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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8
Seite - 173 -
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173 Siebziger-Jahren, viel von sich reden. Das Quintett des „Klageufurter Singvereins" mit Prasser an der Spitze erfreut sich namentlich in der Landeshanptstadt großer Beliebtheit. Im Sommer 1884 saud daselbst eiu Kärntuer-Lieder-Wettsiugeu statt, nach welchem dem Quintett der „Alpenrose" in Ferlach der erste und dem „Laaser-Qnintett" der zweite Preis zuerkannt wurde. Der Vollständigkeit halber sei noch des „Kärntner-Quintetts der k. k. Hofoper" (Birnbaum, Bruckuer, Kinsky, Koschat und Graf) Erwähnung gethan, welches allerdings das kärntnische Original-Volkslied nur in zweiter Linie cultivirte, dem aber das Verdienst nicht abgesprochen werden kann, dieses Volkslied eoncert- und hoffähig gemacht zu haben. Was die musikalische Eigenart des kärntnischen Heimatliedes betrifft, so kann nicht gesagt werden, daß Volkslieder anderer Nationen — die einen an zündendem Rhythmus, die anderen an Wohlklang der Melodie, wieder andere an poetischem Gehalt der Gedanken — die Kärntner Weisen nicht überragen würden; anderseits kann aber ebensowenig in Abrede gestellt werden, daß das kärntnische gegenwärtig zu deu beliebtesten und nieist- gesuugeueu Volksliedern gehört. Inwieweit nun dessen Reiz im Rhythmus oder iu der Melodie oder in der Urwüchsigkeit nnd Naivetät des Dialectes liegt, ist schwer zu entscheiden; Thatsache ist, daß zumal das harmonische Gesüge und die Art und Weise der landesüblichen Reproduktion wesentlich dazu beitragen, daß man diese Lieder auch außerhalb ihrer Heimat ebenso gerne hört als singt. Das Kärntner Lied wird daheim nach der Tradition gesungen, und zwar fünf- stimmig, obwohl dafür vom rein mnsikalischen Standpunkte aus keine zwingende Noth- wendigkeit vorhanden ist. Eine besondere Eigenthümlichkeit dieses Volksliedes besteht darin, daß die Melodie nicht von der obersten, sondern von der sogenannten „Vorsänger"-Stimme gesungen wird, zu welch letzterer sich erfahrungsgemäß ein Baritonorgan am besten eignet. Die zweitwichtigste ist die „Überschlag"-Stimme, die sich in der Regel in der Terz- oder Sextlage über der Melodie bewegt und darum häufig iu das Falsettregister zu greise» hat. Zu eiuer dreistimmigen Jnterpretirnng fehlt noch der Baß, der sich mit Behaglichkeit auf drei Töne festsetzt: ans die Tonika, Dominante und Subdominante. Die dem zweite» Tenor im gewöhnlichen Männerquartett-Satze entsprechende Stimme nennt der Kärntner rasch entschlossen die „Qnint". Sie ist eine heikle harmonische Stimme und erfordert einen Sänger mit feinfühligem, ganz besonders geübtem Gehör. Das dringende Bedürfniß jedes halbwegs stimmbegabten Kärntners, „anch mitzusingen", wo sein Nationallied gesnngen wird, hat noch eine harmonische Stimme — die „tiefe Qnint" erfunden, eine Stimm- gattung, dereu Domäue eine bequem liegende Dominante und ihre unmittelbare Nach- barschaft ist. Solcherart ist das Kärntner Lied, wovon wir eine unveränderte Probe geben, fünfstimmig geworden und wird auch heutzutage fast uur mehr im „Quintett" gesungen.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Kärnten und Krain, Band 8
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Kärnten und Krain
Band
8
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1891
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.41 x 23.03 cm
Seiten
532
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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