Seite - 134 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8
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Mit den Worten:
„Edel Kerendaere, ich sol dir klagen skre,
Milter fürste, marteraere umb' ere,
i n weiz wer mir in dknem hove verkeret minen sanc,"
greift der gekränkte Sängerfürst zum Wanderstab, erfüllt von Sehnsucht Uach dem wonnig-
licheu Hofe von Wien; wahrscheinlich fand er jedoch die ersehnte Rast erst in Thüringen
bei dem „beständig milden" Landgrafen Hermann.
Als heimischen Minnesänger dieser Zeit bezeichnet uns Ulrich von Lichtenstein in
seinem Frauendienst einen Mann, dessen Lieder leider verloren gegangen sind:
„von Himelberc der muotes rlch
(her Zacheus was er genant),
von sinem gesange wlte erkant."
Der Himmelberger war es auch, der den „mittelalterlichen Don Quixote" auf seiner
Venusfahrt (1218) durch die bekannte Mönchsmaskerade verspottete, bis er von Ulrich im
Tjoste so gewaltig „hinder daz orsse (Roß) üf daz laut" geworfen ward, „daz er sinnelos
gelac." Ein anderer heimatlicher Sänger war Leopold von Scharsenberg, der in die
Fußtapfen Neithards von Reuenthal, des Schöpfers der sogenannten höfischen Dorfpoesie,
getreten war. Er, wie auch der minnefrohe Burggraf (Heinrich) von Lienz und Knnrat
von Suuuegg aus der windischen Mark fanden am Hofe der sangesfrohen Sponheimer
ein gastliches Heim.
Während in den österreichischen Ländern das Volksepos kräftig gedieh, artete die
höfische Dichtung nicht selten in färb- und geistlose Reimerei aus, da den Dichtern
meistens die Weihe des Genius fehlte, die entlehnten fremden Stoffe selbständig
aufzufassen und mit Freiheit zu behandeln. Ein solcher Sänger ist der Dichter der Krone,
Heinrich von dem Türlin, wie ihn Rndolf von Eins im Alexander und wie sich der
Dichter auch wohl selbst nennt: „ich heiz von dem Türlin der werkte Kiud Heinrich". Er
ist der Vertreter des Verfalls der höfischen Dichtung nicht blos in Kärnten, sondern im
Allgemeinen. Das Geschlecht derer „von dem Türlin" war, wie der Reimchronist Ottaker
zu sagen weiß, in St. Veit begütert. Um 1220 mochte nun Herr Heinrich sein aus
26.967 Verseil bestehendes Gedicht verfaßt haben. In keiner anderen Dichtnng des
Mittelalters ist das Zauberwesen greller aufgetragen als in dieser nnd darin, uicht im
dichterischen Werthe dürfte auch der Erfolg dieses Gedichtes liege«, desseu Anlage planlos
ist und welches Abenteuer auf Abenteuer iu einförmiger Weitschweifigkeit erzählt. —
Eine einfache, in sich wohl abgerundete Erzählung enthält dagegen die Dichtung seines
Namensvetters Ulrich von dein Türlin, der vermuthlich zwischen 1269 und 1275 am
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Buch Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8"
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Kärnten und Krain, Band 8
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Kärnten und Krain
- Band
- 8
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1891
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.41 x 23.03 cm
- Seiten
- 532
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch