lader" mit dem „Sapo", einem Kranz von Flittergold als Hntschmuck, erscheint zu Roß und macht vor der Hausthür seine Einladung; ein Laib Brot wird ihm dargereicht, um sich ein „Scherzchen" davon abzuschneiden, wie es überhaupt Sitte im Gailthal ist, jedem Gast, weuu er iu die Stube tritt, einen Brotlaib und ein Messer vorzulegen. Bei Überführung des Brautkastens kann mau auf den Vermogensstand der Brant einen Schluß machell, denn ihre Ausstattung, und alles was sie in die Ehe mitbringt, wird auf dem Wagen zur Schau ausgestellt. Der Hochzeitstag selbst bietet ei« farbenreiches Bild. Betrachten wir uns einmal das Brautpaar im Festschmuck. Die Braut erscheint in der gewöhnlichen Gailthaler Tracht, dem kurzen Rock nnd bunten Bnsentuch, nur trägt sie eiue weiße gestickte Schürze, den reichausgeuähten Ledergürtel (Paß) um die Mitte, die gefältete Haube (Peca) oder ein farbiges Kopftuch uud darüber ein mit einer dicken Seidenschnnr umwundenes Filzhütchen anf dem Haupte. Ihre über den blendend weißen Hemdkragen herabhängenden Zöpfe sind mit Blumen nnd Bändern durchflochten. Der Bräutigam ist eine weniger ausfällige Erscheinung. Gewöhnlich trägt er einen langen, mit Krägen besetzten Mantel, eine bunte Weste aus Seidenstoff mit silbernen Kugelknöpsen, hohe Stiefel und auf dem niederen Filzhut die vielfarbige Seideuschnur. Am Hochzeitsmorgen erscheinen die Bursche hoch zu Roß, oft bei dreißig an der Zahl, die Pferde von schwerem Schlag sind mit rothen Bändchen zierlich aufgeputzt, von einem Sattel ist keine Rede, diesen ersetzt eine einfache „Wollkotze". An ihrer Spitze reitet der „Fandlführer" mit dem Bräutigam. Ersterer trägt ein rothes Fähnchen, das er bis zum „Abgeigen" nicht aus der Hand geben darf. In raschem Galopp setzt sich der Reiter- trupp in Bewegung, um die Braut, die oft iu einer entfernten Ortschaft wohnt, abzuholen. Vor dem Hause der Braut wird Halt gemacht und ein nationales Lied angestimmt, Bräutigam und Fähnrich springen vom Pferde, nm iu das Haus einzutreten, aber der Schutzmann kommt ihnen mit einer Ofengabel entgegen und ruft: „Wer seid ihr uud was wollt ihr?" Der Fähnrich verlangt die Herausgabe der Braut, statt derselbe» erscheint zumeist ein altes häßliches Weib, das, mit schallendem Gelächter empfangen, schnell sich entfernt. Darauf wird die Krauzeljuugfrau vorgeführt, endlich erscheint die Braut, welche der Bräutigam mit einem Handschlag begrüßt. Anf dem Wege zur Kirche wird die Braut, weuu sie aus der Ortschaft hinaus- geheiratet, aufgehalten. Zwei Bursche halte« eine Kette über den Weg, die übrigen stellen
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Kärnten und Krain, Band 8
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Kärnten und Krain
Band
8
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1891
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.41 x 23.03 cm
Seiten
532
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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