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Übersetzung desselben Wortes, ähnlich wie sie im Sagennainen Perhtrababa aus perhta
uud baba vorliegt), im Lavautthal werden sie „Gözenweiber" genannt. Auch sie Hausen
oben in den Felsen der Berge. Stets sind es wilde nnd malerisch gelegene Felswände und
Wüsteneien, wohin die Sage ihren Aufenthalt zu verlegen pflegt, so die steilen Mauern
auf der Plouspitze im Möllthal, die Karswände im Malnitzthal, die Felswände der
Rädern bei Feistritz im Maltathal, die Wände uud Abstürze an der Zanken und am
Reiskofel im oberen Gailthal und dergleichen. Hier Hausen sie nach menschlicher Art. Wenn
nach einem Regen weiße Wolkenstreifen um diese Wände, Schluchten und Höhlen ziehen,
heißt es bei dem Volke: „jetzt hängen die Saligen ihre Wäsche ans". Es sind gutartige
Weseu, welche den Menschen gern mit Rath uud Hilfe zur Seite stehen; in geheimnißvollen
Stimmen geben sie ihnen an, wann sie säen oder jäten sollen. Peitschenknall, muthwilliges
Fluchen und andere Bosheiten der Menschen haben sie jedoch vertrieben, nur befouders
begnadete Menschen können sie noch manchmal sehen uud ihre Stimmen vernehmen. —
Neben diesen beiden Gestalten erscheinen in der Sage des deutschen Volkes noch zahlreiche
andere Wesen geringeren Glanzes, aber doch mit mehr oder minder scharf ausgeprägter
Physiognomie, wie der Wassermann (im Möll- und Dranthal: Blnetschink), die Fener-
geisteln, der Schab (Schanbe), eine feurige Lnsterscheinnug, die sich Nachts auf den Dächern
der Häuser niederläßt, in denen geflucht und gefrevelt wird, die Berg- und Waldmauudlu,
dauu die unheimlichen Geister der Almen: das Käsmanndl, die wilden Sender, die wilde
Fahre (Almfahrt, Nachtvolk). — Verhältnißmäßig deutlich tritt in einer Anzahl von
Sagen des Ober- und Unterlandes die Gestalt der Perchtl hervor, des verzerrten Bildes
der altdeutschen Göttin Perahta. In den einzelnen Sagen führt sie verschiedene Namen,
bald heißt sie einfach „Perchtl", bald „wilde Perchtl" (zum Unterschied von der dramatisch
dargestellten „Kinderperchtl"); wo Deutsche uebeu Slaven wohnen und in vormals von
Slaven besiedelten, heute deutschen Gebieten hört man den Namen Perhtrababa, ein aus
deutschen und slavischen Elementen zusammengesetztes Wort. Nach einer Tradition soll sie
eine Schwester der Mutter Gottes, uach einer anderen dagegen eine der Wileweiß sein.
Bald soll sie an Brunnen und Quellen, bald tief im Gebirge Hausen. Um die Zeit zwischen
Weihnachten und dem Dreiköuigstage zieht sie mit ihrem Gefolge, einer Schar von Kindern,
die ungetanst gestorben sind, in der Welt herum. Auf dieser Fahrt kommt sie auch in die
Häuser der Menschen, sieht nach, ob man ihr die schuldigen Opfer gereicht habe und ob
die Spinnrocken der Dirnen zu Ende gearbeitet wären. — Ein großer Theil der Sagen
dieser Gruppe handelt vom Teufel und seiner Sippschaft. Er wird mit einer Menge
verschiedener Namen bezeichnet, er heißt: Gangger, Ganggerl, Wanker, Wankerl, Fankerl,
der Lethige und dergleichen. Und was weiß man von ihm nicht zu erzählen! Jede Gestalt
vermag er anzunehmen, er erscheint bald in der eines Thieres, bald als grüner Jäger, um
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Buch Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8"
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Kärnten und Krain, Band 8
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Kärnten und Krain
- Band
- 8
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1891
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.41 x 23.03 cm
- Seiten
- 532
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch