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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (2), Band 9
Seite - 118 -
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118 sogar um Kathrein schon gesäet und doch eine reiche Fechsung gehabt", rühmt sich der Dritte und fügt hinzu: „Das will ich aber meinem Sohne nicht um die Welt sagen". Noch charakteristischer ist das Sprüchlein eines Vierten: „Einmal pflügen — einfach Brod, zweimal pflügen — zweifach Brod, dreimal pflügen — dreifach Brot". Und am eindruck- vollsten drückt sich der Fünfte aus: „Das ist der gnte Weizen, der zwei Sommer hindurch reift". Just als hörte man Virgilius singen: ,111g, se^es tanäem votis responäst svari ^xrieolse, kis quas solem, kis kri^ora ssnsit." „Jene Saat erfüllt die Hoffnung des gierigen Landmanns Endlich, die zweimal die Hitze und zweimal den Frost überstanden." Bei Virgilius erinnerten wir uns auch au Pliuius, der an einer Stelle sagt: „Iltilissime krumsntum servatur in scrobibus, <zuos siros voelint". (Am zweckmäßigsten wird das Getreide in Gruben aufbewahrt, welche ,siri« heißen.) Das klingt gerade, als würde von Ungarn gesprochen, wo das Getreide eben in Gruben gehalten wird, deren eine Gattung wegen ihrer länglich-viereckigen Form geradezu ,sir-verem" (Grabgrube) genannt wird; man gräbt sie auch in lockereren Boden für geringere Quantitäten, ohne Vorbereitung. Die andere Gattung dagegen, die runde Grube, wird in reinen Lehmboden, in der Form eines Topfes oder Fasses, mit ausgebauchten Seiten, zwei, ja vier Meter tief gegraben, ist bei Wohlhabenderen mit einer Backsteinwand gefüttert und bietet dauernd sichere Unterkunft für 20 bis 50 Centner Getreide. Vor dem Einräumen wird die Grube mit Stroh ausgebrannt, dann einige Tage offen gehalten, und erst wenn ihre Luft schon ganz rein und trocken ist, „gießt" man das Getreide langsam hinein, bedeckt die Oberfläche desselben dick mit trockenem Stroh und häuft auf das Stroh Erde oder preßt das geplättete Erdreich mit Brettern, abgenützten Thüren, ausgewetzten Mühlsteinen nieder. Drinnen im Hofe, meist aber draußen auf der Straße, vor dem Hause eines Jeden sieht man diese Gruben in ganzen Reihen bis zu sechs, während sie anderswo auf irgend einer leichten Boden- erhebung gruppenweise zu sehen sind und unter behördlicher Aufsicht stehen. Jahrelang steht in ihnen die Frucht, ohne zu verderben, ja man findet sogar hundertjährige Gruben mit brauchbarem Inhalt, den der einstige Besitzer bei irgend einer Flucht im Stiche ließ und dann nicht wieder aufsuchte. Die Grube wird im Frühling geöffnet, zur Saatzeit oder wenn das Wintermehl zur Neige geht; aber auch wenn man das Getreide noch nicht braucht, öffnet man die Grube, um die Körner zu reutern und neu einzulegen. Das späte Eröffnen der Gruben wird auch als so eine Art anständiger Prahlerei angesehen, während die „leere Grube", ganz wie die höhnischen Redensarten vom „Strick der sechs Ochsen" oder von der „großen Pfeife mit wenig Tabak", im ungarischen Volkshumor zur Bezeichnung der Verarmung dient. „Gruben hab' ich genug, aber Brot hab' ich keius."
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (2), Band 9
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (2)
Band
9
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1891
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.56 x 21.98 cm
Seiten
682
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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