Seite - 228 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8
Bild der Seite - 228 -
Text der Seite - 228 -
228
Anzahl sind Überreste erhalten, meist der Schrein sammt den Flügeln. Nur wenige
stammen aus der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts, wie der Altar in Maria-Gail
und einer der beiden Flügelaltäre in Ober-Vellach bei Hermagor, die größte Anzahl ist in
der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts entstanden, andere in der zweiten Hälfte, ja es
wurden bis in das XVII. Jahrhundert hinein noch Flügelaltäre gebaut, bis die Reuaissauce-
und Barockbauten dieselben gänzlich verdrängten. Unter den zahlreichen und prächtigen
Werken dieser Art sei nur auf den Hochaltar in Gurk, von dem Gurker Meister Michael
Hähuel 1631 gebaut, als eines der sinnvollsten, schönsten und großartigsten hingewiesen.
Dieselbe Zeit, welche die Kirchen mit so prachtvollen Altären schmückte, suchte auch die
übrige Ausstattung derselben mit Bet- und Chorstühlen, Paramentenkasten :c. durch schöne
Form nnd oft reiches Schnitzwerk künstlerisch zu gestalten, doch sind unsere Kirchen an
dergleichen Arbeiten verhältnißmäßig arm. Nur ein Werk, ein kleiner Betstuhl aus Nuß-
baumholz von 1464 in der Stadtpfarrkirche zu Villach, vertritt jetzt noch allerdings in
würdiger Weise die Zeit der Gothik, sowie die Kunst des XVII. und XVIII. Jahrhunderts
auch nur durch je ein bedeutendes Werk vertreten ist, einen Betstuhl in derselben Kirche
in schöner Renaissance und das vielsitzige Chorgestühle in der früheren Domkirche zu
St. Audrä in reichem Barockstil mit Intarsia (1761). In besonderer Übung war jedoch
die Herstellung solcher Geräthe, und zwar meist in der ersten Hälfte des XVI. Jahr-
hunderts, sowie von Stiegengeländern und Brüstungen von Emporen aus weichem Holz in
sogenannter Tirolergothik, jener flachen Holzarbeit, welche das Relief auf dem vertieften
Untergrunde des Ornamentes nach Art der Flachmalerei nur durch geschwärzte Striche
und Schnitte andeutet. Arbeiten dieser Art sind in Kärnten ziemlich häufig. Zu den besten
derselben zählen ein sechssitziger Chorstuhl in St. Leonhard in Tweng (1512), zwei Chor-
stühle mit je drei Sitzen in Srejach (1525) und der Sacristeikasteu von Wiudisch-
St. Leonhard. Die Zeit seiner Anfertigung verräth eine auf schön geschlungenem Bande
in gothischen Minuskeln angebrachte Legende: anno > dui 1 50 8 jar - der -
gülden zit 8 - das - die - almar - ist - gemacht - worden. Noch möge ein Zweig
der Holztechnik erwähnt werden, welche zunächst der wohnlichen Ausstattung der Profan-
gebäude diente uud besonders bei den im XVI. und XVII. Jahrhundert vorgenommenen
Neu- und Umbauten zur Anwendung kommt, nämlich die Bekleidung von Wand und
Decke einzelner Gemächer mit Holzgetäfel. Viele dieser Arbeiten sind in Kärnten noch
erhalten und sind vollwerthige Zeugnisse für die Tüchtigkeit der Kunsttischler jener Zeit.
Bei denselben erscheinen die Wände gewöhnlich einfach in Feldern entweder bis zu Zwei-
drittelhöhe, in welchem Falle ein Gesims abschließt, oder bis an die Decke bekleidet, die
Thüren aber gestalten sich zu großen Portalen, welche bis an die Decke reichen und in
italienischer oder deutscher Renaissance oft prachtvoll mit Säulenstellungen, Pilastern,
zurück zum
Buch Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8"
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Kärnten und Krain, Band 8
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Kärnten und Krain
- Band
- 8
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1891
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.41 x 23.03 cm
- Seiten
- 532
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch