Seite - 152 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8
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Prinzessin aus dem goldenen Schlosse, nachdem er das Wasser des Lebens gebracht,
welches die Kraft hat, Kranke gesund zu machen und Todte wieder zu beleben. Ziemlich
zahlreich sind die Märchen von der Entzauberung einer „verwunschenen", in eine
Schlange verwandelten Jnngfran (Gradceniea, Sopotnica, Keutschach, Reifuitz, Sternberg).
Gemeinsam allen ist der Zug, daß der zur Errettung Berufene aus Furcht die Flucht
ergreift uud so die Befreiung mißlingt; ein Nußheher wird eine Nuß zur Erde fallen
lassen, ans dieser wächst ein Baum empor, welcher zu einer Wiege gezimmert werden wird;
das erste Kind, das man in dieser Wiege schaukelt, wird der Befreier seiu. Meistens ist die
Schlange zugleich die Schlaugenkönigin mit der Demantkrone, so daß die Märchen vom
„Natterkrönlein" in jene von der Entzauberung mitverflochten sind.
Übereinstimmend mit der Überlieferung der Kraiuer Slovenen leben in Körnten
die Teufelsagen (Sopotnica, Maria-Saal, Globasnica), die Märchen von der bösen
Stiefmutter, von der weißen Schlange; das Schlaraffenland; Knrent, der
auch als Mann im Mond erscheint; Torklja, der Alp, hier Truta-Mora genannt;
Vedomec (Kanalthal); die drei Bauern, von denen die zwei weltklugen von dem dritten,
für dumm geltenden überlistet werden; ebenso haust der Wassermann durch das ganze
Rosenthal in den Fluten der Dran, in der Tiefe des Wörther und Klopeiner Sees. Die
Haselgerte als Wünschelruthe erscheint in dem Märlein vom Dienstag nnd Donnerstag
(Rosenthal, Jannthal).
Zu jeueu Sageugestalteu, welche deutscher Einfluß unter deu Slovenen heimisch
gemacht, gehören der wilde Mann (Korni Hlo5), die wilde Jagd, Skopnjak, Skrat,
Pehtra-Baba, welcher der Winterdämon der Slovenen Jaga-Baba weichen mußte,
insbesondere aber die saligeu Frauen. Im Rosenthal heißen sie Zalik-Zene, die Gail-
thaler nennen sie Bele- oder Castljive-Zene, wohl auch Sibile-Prerokile. Sie verdunkelten
den Namen, nicht aber das Wesen der Rojenice und Vile der Slovenen. Die Zalik-Zene
wohnen auf Auhöheu, au Quellen, mit Vorliebe in Grotten nnd Felsterraffen, polieo
genannt. Sie verstehen die Bedeutung der Träume, wissen die Zukunft voraus uud greifen
in deu wichtigste» Momenten des menschlichen Lebens ein: Geburt, Heirat, Tod; sie steheu
dem Landmann mit Rath und That zur Seite uud bringen sein Hauswesen zu Wohlstand
uud Gedeihen. Die Gegend zwischen Griffen, Hainburg, Trixeu, das untere und obere
Rosenthal (Koeuha, Ostrova, Vrtin, Orel, Tabor bei Peenica), der Höhenzug der Sattuitz
(Podgrad, Skrbiua, Maria-Rain, Ludmannsdorf, Kötmannsdorf, Babja Cerkviea) sind
die Mittelpunkte der Sagen von den Zalik-Zene.
Von jenen Märchen, die theils Naturerscheinungen, theils auch andere Vorgänge
nach der naiven Auffassung des Volkes erklären sollen, seien hier nur erwähut: warum es
blitzt; warum die Geistlichen schwarze Strümpfe tragen und der kaiserliche Adler schwarz
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Buch Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8"
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Kärnten und Krain, Band 8
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Kärnten und Krain
- Band
- 8
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1891
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.41 x 23.03 cm
- Seiten
- 532
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch