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1868). Nur von letzterem befinden sich auch einige Originalwerke im Lande selbst, als
der lebensgroße Heiland der Lodron'schen Gruft in Gmünd, das Christallnigg'sche
Grabmal in St. Michael am Zollfeld, die zwei Bronzeengel ani Hochaltar der Stadt-
pfarrkirche in Klagenfurt und die Büste des einheimischen Geschichtsschreibers Gottlieb
Freiherrn von Ankershosen im Nudolfiuum in Klagenfurt. Diese Anstalt besitzt auch eine
größere Sammlung von Gypsabgüsseu und Gypsmodellen Gasser'scher Werke. Die Stadt
Villach hat Hans Gasser dnrch die Errichtung eines Standbildes geehrt, das von dem
Kärntner Bildhauer Josef Messner ausgeführt wordeu ist.
Zur Malere i übergehend, ist zunächst im Allgemeinen zu bemerken, daß, obwohl
Körnten an der Grenze von Italien liegt, die hier erhaltenen Werke der Malerei doch
keine bestimmt ausgesprochene Beeinflussung von dorther zeigen, jedenfalls nicht mehr als
die österreichische und süddeutsche Malerei des Mittelalters überhaupt. Höchstens könnte
man die stark hervortretende Vorliebe für monumentale Wandmalerei, die Kärnten mit
Tirol gemein hat, auf das benachbarte Italien zurückführen. Dem eigentlichen Wesen
nach war die Malerei in Kärnten jedoch zu jeder Zeit durchaus deutsch.
Neben Tirol gibt es in Österreich keine Provinz, die eine so reiche Fülle erhaltener
Werke der Malerei aus dem Mittelalter auszuweisen hätte, wie Kärnten. Insbesondere
waren die Kärntner des ausgehenden Mittelalters von einer ganz außerordentlichen
Farbenfreudigkeit erfüllt, so daß wir uicht nur die größeren Kirchenbauten dieser Zeit,
sondern auch häufig ganz kleine Dorfkirchen, Todteukapellen und Wegkreuze voll schönen,
farbigen Schmuckes finden, eine Eigenschaft, die leider nach und nach immer mehr
verschwand, um endlich — was nicht genug zu bedauern ist — bei der monotonen, Alles
überdeckenden, Geist und Gemüth tödtenden Weißen Tünche anzulangen.
Schon die ersten romanischen Monumentalbauten sind fast durchaus mit farben-
prächtigen Wandgemälden ausgestattet worden, so unter anderen namentlich der Gnrker
Dom, wo in dem ehemaligen Nonnenchor ein um die Mitte des XIII. Jahrhunderts ent-
standener großer Gemäldecyklus noch bis auf uusere Tage theilweise leidlich gut erhalten
geblieben ist. An ideal-christlichem Gehalte und an religiös-mystischer Gedankenfülle kann
demselben wohl kaum etwas Ähnliches an die Seite gestellt werden. Er faßt eine größere
Menge einzelner biblischer und symbolischer Darstellungen zu der einheitlichen Idee der
Wiedergewinnung des verlorenen Paradieses für die Menschheit durch Christus zusammen
nnd ist auch in technischer und künstlerischer Beziehung von größtem Werthe. Diese
Malereien, die zu den vorgeschrittensten und edelsten Werken jener Zeit gehören, bilden
eines der wichtigste« und hervorragendsten Denkmale romanischer Wandmalerei nicht nur
in Österreich, sondern in Deutschland überhaupt. Der Meister derselbe» war eiu technisch
tüchtig durchgebildeter, erfahrener und in der Zeichnung uud Farbengebung sehr geschickter
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Buch Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8"
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Kärnten und Krain, Band 8
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Kärnten und Krain
- Band
- 8
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1891
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.41 x 23.03 cm
- Seiten
- 532
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch