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länglicher, an den Ecken abgerundeter Raum, von welchem man in die nach allen Seiten
liegenden zehn Gemächer gelangt. Die gebogene Linie an den Ecken ist so genau ein-
gehalten, daß selbst die Thüren gebogen sind. Das zu beiden Seiten mit kolossalen Vasen
in Nischen geschmückte stuceaturte Stiegenhaus führt nun weiter in den zweiten Stock, wo
man wieder in einen Mittel-Vorsaal gelangt, von welche»? an drei Seiten die Eingänge
in die eigentlichen Prunkgemächer führen. Letztere, sowie die übrigen Stockwerke sind noch
genau iu demselben Zustande erhalten, wie sie ursprünglich ausgestattet wurden. Sämmt-
liche Wände sind mit Leinwand tapezirt und bemalt. Die hübsche Hauskapelle reicht durch
zwei Stockwerke. Classisch sind die bischöflichen Zimmer im Geschmack der damaligen
Zeit bemalt mit Jagdscenen, umrahmt mit braunen Bordüren. Unter den acht Gemächern
ist der Speisesaal an der südwestlichen Ecke bemerkenswerth. Wände und Plafond stellen
luftiges Gewölke dar, in welchem die exotischesten Vögel flattern, und an den Wänden sind
tropische Gewächse, Palmen n. s. w. gemalt, untermischt mit allen Gattungen Affen und
Papageien. Die Fensternischen stellen gemalte Lauben vor mit hellgrünen Staketten, um
die sich wieder wunderliche Schlingpflanzen emporranken. Die Thüren sind weiß, die
Cannelirnngen grün gestrichen. Classische Zopföfen sollen diese luftigen Räume in der
kalten Jahreszeit heizen. Im dritten sehr niederen Stockwerke, wo die Hanptstiege endet,
dehnt sich ein langer, breiter Gang durch die ganze Länge des Schlosses, analog dem
Durchgänge zu ebener Erde aus, mit niederen Fenstern an den Stirnseiten, von dem man
zu beide» Seiten in die zahlreichen Gastzimmer gelangt. Merkwürdig ist, daß alle diese
Mittelräume durch das Stiegenhaus genügend erhellt sind. Von hier gelangt man zu den
Bodenräumen und eine im Erdgeschoß beginnende Wendeltreppe führt zur Plattform auf
dem Dache, auf welchem sich uoch in der Mitte ein kleiner luftiger Saal befindet, über
dem sich ein Uhrthurm als Dachreiter erhebt. An den vier Ecken der Plattform münden
die Rauchfänge, vier Würfel darstellend, über welchen in der Mitte ein fünfter Würfel
aufgesetzt ist. Von hier aus hat man wohl eine beschränkte Aussicht in das Gnrk- und
Metnitzthal. Au der Nordseite des Schlosses, zwischen diesem und der Metnitz ist ein
niedlicher französischer Park angelegt.
Südlich vom Schlosse über der Straße befindet sich ein ausgedehnter Zier- und
Kücheugarteu mit einem halbkreisförmigen ebenerdigen Bau, in dem sich in der Mitte ein
Salon, zu beiden Seiten die Gärtnerwohnung und die Glashäuser befinden. Alles und
Jedes ist hier in dem eminentesten Barockstil gehalten, wie man dies selten antrifft.
Ein kleines Seitenstück zu diesem Bau ist die jetzige bischöfliche Residenz in
Klagensnrt mit ihrem niedlichen Park. Sie wurde für die hochselige Erzherzogin Marianne
erbaut und nach ihrem Ableben den Fürstbischöfen von Gurk gegen das Viktringerhans
überlassen. Die Hauptfront liegt nach dem Garten und in dem Hof sind zwei Flügel in
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Buch Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8"
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Kärnten und Krain, Band 8
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Kärnten und Krain
- Band
- 8
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1891
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.41 x 23.03 cm
- Seiten
- 532
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch