Seite - 258 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8
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und Predil bis zu den Durchlüftungen des Savethals östlich von Laibach, vom Wallzuge
der Karavauken bis zu den grünen Dolmen der Karstregiou überschaut. Aber weit mehr
als dies Alles drängt sich in den Rahmen des Bildes herein. Im Nordwesten glänzt noch
das Eis der Tauern, im Norden breitet sich das erstarrte Meer der endlosen Wellenzüge
der östlichen Centralalpen. Weithin schimmert im Süden das Meer, tauchen die nackten
Gipfel des Küstenkarstes aus der verblassenden Dämmerung des Gesichtskreises auf. Einem
anderen Meere gleicht das unübersehbare Tiefland fern im Osten, das in unvordenklichen
Zeiten von den Fluten des pannonifcheu Binnenmeers bedeckt war.
Betrachten wir nun das im engeren Rahmen gezogene Bild unseres Standortes.
Die Plastik der ganzen Gebirgsgrnppe der jnlischen Alpen an den Gemarkungen zwischen
Krain und dem Küstenland prägt sich in einem von Westen her streichenden Hauptzuge
aus, der gegen den Triglav zu nach Südosten, von diesem Centralstock aber nach Süd-
westen und in der Folge nach Süden abschwenkt. Von diesem Hauptzuge strahlen scharf-
kantige Äste nach Süden und Norden aus und schließen eine Anzahl von Ursprungs-
thälern ein, welche auf der Nord- und Ostseite zum Wassergebiet der Save, auf der
Süd- und Westseite zu dem des Jsonzo gehören. Es sind stille, einsame Hochthäler mit
Matten und Karenfeldern, vom Silberglanz kleiner Seen da und dort verklärt.
Aus dem Gerippe der Hochzüge steigen allerorten kahle Gipfel bis zu einer dem
Triglav fast ebenbürtigen Höhe empor: der Mangart (2.678 Meter), dessen im Sonnen-
glanz glühender Scheitel sich in den beiden herrlichen Weißenselser Seen spiegelt; der
Jalonc (2.655 Meter), die Moistroka (2.367 Meter), der Razor (2.601 Meter), die
Velika Ticerca (2.319 Meter) und der sagenberühmte Bogatin velki (2.008 Meter)
im Südwesten. Mauerartig überragen da und dort die küstenländischen Ketten der jnlischen
Alpen das Quellgebiet des Jsonzo. Südöstlich des Jalonc liegt die Hintere Trenta, der
einsame Weiler, die Heimat jenes Jägers, der sich einst vermessen hatte, dem Schutzgeist
der hohen Blumengärten der goldgehörnten Gemse — dem „Zlatorog" — ans Leben zu
gehen. Wer ihn, den Zlatorog, erlegte — meldet die Sage — erhielte den Schlüssel zu den
Schätzen in den Felsenverließen des Bogatin. Wie der „Treutajäger" geendet, hat Rudolf
Baumbach in einem berühmten Alpenmärchen erzählt. Die verschwundenen Blumengärten
mögen an Stelle jener öden Kare geblüht haben, die sich um die „sieben Triglav-Seen"
zwischen dem Hribaree-Platean und der Komarza-Wand erstrecken.
So ist es auch die Sage, welche die majestätische Scheitelhöhe der julischeu Alpen
verklärt. Noch blühen die „Triglav-Rosen" an den Schutthalden, weiß und keusch, aber nur
Sonntagskinder bekommen sie zu Gesicht. Den Schrecken der Felswildniß im Südwesten
und Westen paralysirt das Meer der dunkeln Wälder im Osten und Nordosten, zwischen
welchen die nach dem oberen Savethal sich hinabsenkenden Thäler eingebettet sind. Sie
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Buch Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8"
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Kärnten und Krain, Band 8
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Kärnten und Krain
- Band
- 8
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1891
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.41 x 23.03 cm
- Seiten
- 532
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch