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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (2), Band 9
Seite - 147 -
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147 auf Kathreiu die wilde Roßherde. Für Lueia bleibt nichts übrig, als der Wind vom Luciatag, ferner allerlei kleiner Aberglaube uud besonders der Lneiastnhl, den man am Lueiatage in Angriff nehmen und auf Weihnachten fertig machen muß, so zwar, daß auch au den zwischenliegenden Tagen daran wenigstens ein Schnitt mit dem Schnitzmefser geschieht. (Daher das Sprichwort: „Es wird fertig, wie der Lneiastnhl", nämlich langsam.) Auf diesem Sessel sitzend kann dann in der Christnacht der Bursche wie das Mädchen den Zukünftigen oder die Zukünftige erblicken, und die Hexen dazu, das heißt, wer das besondere Ange oder die Witterung dazu hat. Doch was schert uns Lueia sammt ihren Stürmen, wenn uns der Advent umgibt mit seinem trüben Himmel nnd seiner heiteren Ruhe, — wenn aus unserer warmen Stube uud vollen Kammer wenigstens auf etliche Monate Sorge nnd Kummer völlig ausgeschlossen sind? Um acht Uhr Früh geht's ins Haus Gottes, eiu frommes Lied zu singen, von da auf deu Marktplatz oder zum Gemeindehaus, ein Wörtlein zu tauschen; Nachmittags ladet das lustige Funkensprühen der Schmiedewerkstätte, oder die mehlige Haube des Trockenmüllers zu einem politischen Gedankenaustausch; gegen Abend wird das Vieh versorgt. Dies ist die Tagesordnung desselben Mannes, der vor vier Monaten in einem ganzen Wochenlauf keine vier Stunden in einem Zug geschlafen hat. Abends entzündet sich das Lämpchen im „Großhaus" und während von den Fingern des „weißen Volkes" (der weiblichen Gesellschaft) der Faden rasch die Spindel hinanschnurrt, lesen die Männer mit lanter Stimme vor, aus volksthümlicheu Zeitschriften, heiligen oder nationalen Geschichten, aus den Werken Petöfis nnd Aranys und aus alledem, was die Bibliothek des „Zirkels" darbietet. Ist's des Lesens genug, dann wird der Tisch gedeckt und frischer Schweinebraten („neues Fleisch") aufgetragen, eigene Mast (der muß schon ein ganz armer Teufel sein, der nicht einmal ein Schweiu gestochen hat); dazu süßer Maisfladen eigener Erzeugung; weißer Käse aus eigener Käserei; saftiges Obst von eigener Pflanzung; ein prickelnder Wein von eigener Kelter. Aber das Alles nicht auf einmal. So verschwenderisch treibt mau's nicht. Nur so hübsch langsam, abwechselnd. Die Spinnrocken stehen still, Messer und Gabel klirren aneinander, das Schul- mädchen sagt den Tischsegen; Alles, was an den Tisch gehört, setzt sich hin, nebeneinander nach Rang und Alter. Den ganzen oberen Tischrand nimmt der Hausherr selbst ein; neben ihm sitzt niemand. Auch wäre gar kein Platz neben ihm, denn zu seiner Linken in der Ecke der Tischbank steht der runde Korb und darin liegt das Brot; reiner Weizen, bäuerisch gemahlen und zuweilen mit etwas Mais-Kraftmehl gemengt; ein Brot, wie es die Frauen keines andere» Volkes backen können, besonders acht oder zehn Stück auf eimual, vor Tagesanbruch. Nur die ungarischen Ehefrauen können das. Das ist eine gewaltige 10»
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (2), Band 9
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (2)
Band
9
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1891
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.56 x 21.98 cm
Seiten
682
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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