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Millstatt, Maria-Gail, Gurk, Wolfsberg, St. Paul, Lieding und iu Friesach theils noch
an ihrer ursprünglichen Stelle und Verwendung, theils auch bereits losgelöst von jenen
architektonischen Gliedern, denen sie früher angehört haben. In der darauffolgenden Zeit
der Gothik kommeu figürliche Seulpturen an Kirchenbauten hauptsächlich an den Gewölbe-
schlnßsteinen und Kragsteinen und als Capitälanslösnngen der Dienste und nur selten
als freistehende Statuen, wie z. B. in St. Leonhard im Lavantthal, oder als Relief-
darstellungen in den Portalen vor. Allein sie haben meist keinen größeren künstlerischen
Werth. Umso häufiger uud reicher sind aber einzelne Bautheile au gothischen Kirchen durch
ornamentale Zierglieder ausgeschmückt. Kaum ueunenswerth sind dann wieder die wenigen
plastischen Dekorationsstücke an den Kirchenbauten der folgenden Stilperioden, der
Renaissance nnd des Barockstils bis herauf in unsere Zeit. Doch ist ans einige decorative
Senlptnren an Profanbauten der Renaissance hinzuweisen. Vor Allein erscheint das
prächtige Schloß der Fürsten Porcia in Spital mit ornamentalen plastischen Verzierungen
reich ausgeschmückt. Selbst die im Allgemeinen nüchternen Bauten des baulustigeu Graseu
Georg Kheveuhüller gegen Ende des XVI. Jahrhnnderts, wie das Schloß zu Weruberg
und der großartige Festungsbau von Hoch-Osterwitz sind des figürlichen Schmuckes nicht
ganz bar. Namentlich ist sein in Marmor ausgeführtes Bilduiß mit den Büsten der Frauen
über dem Südportal des Schlosses Weruberg ans dem Jahre 1576 auch künstlerisch
beachtenswerth.
Auf dem Gebiete der selbständigen und von der Architektur unabhängigen Plastik
gibt es auch in Kärnten ein Feld, auf dem in allen Stilperioden eine größere Anzahl von
Werken, die noch zum großen Theile erhalten sind, geschaffen wurden. Es sind dies die ver-
schiedenen, theils in weißem, theils in rothem Marmor ausgeführten Grabmonumente.
Man fiudet sie au zahlreichen Kirchen entweder im Innern oder an den Anßenmanern
aufgestellt, so namentlich in Friesach, Villach, Klagenfurt, St. Veit, Straßburg, Millstatt,
Eberndorf, St. Audrä im Lavantthal, Viktring, Ossiach, Maria-Saal, St. Martin im
Granitzthal, Sagritz, Tnltschnig n. s. w. Die künstlerisch werthvollsten darunter stammeu
aus der Zeit der Spätgothik und der Renaissance. Zu den hervorragendsten gehören die
Grabmale zweier Ungnade, Herren zu Sonegg, aus deu Jahren 1468 und 1490 in Ebern-
dorf, die der beiden ersten Großmeister des St. Georgs-Ordens in Millstatt aus den
Jahren 1508 und 15(33), die der Keutfchacher in Maria-Saal, davon eines aus dem
Jahre 1511, dann das Grabmal des Sigmuud vou Dietrichstein aus dem Jahre 1533
und ein Paar von den Denkmälern der Khevenhüller in Villach, ferner das laut Inschrift
vom Bildhauer Jeremias Frauck gearbeitete Denkmal des Salzburger Vicedoms
Georg Schafmann vom Jahre 1572 in der Bartholomäuskirche zu Friesach und endlich
die großen schönen Grabsteine zweier Pröpste aus den Jahren 1662 und 1689 in
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Buch Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8"
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Kärnten und Krain, Band 8
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Kärnten und Krain
- Band
- 8
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1891
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.41 x 23.03 cm
- Seiten
- 532
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch