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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8
Seite - 130 -
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130 „Fandlträgers" von einer Hand in die andere wandert. Wenn die Brautleute Nachts nach Hause ziehen, hat sie der Schutzmann zu begleiten und die Brant zu ermähnen, nach alter Sitte die ersten drei Nächte (Tobiasnächte) uach der Hochzeit auf der Bank zu schlafeu. Gebräuche bei Sterbefäl len. Eigenartig sind auch die Gebräuche, wie sie bei Sterbefällen im Küriituer Oberlaude hier uud dort vorkommen. Wenn der Kranke dem Verscheiden nahe ist, eilen die Nachbarsleute herbei, um ihm Beistand zn leisten und zn beten. Die geweihte Wachskerze wird angezündet und mit dem Margarethenglöcklein unter dem Bette, unter Tisch und Bank ohne Unterlaß geläutet (Obergailthal); so weit mau den Klang des Glöckleius hört, heißt es, hat der Teufel keine Macht, uud wenu der Sterbende verschieden ist, da zieht man mit dem Glöckchen klingelnd drei Kreise um die Leiche; dann wird dieselbe mit Weihwasser gewaschen, aufgebahrt, mit der „Überdon" (ein Stück Lein- wand) bedeckt und mit einem „Zwirnfaden" vom Kopf bis zu deu Füße» überspannt, der mit drei aus düuueu rothen Wachskerzchen gebildeten Kreuzchen befestigt wird. Das Gefäß mit Weihwasser, das zum Waschen der Leiche diente, darf nicht im Hause bleiben, sondern mich „verworfen" werden. Schließlich steckt man dem Verstorbenen noch einige geweihte „Palmbuzel" (Blütenkätzchen der Weide) in die Tasche und stellt uebeu denselben ein Gefäß mit „Weihbrunn", ein Holzkreuz zu seinem Haupte und ein Licht, das nicht „abgeränscht" (geputzt) werden darf. Abends füllt sich die Stube wieder mit Leuten, um bei der Leiche zu „wachen". Die Nacht hindurch wird gebetet oder gesungen. Gegen Mitter- nacht werden die „Wacher" mit „Geist" und Kaffee traetirt, damit sie fein mnnter bleiben, denn wo Jemand „auf Erden liegt", soll inan nicht schlafen. So lange die Leiche im Hause ist, dürfen nur die nothwendigsten Arbeiten verrichtet werden, da die Rnhe des Todten nicht gestört werden soll. Am Begräbnißtage selbst geht man zur „B'stattung"; da kommen die Nachbarn, Verwandten und Bekannten oft von weit entlegenen Pfarrsprengeln herbei, um dem Dahingeschiedenen die letzte Ehre zu erweisen. Ehe man das Trauerhaus verläßt, wird gewöhnlich Kaffee servirt. Ein Verschmähen des Gebotenen wird als eine Beleidigung angesehen. Hat der zuletzt Angekommene seine Schale Kaffee geleert, so wird der Sarg, nachdem man von dem Todten Abschied genommen, in die Vorlaube hinausgetragen, an der Thürschwelle dreimal gesenkt und gehoben nnd die Träger sprechen: „Gelobt sei Jesus Christus, dacher kommer nimmer." Bei den Jann- und Gailthaler Sloveueu legt man einen Palmbnscheu auf die Thürschwelle und rückt den Sarg dreimal drüber hin und her, was dem Verstorbenen das Zurückkehren in das Haus verwehren soll; auch geben sie der männlichen Leiche wie im Lavantthal den Hut mit in das Grab. Noch ist zu erwähnen, daß sie gleichsam als eine Zehrung für den Verstorbenen in ein dem Friedhofe näher gelegenes Nachbarhaus drei Gaben: Mehl, Schmalz und Brot zu senden pflegen.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Kärnten und Krain, Band 8
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Kärnten und Krain
Band
8
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1891
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.41 x 23.03 cm
Seiten
532
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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