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ist; warum die Vögel zu Ostern anfangen zu singen und znr Sonnenwende verstummen
(Gailthal).
Die Legenden dich tuug ist auch in Körnten sehr fruchtbar gewesen. Im Gail-
thal wissen die Leute bei Hochzeiten fast einem jeden Heiligen zu Ehren ein legendarisches
Lied zu singen. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich die Legenden vom heiligen Oswald
und vom bußfertigen Sünder.
Von deu äußerst zahlreichen Localsagen verdient besondere Erwähnung jene von
der Entstehung des Wörther Sees: auf seinem Grunde ruht die Glocke, die, als man
die Orgel nach Maria-Saal verkaufte, von selbst aus dem Thurm in die Fluten sprang.
Seesagen siud erhalten im Lavantthal, Maria am See und dem kleinen Bergsee oberhalb
Weidisch. An Klagenfurt und Umgebung knüpft sich die allbekannte Lindwurmsage, die
unserer Landeshauptstadt zum Wappenschild verholsen hat. Andere Ortssagen erzählen
die Gründung des Wallfahrtsortes Maria-Lnschari, die Erbauung der windischen Kirche
am Dobrac, des Siegesklosters zu Viktring. Die Schlösser in den slovenischen Landestheilen
sind Sitze ebenso häufiger Schloßsagen, deren Zergliederung uns manchmal auf mythische
Bestandtheile führt, so die Sage von der frommen Hildegarde auf Schloß Prosnica und
jene von der Herzwiese auf Burg Leonstein bei Pörtschach; in beiden erscheint dasselbe
Motiv vom eifersüchtigen Ritter, der den Bruder seiner eigenen Gemalin erschlägt. Durch
hohes Alter uud durch literarische Bearbeitung in romantisch gefärbte Novellen aus-
gezeichnet sind jene Sagen, welche die ersten Zeiten der slovenischen Besiedlung,
deren Glanz und den Verlust der nat ionalen Selbständigkeit in den darans
folgenden Kämpfen mit den Baiern zum Gegenstand haben. In ihnen lebt noch die
Erinnerung, daß es einst anders nnd besser war, und zugleich die Hoffnung, daß es anders
und besser kommen müsse: König Samo, Herzog Jnko nnd sein Mal, das Magdalenen-
kirchlein auf dem Lurufelde seieu hervorgehoben. Auch Hemma, die fromme Gründerin des
Gurker Domes, ist eine volksthümliche Gestalt geworden, sie lebt in Sage und Legende
fort. Sagen vom „Venedigermandl" finden sich mehrfach im Gebiete der Karavanken.
Darunter versteht man die goldsuchenden Venetianer, welche von Zeit zn Zeit in unsere
Gegenden kameu, um hier Goldlager, die sie allein kannten, auszubeuten. Ju solchen
Erzählungen hat sich die Erinnerung an einst ergiebige, später aufgelassene Bergbaue auf
edle Metalle erhalten.
Der Haupttheil der slovenischen Volkssagen gehört den Zeiten der Türken-
einfälle an. Nichts hat sich dem Gedächtniß des Volkes so tief eingeprägt als die Türken-
plage. Im Kanalthal, fast in jeder Ortschaft des Rosenthals, im Jannthal, um Eiseukappel
erzählt man sich allerlei merkwürdige Begebenheiten ans jenen Tagen der Noth und des
Jammers. Gleichsam couceutrirt tritt die Türkeusage in St . Jakob im Nosenthal auf, wo
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Buch Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8"
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Kärnten und Krain, Band 8
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Kärnten und Krain
- Band
- 8
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1891
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.41 x 23.03 cm
- Seiten
- 532
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch