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bilden ebensoviele Zugänge zum Triglav, deren Ausgangspunkt der Ort Mois t rana
bei Leugenfeld ist: durch das Bra ta tha l uud über den Lnkniapaß (1.779 Meter), von
dem man zur „Triglavhütte" (Zajaner Alpenhütte) im Jsonzo-Quellgebiet hinabsteigt;
dnrch das Kotthal , zwischen den mächtigen Pylonen des Emir (2.391 Meter) uud des
R jov ina (2.534 Meter) hindurch bis zur „Deschmann-Hütte"; dnrch das Kermathal
und über das Joch von Sedlo vrh (2.025 Meter) zur Alpe Belopol je hinab nnd
dann wieder hinauf und über den Grat znr „Maria Theresia-Clubhütte". Bei der Alpe
Belopolje mündet die Aufstiegroute ein, welche vom Wocheiner Thal ans eingeschlagen wird.
Der Aufstieg znm Triglav galt bis in die jüngste Zeit für ein außergewöhnliches
Wagniß. Die von der Natnr gebotenen Gefahren wurden durch das Hinzuthu« vou
Schrecken, welche die Einbildungskraft geschaffen, ins Ungeheuerliche vergrößert. Der
Triglav ragte nicht nur im realen Sinne in die Wolken, sondern anch als Heim eines
Gottes, des dreiköpfigen Olympiers der altwendischen Göttersage. Das ist nun Alles
anders. Zwar wird auf dem Gipfel des Triglav noch immer Höhencnlt getrieben, aber die
Formel ist eine andere geworden. Ans solchen Hochwarteu ergötzt man sich an der Weite
des Gesichtskreises, an der Fülle realer Erscheinungen, in welchen die Wahrnehmungen
des Alltagslebens wie Schlacken abgestoßen werden. Die Opferflammen, welche sinnbildlich
dem Sonnenlicht entgegenstreben, gelten dem reinsten Genuß, dem der Natur uud ihrer
uuvergäuglicheu Größe. Freilich ist die Krönung dieses Genusses, soweit der Triglav iu
Betracht kommt, «icht ohne Beschwerden. Wer von der Maria Theresia-Clubhütte ansteigt,
hat das „Thor des Triglav" vor sich: eine breite Rinne mit künstlichen Felsstufen, ein-
geklemmten Holzprügeln und eisernen Stäben, auf und an denen der Wanderer bis znm
Kleinen Tr ig lav emporklettert. Alsdann folgt die „Schneide", ein hundert Schritte
langer, stellenweise nnr einen Schritt breiter Felsgrat mit schwindelnden Abgründen zu
beiden Seiten, aber glücklicherweise mit horizontalem Verlauf. Damit «icht genug ist eine
zweite ansteigende, mit ähnlichen Klettervorrichtnngen versehene Schneide „zu nehmen",
um auf den Gipfel des Großen Tr iglav zu gelangen. An der Nordseite des höchsten
(mittleren) Gipfels hängt an einem Steilhang ein Firnfeld — mitunter fälschlich anch als
„Gletscher" bezeichnet —, das südöstlichste in den Alpen.
Unterhalb der Region der öden Kare und Felsenwälle mit ihren Gipfeln und
Scharten öffueu sich die oben genannten und andere Seitenthäler der Save, vou Wäldern
nindnnkelt, mit rieselnden Bächen und Wasserstürzen, Pflanzenreichen Alpenweiden und
romantischen See«. Die kleinsten der letzteren sind die sieben Tr ig lav-Seen , welche
noch in der Felsregion südwestlich des Triglav liegen. Das tiefstgelegene dieser kleinen
Becken — den „schwarzen See" (Cerni Jeeero) am Nordwestfuße der Velika Ticerca —
umgibt duukles Nadelgehölz. Zwischen den anderen Seen liegen die Schneefelder bis in
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Buch Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8"
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Kärnten und Krain, Band 8
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Kärnten und Krain
- Band
- 8
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1891
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.41 x 23.03 cm
- Seiten
- 532
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch