Seite - 129 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8
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sich links und rechts der Reihe nach ans. Die Braut hat ihren Vermögensverhältnissen
entsprechend sich „auszukaufen". Weigert sie sich das Verlangte zu gebe», so lassen sie den
Zug ungehindert Passiren, aber hinter ihrem Rücken wird ein „Schapp Stroh" angezündet.
Wenn ein Bursche wegheiratet, mache» die Gitscheu (Mädchen) die „Sperre". Das
Lösegeld wird für eine Tanznnterhaltnng am Sonntag nach der Hochzeit verwendet, in
welch letzterem Falle die Gitschen die Bursche dazu einladen, dieselben bewirthen, ihnen
„Lidlan" aufgebe«, kurz die Rolle der Bursche spielen bis znr Abenddämmerung, wo sie
dies Recht wieder der Burschenschaft überlassen. Bei jedem Wirthshaus wird eingekehrt.
Die ganze Zeche zahlt der „Fandlführer" für die Mauder, die Burscheu sind zechfrei.
Ju der Kirche beim Opfergang hat der Fähnrich den Bortritt. Die Brautmutter
legt einen Laib Brot und eine Wurst als Opfer auf den Altar. Nach der Trauung wird
in mauchen Orten der „Johannissegen" nicht aus Gläseru, souderu aus dem Altarglöckleiu
getrunken, das unter den Hochzeitsgästen die Runde macht. Beim Auszug aus der Kirche
bleiben die Brautleute au der Pforte stehen, wo sie von den Hochzeitsgästen kleine Geschenke
in Empfang nehmen. Die Braut wirft einen Theil davon rückwärts, der Bräutigam
vorwärts unter das Volk, damit sie mit reicher Nachkommenschaft gesegnet werden, der
Rest wird in den „Brunntrog" geworfen.
Von der Kirche geht der Zug zunächst zum Hause des Bräutigams, wo die alte
Hausmutter dem Brautpaar mit eiuem Laib Brot, auf welchem zwei Schlüssel in
Krenzform liegen, entgegenkommt. Die Braut zerschneidet das Brot in Stückchen und
vertheilt es unter die umstehenden Armen. In das letzte Stückchen steckt sie eine Silber-
münze und eiu Kuabe läuft damit um das Haus, damit es vor Unglück bewahrt bleibe.
Darauf bringt die alte Mntter eine Henne herbei uud läßt sie über den Kopf der Braut
ius Haus fliegen; diese Heuue wird als ein Sühuopser betrachtet, das alle» etwaigen
Zauber von der künftigen Hausfrau behebt. Nun erst betritt die Braut das Haus und
besprengt alle Räumlichkeiten desselben mit Weihwasser.
Beim Hochzeitsmahle dürfen Braut und Bräutigam nur einen Löffel und einen
Teller gebrauchen. Die Braut trachtet auf den Rockfchößeln des Bräutigams zu sitzen,
damit sie, wie man meint, die Oberherrschaft im Hanse behalte, das heißt ihren Mann
fein unter deu Pantoffel bringe.
Originell ist das „Triukgeldgebeu" für die Köchiu. Der Brautführer bringt aus
der Küche eiueu ästigen Stock, auf welchem allerlei Eßwaareu aufgespießt sind, die Braut-
leute kosten davon und stecken in dieselben das Trinkgeld für die Köchin. Der Brautführer
trägt deu mit Geld bespickte» Stock iu die Küche und übergibt ihn dem Küchenpersonale.
Am Schlüsse des Mahles, während die Kreusauee verzehrt wird, findet das „Abgeigen"
statt, wobei ein Rundgesang mit Musikbegleitung augestimmt wird uud das Fähucheu des
Kärnten und Kram. 9
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Buch Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8"
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Kärnten und Krain, Band 8
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Kärnten und Krain
- Band
- 8
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1891
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.41 x 23.03 cm
- Seiten
- 532
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch