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Kirche und Friedhof nach tapferer Vertheidigung genommen und zerstört wurden. Hier ist
die Heimat jener Serajuik Zalika (Miklova Zala), die, ein neuvermähltes Weib, von
den Türken fortgeschleppt wurde und nach langer Gefangenschaft entwich; obwohl von
den Pesjani, fabelhaften Wesen mit einem Fuße und einem Auge mitten in der Stirne,
verfolgt, kam sie doch in ihre Heimat gerade an dem Tage, als ihr Gemal zum zweiten-
mal? vor den Altar treten wollte; im entscheidenden Allgenblicke gibt sie sich zn erkennen
und die geplante Hochzeitsfeier verwandelt sich in ein fröhliches Fest des Wiedersehens.
Nicht minder begünstigt wurde durch die Türkenkriege die Sagenbildung um die
mythische und historische Person des Kra l j Mat jäz , umsomehr, da die Truppen des
Matthias Corviuus auch in Körnten fochten. In Unterkärnten erzählt man, daß Kralj
Matjäz auf dem Fürstenstein nach altem Brauch zum Herzog eingesetzt wurde und zn
Karnbnrg residirte. Er war ein Schirmer des Rechtes, ein Vater der Armen uud Hilf-
losen. Er ließ lauter Golddukaten prägen: „Es war eine goldene Zeit unter Kralj Matjäz."
Er ist das Idealbild eines Herrschers, unter dessen Scepter es besonders dem Bauern-
stande wohl erging und wohl ergehen wird. Denn Kralj Matjäz ist nicht gestorben: er
schläft im mächtige» Triglavfelfeu oder in der Peciea in Käruteu oder tief unten im
Ungarland. Wenn sein Bart neunmal um den Tisch, an dem er mit seinen Getreuen sitzt,
gewachsen ist, dann ist seine Zeit wiedergekommen. Zuweilen erscheint er dem Menschen,
wie jenem Kärntner, der eine Weinladung aus Ungarn heimführte. Er gebot dem erstaunten
Fuhrmann, ihm über die Schulter durch ein kleines Fenster in ein Haus zu blicken. Da
sah er eine breite Ebene voll gerüsteter Krieger und gezäumter Rosse, doch alles unbe-
weglich, nichts rührte sich. Da zog Kralj Matjäz den Säbel zur Hälfte aus der Scheide
uud siehe, das ganze Heer ward lebendig: die Krieger greisen nach den Waffen, die Pferde
heben die Köpfe und stampfen mit den Hufen. „Das ist mein Volksheer (erna voMa)",
sprach der Held; „nicht mehr lange wird es dauern nnd ich werde mich erheben. Linde
Lüfte werden wehen und alle Menschen mit dem einen Gedanken erfüllen, den alten heiligen
Glauben zu schützen. Alt und Jung greift dann zu den Waffen; der Kampf wird blutig,
aber kurz sein." In Unterkärnten geht die Mär, vor des Königs Höhle, in der er schläft,
soll am Christabend eine grünende Linde entstehen. Von Mitternacht bis ein Uhr wird
sie süßduftend blühen und dann verdorren. Am Georgstag (Frühlingsanfang) wird der
Held erwachen und an die verdorrte Linde seinen Schild hängen, worauf der Baum von
neuem sich belauben wird. Das ist das untrügliche Zeichen einer besseren Zukunft. Kralj
Matjäz wird alle Feinde besiegen, alles Unrecht von der Erde vertreiben und das goldene
Zeitalter begründen.
D a s Volkslied der Slovenen Kärntens zerfällt in zwei Gruppen. Das der
älteren Zeit angehörende trägt sowohl inhaltlich als der Form nach den gemeinsamen
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Buch Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8"
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Kärnten und Krain, Band 8
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Kärnten und Krain
- Band
- 8
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1891
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.41 x 23.03 cm
- Seiten
- 532
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch