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Dominicanerkirche zu Friesach. Ein schönes und zierliches Renaissance-Monument besitzt
Friesach an dem Bruuueu auf dem Platze, der 1563 für das Schloß Tauzeuberg
augefertigt und erst 1804 von da nach Friesach übertragen worden ist. Beachtenswerthe
Renaissance-Arbeiten sind ferner die Kanzel in der Stadtpfarrkirche in Villach aus dem
Jahre 1555 uud zwei in Marmor gearbeitete Altäre, früher in der Lnschari-Kirche, jetzt
in Saifnitz. Der Renaissance gehört endlich auch noch das größte und bekannteste plastische
Werk in Kärnten, der um die Wende des XVI. Jahrhunderts errichtete Lindwurmbrnnueu
iu Klagenfurt an, doch ist er als Bildhanerarbeit ohne künstlerischen Werth.
Aus der folgenden Stilperiode sind einige nicht unbedeutende Werke zn nennen.
Zunächst muß der schönen und edlen in Hartblei gegossenen Pietä-Gruppe am Kreuz-
altare in Gurk von Georg Raphael Donner, welche zu den besten Werken dieses großen
Künstlers gehört, gedacht werden. Gegenüber dieser schön und maßvoll aufgebauten Gruppe
erweist sich die mit reichem plastischen Schmuck verzierte Kanzel daselbst als ein Werk des
ausgeprägtesten Barockstils, obgleich es mit Raphael Douuer und seiner Schule iu sicherem
Zusammenhange steht und wahrscheinlich von Donners Schüler Balthasar Moll verfertigt
worden ist. Ein anderes künstlerisch werthvolleres Monumeut dieses Bildhauers, die im
Jahre 1765 in Bleiguß ausgeführte Maria Theresia-Statue iu Klagenfurt, das erste
öffentliche Monument, das der großen Kaiserin in Österreich errichtet worden ist, mußte
leider wegen zu großer Schadhaftigkeit abgetragen werden und wurde im Jahre 1872 durch
eine künstlerisch minder gelungene Bronzestatue von Pönninger ersetzt. Zu erwähnen
sind endlich noch der von Antonio Corradiui aus carrarischem Marmor gearbeitete
Hemma-Altar mit dem Relief der sterbenden Hemma in der Krypta zu Gurk und die
Marmoraltäre in Malborghet.
Zn Beginn unseres Jahrhunderts entstanden zwei Werke des Bildhauers Johauu
Propst: die durch ihre Größe auffallende Gruppe der Kreuzabnahme in der Priester-
hanskirche und der nach dem Vorbilde der obgenanuten Donner'fchen Pietä in Marmor
ausgeführte Altar iu der Kapelle der fürstbischöflichen Residenz in Klagenfurt. In unserer
Zeit wurde das Mausoleum der Gräfin Laura Henkel von Donnersmark mit Scnlptnren
des Berliner Bildhauers Kiß in Wolfsberg errichtet.
Während die genannten Künstler sämmtlich Ausländer waren, muß schließlich auch
noch einiger aus Kärnten stammender Bildhauer gedacht werden, welche zwar keine oder
doch nur geringe Spureu ihrer Thätigkeit in Kärnten hinterlassen haben, jedoch eines
größeren künstlerischen Rufes sich erfreuen uud darum dem Lande zur Ehre gereichen.
Es sind dies: Florian Grübler aus Kolbuitz im Möllthal (1746 bis 1813), Michael
Nnßbanmer aus Schörstadt in der Pfarre Jrfchen (1792 bis 1861) und der bedeutendste
und hervorragendste unter ihnen Hans Gaffer aus Eisentratten bei Gmüud (1817 bis
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Kärnten und Krain, Band 8
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Kärnten und Krain
- Band
- 8
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1891
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.41 x 23.03 cm
- Seiten
- 532
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch